Altöttinger Liebfrauenbote

Bischof Paul Hinder OFMCap zum bevorstehenden Papstbesuch in Arabien

"Ohne Zweifel historisch"

Der katholische Bischof Paul Hinder, zuständig für das südliche Arabien, sieht die bevorstehende Reise von Papst Franziskus vom 3. bis 5. Februar nach Abu Dhabi als historisches Ereignis. Wie schon 2017 bei seinem Besuch an der Universität Al-Azhar in Ägypten wird Franziskus auch in den Emiraten bei einer interreligiösen Veranstaltung sprechen, die von einer islamischen Institution organisiert wird. Zudem wird der Papst eine Moschee besuchen und eine hl. Messe feiern. Das von dem Kapuziner Hinder geleitete Apostolische Vikariat Südliches Arabien umfasst derzeit sechs Länder mit rund 2,1 Millionen Katholiken: die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Jemen, Oman, Katar, Bahrain und Saudi-Arabien. Die meisten Christen dort sind Gastarbeiter aus Südasien. Sitz des Vikariats ist die Hauptstadt der VAE, Abu Dhabi.

Papst Franziskus und Bischof Paul Hinder verstehen sich gut.
Papst Franziskus und Bischof Paul Hinder verstehen sich gut.

Bischof Paul, die Reise von Papst Franziskus in die Vereinigten Arabischen Emirate – und damit auch in Ihr Vikariat – steht kurz bevor. Wie ist die Stimmung vor Ort?
Bischof Paul Hinder: Es herrscht definitiv Aufregung; es ist das erste Mal, dass ein Papst die arabische Halbinsel besucht. Papst Franziskus' Besuch in Abu Dhabi ist ohne Zweifel historisch.

Fast alle Christen in den Emiraten sind ja Gastarbeiter mit eingeschränkten Rechten. Werden sie überhaupt die Gelegenheit haben, den Papst zu sehen, beispielsweise beim Abschlussgottesdienst in Abu Dhabi?
Alle Christen im Land sind Ausländer; sie haben jedoch Rechte, die man als Wanderarbeitnehmer wie in jedem anderen Land hätte. Sowohl in humanitärer als auch in rechtlicher Hinsicht hat die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate große Anstrengungen unternommen, um dafür zu sorgen, dass die Arbeitermigranten gute Lebensbedingungen haben. Die Angestellten im Land leben ein anständiges und komfortables Leben, aber wie in jeder Situation haben Familien immer wieder Herausforderungen wie Arbeitsplatzabbau und andere finanzielle Probleme. Wir sind eine Million Katholiken in den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber natürlich werden nicht alle von uns aufgrund der begrenzten Kapazitäten an der heiligen Messe in der Zayed Sports City teilnehmen können, und es ist auch ein Arbeitstag für alle. Wir haben jedoch alle möglichen Vorkehrungen getroffen, einschließlich einer Live-Übertragung der hl. Messe in allen Pfarrgemeinden.

Die VAE gelten als vergleichsweise "liberal" hinsichtlich der Religionsausübung von Nicht-Muslimen. Wie beurteilen Sie hier die Entwicklung in den vergangenen Jahren?
Im Jahr 2016 richtete die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate ein Toleranzministerium ein und 2019 wurde zum Jahr der Toleranz ernannt. Diese Initiativen belegen das Bestreben der Regierung, eine tolerante Gesellschaft zu schaffen. Es ist auch eine Hommage an den Gründervater des Landes, den verstorbenen Scheich Zayed und die Fortsetzung seines Erbes. Vor zwei Jahrzehnten beispielsweise entdeckte eine archäologische Ausgrabung ein Kloster aus dem frühen 7. Jahrhundert auf der Insel Sir Bani Yas. Auf Anweisung Scheich Zayeds wurde das Gelände als Teil des Erbes des Landes erhalten.

"Die Katholiken in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind wahrhaftig ein Spiegelbild unserer Universalkirche"

Bischof Paul Hinder.
Bischof Paul Hinder.

Welche Impulse erwarten Sie durch den Papst-Besuch und durch Franziskus selbst? Immerhin nimmt er ja auch an einer interreligiösen Begegnung teil und besucht die Scheich-Zayed-Moschee ... Werden Menschenrechte und Religionsfreiheit ein Thema sein?
Die Äußerungen von Papst Franziskus werden nie vorab verbreitet und wir hoffen wie immer, dass er ein Thema herausstellen wird, und das ist Frieden. Er ist ein Botschafter des Friedens und diese Botschaft nimmt er überall mit hin. Wir als katholische Gemeinde haben immer von der Wohltätigkeit der Herrscher profitiert. Die ersten beiden Kirchen des Landes wurden 1965 in Abu Dhabi und 1967 in Dubai eingeweiht. Wir haben jetzt neun Kirchen in den Vereinigten Arabischen Emiraten – dies ist ein Beweis für ihre Großzügigkeit gegenüber der Religionsfreiheit.

Können Sie schon Näheres zum Programm, zu den Themen der Interreligiösen Begegnung am 4. Februar sagen?
Derzeit können wir nur sagen, dass der Großscheich von Al-Azhar in Ägypten, Ahmed Al Tayeb, auch am 4. Februar zum Treffen der "Human Fraternity" eingeladen wird (Al Tayeb gilt als eine der wichtigsten religiösen Autoritäten im sunnitischen Islam, Anm. d. Red.). Weitere Informationen folgen in Kürze.

Die Arabische Halbinsel und damit auch Ihr Vikariat sind geprägt durch ein enormes Wohlstandsgefälle und große Unterschiede hinsichtlich der Toleranz gegenüber anderen Religionen. Im Armenhaus Arabiens, dem Jemen, herrscht seit Jahren ein furchtbarer Bürgerkrieg. Dürfen die Menschen dort auch etwas Hoffnung schöpfen aus dem Papst-Besuch? Was kann Franziskus bewegen, um die Lage im Jemen zu verbessern?
Ja, der Krieg in Jemen ist eine humanitäre Krise, und wir hoffen, dass der Frieden bald wiederhergestellt wird. Papst Franziskus hat mutig Gewaltakte verurteilt, sei es im Namen der Religion oder der Verfolgung von Minderheiten. Daher wird es keine Überraschung sein, wenn er seine Meinung zur Hungersnot äußert, von der Millionen im Jemen betroffen sind und die jeden Tag Kinder sterben lässt. Es ist schwer zu sagen, ob etwas, das Papst Franziskus sagt, direkte Auswirkungen auf die gegenwärtige Situation im Jemen haben wird, aber wir beten weiterhin für den Frieden.

Zu guter Letzt: Werden Sie selbst einmal in Ruhe mit dem Papst sprechen können? Falls ja, was möchten Sie ihm mit auf den Weg geben?
Ja, ich werde Teil der offiziellen Delegation sein und als Apostolischer Vikar von Südarabien freue ich mich, dass er uns besucht. Die Katholiken in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind wahrhaftig ein Spiegelbild unserer Universalkirche. Die vielen Gemeinschaften, Kulturen und Nationalitäten, aus denen sie stammen, machen uns zu einer einzigartigen Kirche. Dies gilt umso mehr, als wir in einem islamischen Land mit den Muslimen gemeinsam in Frieden und Harmonie leben. Er wird dies aus erster Hand erfahren.

Interview: Wolfgang Terhörst, Fotos: Apostolisches Vikariat Südliches Arabien

Lesen Sie hier, was Kapuzinerbischof Paul Hinder über den heiligen Bruder Konrad sagt

 

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