Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Es ist Wallfahrts-Hauptsaison in Altötting. Bereits vor dem großen Ansturm an Pfingsten kamen zahlreiche Pilgergruppen ins "Herz Bayerns" – eine kleine Auswahl:

Mutige Fußpilger – Wallfahrt aus Aicha v. Wald

"Lauter glückliche Gesichter", freute sich Bischof em. Wilhelm Schraml, der am 1. Juni die 35 Fußpilger aus Aicha v. Wald mit dem Pilgersegen entließ, als diese sich wieder zu Fuß auf den Rückweg aufmachten. "Jetzt noch ...", ergänzte schmunzelnd einer der Wallfahrer die bischöflichen Lobesworte – immerhin wartete auf sie noch zwei Tage Fußmarsch (100 Kilometer) zurück in den niederbayerischen Landkreis Passau. Am Christi-Himmelfahrtstag hatten sie sich heuer auf den Weg gemacht, am frühen Nachmittags des 31. Mai waren sie in Altötting angekommen und begeistert waren sie von der feierlichen Lichterprozession mit Diözesanbischof Dr. Stefan Oster, der mit dem Gnadenbild den Segen erteilte. Laut Bericht von Pilgerleiter Rudi Bürgermeister besteht die Fußwallfahrt aus Aicha v.W. seit 1680 und wurde nur während des Ersten Weltkriegs ausgesetzt. Während des Zweiten Weltkriegs hatten sich mutige Fußpilger trotz Wallfahrtsverbotes in einer "Nacht- und Nebelaktion" auf den Weg gemacht und nach Ankunft am Gnadenort dem Kreisleiter der Nationalsozialisten einen Brief aus Altötting geschrieben. Alle Wallfahrer unterschrieben damals persönlich! Völlig überraschend blieb dies ohne Konsequenzen!

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Angehender Diakon dabei – Fußpilgergruppe aus dem Pfarreienverband Reischach

"Gegrüßet seist du Königin" stimmte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl an, nachdem er die Fußpilgergruppe aus dem Pfarreienverband Reischach mit Arbing, Endlkirchen, Erlbach und Perach unter der geistlichen Leitung von Pfarrer Ludwig Samereier (2. Bild, l.) am Christi-Himmelfahrtstag, 30. Mai, zur Gnadenkapelle einbegleitet hatte. Mandl verwies in seinen Grußworten auf das Fest Christi Himmelfahrt und Jesu Zusicherung "Ich habe Euch einen Platz im Himmel bereitet". Diese sei eine Bestärkung unseres Lebensziels und bringe die tröstliche Gewissheit, "dass der Himmel nicht verschlossen ist". Für Pfarrer Samereier war es eine große Freude, dass er unter den Fußpilgern den angehenden Ständigen Diakon Benjamin Bössenroth (letztes Bild, Diakonenweihe ist am 9. November 2019 in Hacklberg durch Diözesanbischof Dr. Stefan Oster) begrüßen konnte und dieser gab bei der anschließenden Pilgermesse in der St. Anna-Basilika ein Glaubenszeugnis ab. Momentan absolviert Bössenroth ein Pastoralpraktikum in Neuötting.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Gehen, beten, vertrauen – Fußwallfahrt aus Oberlindhart

Über eine rege Beteiligung und eine gelungene Fußwallfahrt aus Oberlindhart bei Mallersdorf-Pfaffenberg konnten sich auch heuer am Christi Himmelfahrtstag, 30. Mai, Pilgerleiter Johann Glöbl (letztes Foto, M.) und sein Stellvertreter Heinz Hort  freuen. Glöbl, der vergangenes Jahr seine 50. Wallfahrt gefeiert hatte, war heuer zum 30. Mal als Pilgerleiter in der Verantwortung. 60 Kilometer hatten die Oberlindharter zurückgelegt, bevor sie gemeinsam mit Kapuzinerpater Br. Georg Greimel auf dem Kapellplatz einzogen und die Gnadenkapelle umrundeten. Br. Georg sprach ihnen bei der Begrüßung im Kongregationssaal ein herzliches Vergelt's Gott aus und gab ihnen drei Ratschläge für ihren Pilgerweg auf Erden: 1. In Bewegung bleiben, geistig ebenso wie beim Gehen auf Wallfahrten; 2. Mit Gott und den Heiligen in Beziehung bleiben, denn schließlich sei das Christentum in erster Linie eine Beziehungsreligion – hierfür biete die Kirche mit ihren Gebeten, Sakramenten und nicht zuletzt auch mit Wallfahrten einen ganzen "Schatz" an Möglichkeiten; 3. Auf Gott vertrauen, so wie es etwa auch der hl. Bruder Konrad tat. Die Zukunft der Kirche hänge von Menschen ab, die sie "mittragen" und das Gute in ihr, das "aus der Kraft des Hl. Geistes geschieht", "nach außen tragen". Am nächsten Morgen um 6 Uhr feierten die Pilger aus Oberlindhart mit Br. Georg eine hl. Messe im Kongregationssaal.

Text und Fotos: Michael Glaß

Amtsübergabe – Fußwallfahrt aus Cham-Altenmarkt

Feierlich und ergreifend zugleich war der Einzug der 220 Teilnehmer an der 305. Fußwallfahrt aus Cham-Altenmarkt, Pfarreien St. Jakob und St. Josef, am 1. Juni. Ergreifend insbesondere für den fast 80jährigen Sepp Bucher (2., 3., 5., 6. Bild, r.), der nach 35 Jahren Pilgerleitung sein Amt in jüngere Hände übergab. Altöttings Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl bedankte sich für diese lange, treue Pilgertradition der Oberpfälzer und auch für die Glaubenstreue und Verbundenheit des scheidenden Pilgerleiters. "Wer nicht innerlich brennt und sich das Wallfahren zu einer Herzenssache macht, kann das gar nicht machen", stellte Mandl bei der kurzen Statio vor der Gnadenkapelle fest und begrüßte zugleich Buchers Nachfolger Christian Lommer (5. Bild, l.). Dieser war heuer zum fünften Mal mitmarschiert und bezeichnete das Pilgern als positiven "Suchtfaktor". Sepp Bucher bedankte sich herzlich für die von Prälat Mandl übergebene Votivkerze und versprach, diese in der Chamer Johannes-Täufer-Kapelle aufzustellen. Er bedankte sich bei allen Mit-Pilgern und versprach: "Ich möchte noch zehn Jahre mitgehn!" Beim Pilgergottesdienst in der St. Anna-Basilika wurden Jubilare geehrt (darunter auch Ministrantin Marie Obermeyer, (5. Bild, M.), außerdem erfolgte die offizielle "Amtsübergabe": Sepp Bucher und der Chamer Stadtpfarrer Dr. Kazimierz Pajor übergaben dem neuen Pilgerleiter Christian Lommer das Chamer Pilgerkreuz und die Standarte (6. Bild).

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Willkommen daheim – Rad- und Buspilger der KAB Geretsried

"Herzlich willkommen bei der Muttergottes, die für uns Heimat ist", begrüßte am Samstag, 1. Juni Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrock die Rad- und Buspilger der KAB Geretsried in Anlehnung an Worte von Bischof Stefan Oster bei der Maiandacht in Altötting am Tag zuvor. Mit dem Gebet "Gegrüßet seist Du, Maria" und dem Lied "Maria, Dich lieben" grüßten die Pilger bei der Statio vor der Gnadenkapelle gemeinsam die Gottesmutter. Zum 25. Mal fand dieses Jahr die gemeinsame jährliche Bus- und Radwallfahrt aus Geretsried statt; rund 145 Kilometer hatten dabei die Radler in zwei Tagen zurückgelegt. Alles sei gut gelaufen, freute sich KAB-Vorsitzender Gerhard Beißler, und er fügte hinzu: "Wir sind dankbar, dass in all den Jahren und bei den insgesamt so vielen zurückgelegten Kilometern nie etwas passiert ist." Am Rande notiert: zeitgleich mit den Pilgern machte sich auch ein Brautpaar, dass zuvor Hochzeit in St. Konrad gefeiert hatte, auf den Weg zur Gnadenkapelle. Br. Ernst-Konrad gratulierte herzlich und meinte schmunzelnd an das Paar, die Hochzeitsgesellschaft und die Pilger gewandt: in 25 Jahren zur Silbernen Hochzeit und zum Goldenen Jubiläum der Wallfahrt erwarte er dann alle Anwesenden wieder gemeinsam vor der Gnadenkapelle.

Text und Fotos: Michael Glaß

Irreführendes Navi – Männer aus der Pfarrei St. Wolfgang, Regensburg

Eigentlich kennen die "Wolfgangler" den Pilgerweg nach Altötting wie ihre Westentasche. Umso verwunderlicher, dass die Männer aus der Pfarrei St. Wolfgang, Regensburg, den Gnadenort am 1. Juni mit einer Stunde Verspätung erreichten. Grund der Verzögerung: Da in unserer hochtechnisierten und digitalen Welt anscheinend nichts mehr ohne Handy/Smartphone funktioniert, hatten sich die "Traditionspilger" vertrauensvoll auf die falschen Angaben des Navigationsprogramms verlassen. So pilgerten sie dieses Jahr über Umwege zum Gnadenort. Da hat sich wieder mal bewahrheitet: Irren ist menschlich, doch wer sich allein auf die Technik verlässt, der ist verlassen. Am Christi Himmelfahrtstag hatten sich die Fußpilger auf den Weg gemacht, übernachtet wurde wieder im Kloster Mallersdorf und in Loitzenkirchen. Mit dabei war "Pilgerpfarrer" Helmut Huber, der mit seiner Männergruppe am 2. Juni Gottesdienst in der Gnadenkapelle feierte. Den Weg zur Gnadenmutter, die stets auf ihren göttlichen Sohn verweist, finden die unzähligen Pilger seit 500 Jahren – ganz ohne Navi.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Einheit in Glaube und Liebe – Pilger aus Landshut

Seit 1989 ist es Pilgerleiter Günther Fries (1. Bild mit P. Norbert) ein Herzensanliegen, dass die alte Pilgertradition der Landshuter aus dem Jahr 1493 weiter Bestand hat. Am 2. Juni zogen 165 Pilger aus Landshut nach einer "Nachtwallfahrt" – einem 18 Stundenmarsch und 65 Kilometern – die Herrenmühlstraße herauf. Das Altöttinger Empfangskomitee mit dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker, Vortragskreuzträger Konrad Randl und einer Delegation der Altöttinger Musikkapelle nahm sie herzlich in Empfang. Im Festzug ging es die letzte Wegstrecke zum Kapellplatz. Nach Umrunden der Gnadenkapelle zogen die Pilger beifallklatschend an den spalierstehenden Helfern des Roten Kreuzes und des THWs vorbei in den Kongregationssaal zum Gottesdienst mit P. Norbert. Dabei wurde auch die mitgebrachte Votivkerze entzündet. "Ein Pilgern der Sonne entgegen" nannte P. Norbert die Wallfahrtstradition, auch wegen des prächtigen Pilgerwetters. P. Norbert war es außerdem ein Herzensanliegen, kurz auf Jesu Kernaussage im Sonntagsevangelium einzugehen: die Einheit der Jüngerschaft/Kirche in Glaube und Liebe.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Mit Reisnägel-Kreuz – Pilgergruppe aus Schönberg im Bayerischen Wald

Die Sorgen und Nöte bildlich in Form von Reisnägeln in das Pilgerkreuz zu drücken – dies praktiziert alljährlich die Pilgergruppe aus Schönberg im Bayerischen Wald unter der geistlichen Leitung von BGR Michael Bauer auf dem Weg nach Altötting. Auch heuer am 1. Juni gingen sie von Perach aus am Inn entlang 15 Kilometer betend nach Altötting. Der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, nahm die 120 Schönberger Pilger in Empfang und verwies auf die Gottesmutter als unsere Wegbegleiterin: Maria habe uns den Weg aufgezeigt, den Jesus uns verheißen hat. Mit der Teilnahme am vorabendlichen Gottesdienst in der St. Anna-Basilika und anschließender Lichterprozession fand die 15. Wallfahrt der Schönberger einen besinnlichen Abschluss. Übrigens: Rosa Simmet, die Pfarrhaushälterin von BGR Michael Bauer, die das Vortragskreuz beim Einzug zur Gnadenkapelle trug, konnte heuer ein persönliches Jubiläum feiern: 30 Jahre Pfarrhausfrau.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Auf dem Weg – Fußwallfahrer aus Berg im Gau

Bewegung habe die Kirche dringend nötig, nicht umsonst habe das II. Vatikanische Konzil (1962-65) vom "Volk Gottes auf dem Weg" gesprochen, betonte der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, als er am 2. Juni die Fußwallfahrer aus Berg im Gau begrüßte. Was das anbelangt, sind diese durchaus ein Vorbild: vier Tage waren sie betend und singend unterwegs gewesen, ehe sie den Gnadenort erreichten. An der Hl. Kapelle angekommen sangen sie erst einmal den "Engel des Herrn". Mit Pfr. BGR Johann Menzinger feierten sie anschließend eine hl. Messe in der Institutskirche CJ.

Text und Fotos: Michael Glaß

"Danke" zum Jubiläum – Ensdorfer Fußwallfahrt

P. Kuhn hat die Ensdorfer Fußwallfahrt vor 30 Jahren gegründet, weitergeführt wurde sie von P. Blüml, und seit 2004 steht sie unter der geistlichen Leitung von P. Benedikt Leitmayr, dem Pfarrer von Konnersreuth. Ein Gottesdienst in der Ensdorfer Klosterkirche am Christi-Himmelfahrtstag, 30. Mai, war Auftakt für die 30. Ensdorfer Fußwallfahrt nach Altötting, die unter dem Leitwort "Danke" stand. Organisiert wurde der diesjährige "Glaubensmarsch" von Bernadette Schröder unter Wegführung von Manfred Schaller: erst mit dem Auto nach Burgweinting, dann zu Fuß nach Mallersdorf; in der dortigen Exerzitienhauskapelle feierten sie gemeinsam mit den Fußpilgern aus Regensburg/St. Wolfgang eine 4 Uhr-Frühmesse; es folgte die zweite Fußweg-Etappe bis Gangkofen; am dritten Pilgertag feierten die etwa 30 Pilger aus der Oberpfalz in Sigrün noch einen festlichen Dankgottesgottesdienst. Nachdem sie den Kapellplatz in Altötting erreicht hatten, schlossen sie sich an den Händen fassend zu einem Gebetskreis zusammen – ein schönes Zeichen für eine Gemeinschaft im Glauben. Die Ensdorfer Fußpilger nahmen dann an der abendlichen Lichterprozession teil sowie am Sonntagvormittag an der Jugendmesse im Kongregationssaal. Einzig P. Benedikt musste noch am Samstagabend heimfahren, feierte er doch am Sonntag, 2. Juni, mit den Konnersreuther Pfarrkindern Erstkommunion.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

 

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