Altöttinger Liebfrauenbote

Passau: Gedenken der Altöttinger Gnadenbildflucht vor 100 Jahren

"Wer sich an Maria hält, ist auf der sicheren Seite"

In Passau wurde am 30. Mai an die Altöttinger Gnadenbildflucht vor 100 Jahren erinnert. Vom Kloster Niedernburg aus startete eine feierliche Prozession mit dem Gnadenbild in den Dom St. Stephan, wo Bischof Stefan Oster SDB mit vielen Gläubigen eine Maiandacht feierte.

Feierliche Prozession in Passau. Bischof Stefan Oster trägt das Altöttinger Gnadenbild, neben ihm der Altöttinger Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl (l.) und Guardian Kapuzinerpater Norbert Schlenker.
Feierliche Prozession in Passau. Bischof Stefan Oster trägt das Altöttinger Gnadenbild, neben ihm der Altöttinger Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl (l.) und Guardian Kapuzinerpater Norbert Schlenker.

Vor hundert Jahren: 1919 war Bayern ein Unruheherd und Schauplatz der Nachkriegswirren. Die Sorge um das Altöttinger Gnadenbild wuchs. In der Nacht vom 24. auf 25. April 1919 wurde es schließlich in Sicherheit gebracht. Eingewickelt in einfaches Packpapier, trat es seine abenteuerliche Flucht durch das ganze Bistum bis nach Passau an. Erster Zufluchtsort in Passau war damals das Kloster Niedernburg, die Schwestern des Klosters nahmen das Gnadenbild in ihre Obhut.

Hier war auch der Startpunkt der Gedenkfeierlichkeiten in Passau. Nach Eintreffen der Ehrengäste aus Altötting und des Gnadenbildes, wurde zunächst eine Statio in der Klosterkirche Niedernburg abgehalten.

"Besonderes" Ereignis

Feierliche Maiandacht mit Bischof Stefan Oster und zahlreichen Gläubigen im Dom St. Stephan.
Feierliche Maiandacht mit Bischof Stefan Oster und zahlreichen Gläubigen im Dom St. Stephan.

Bischof Stefan Oster im Interview: "Das Gnadenbild hier in Passau zu haben und es in der Prozession tragen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein Bild, das Menschen über Jahrhunderte lang verehrt haben, sie haben ihre Hoffnungen hierhin getragen. Es ist auch etwas Besonderes, weil Altötting so ein bedeutender Ort ist. Und wenn wir ihr Bild heute hier im Dom haben, dann ist das großartig."

Eine feierliche Prozession führte das Domkapitel, Bischof Stefan mit dem Altöttinger Gnadenbild und viele Gläubige, durch die Passauer Altstadt in Richtung Dom. Am 10. Mai 1919, war das Gnadenbild vom damaligen Bischof vom Kloster Niedernburg in den Dom gebracht worden. Insgesamt 20 Tage blieb es dann dort und löste einen Ansturm von Gläubigen im Dom aus. Wallfahrtszüge aus dem ganzen Bistum kamen nach Passau.

Im Dom St. Stephan wurde am 30. Mai im Gedenken an diese Ereignisse eine Maiandacht gefeiert. Bischof Stefan erinnerte zu Beginn des Gottesdienstes an seinen Bischofskollegen vor 100 Jahren. Dieser hielt 1919 eine Predigt über die schwierigen, unruhigen Zeiten, nach dem Ersten Weltkrieg. Und wir befinden uns 100 Jahre später auch in Zeiten des Umbruchs, so Bischof Oster. "Wir leben in Zeiten, in denen wir spüren, dass viele Unsicherheiten bei den Menschen da sind, viele Umbrüche da sind. Auch in der Kirche, nicht nur in der Welt allgemein. Und wir glauben, wer sich an die Mutter des Herrn hält und mit ihr zusammen auf den Herrn schaut, der ist auf der sicheren Seite."

"Die Welt ist sakramental"

Bischof Stefan Oster während seiner Predigt.
Bischof Stefan Oster während seiner Predigt.

In seiner Predigt betonte Bischof Oster: "Die Welt ist sakramental – das heißt, es gibt eine tiefere Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit, die wir mit den Augen sehen." Diese erkennten allein "die Herzen, die tiefer schauen", die "zu glauben und zu vertrauen gelernt haben", dass diese Welt "gehalten ist von einem Gott, der gut ist". Gott schaffe "nichts, was es gibt, genauso zweimal" – auch deshalb sei er "heilfroh, dass wir heute das Original-Gnadenbild hier haben", betonte Bischof Oster. Gerade auch deshalb, "weil so viele Menschen an diesem Original-Bild gelernt haben, tiefer zu sehen". Das Bild sei "Kristallationspunkt des Glaubens der Menschen". Außerdem sei 1919 "das Original geflohen und nicht die Kopie", stellte Bischof Oster fest.

Mit Blick auf das Christentum in der heutigen oft glaubensfernen und manchmal auch glaubensfeindlichen Gesellschaft betonte Bischof Oster: "Wir brauchen einander, uns im Glauben zu stärken." Dabei rief er dazu auf, "Zeugnis zu geben, auch wenn es etwas kostet". Bischof Oster resümierte: "Die Mutter des Herrn steht bei ihm (ihrem Sohn Jesus), mit ihm – sie steht auch bei uns, mit uns, immer – darauf können wir vertrauen. Amen."

Ausklang der Gedenkfeierlichkeiten war dann ein Empfang im Dominnenhof.

Text: Thomas König / Michael Glaß, Fotos: Thomas König

Impressionen

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