Altöttinger Liebfrauenbote

Junge Pilger erfahren in Panama, wie der Glaube unterschiedliche Kulturen verbindet

Mehr als ein großes Fest

Der Passauer Diözesanbischof Stefan Oster hat das Bemühen von Indigenen in Panama um ihre Kultur und Identität gewürdigt. Zuvor war er auf dem Weltjugendtag in Panama mit einer Delegation aus Bischöfen und Jugendlichen mit Vertretern des Volkes der Kuna zusammengetroffen. Diese hatten von Diskriminierungen und Benachteiligungen im Job oder an der Universität berichtet. Solche Erfahrungen machten es schwierig, die eigene Kultur zu bewahren.

Indigene beim Weltjugendtag.
Indigene beim Weltjugendtag.
Bischof Stefan Oster beantwortet Fragen beim Weltjugendtag.
Bischof Stefan Oster beantwortet Fragen beim Weltjugendtag.
Bischof Stefan Oster bei der Katechese.
Bischof Stefan Oster bei der Katechese.
Besucher aus allen Teilen der Welt nahmen am Weltjugendtag in Panama teil.
Besucher aus allen Teilen der Welt nahmen am Weltjugendtag in Panama teil.
Besucher aus allen Teilen der Welt nahmen am Weltjugendtag in Panama teil.
Besucher aus allen Teilen der Welt nahmen am Weltjugendtag in Panama teil.

Über den Müllbergen kreisen große, schwarze Vögel. Direkt daneben ducken sich flache, aber liebevoll gebaute Häuschen zwischen tropischen Bäumen. Die Häuser waren vor dem Müllberg da.

Seit den frühen 70er-Jahren gibt es die Gemeinde Kuna Nega nahe Panama Stadt. Den Ort gründeten Angehörige des indigenen Volks der Kuna, die mangels Perspektiven aus ihrem territorialen Gebiet auf dem San-Blas-Archipel in die Großstadt ausgewandert waren.

Zwölf Prozent der rund vier Millionen Einwohner Panamas sind Indígenas. Das Volk der Kuna gehört mit etwa 100.000 Angehörigen zu deren großen Gruppen, circa 70.000 davon leben in und um Panama Stadt. Dennoch wird ihnen bis heute die Teilnahme in Panamas Gesellschaft erschwert.

Bischof Stefan Oster, der in seiner Aufgabe als Jugendbischof für Deutschland nach Panama reiste, zeigte berührt durch den herzlichen Empfang bei den Kuna: "Es ist bewegend zu sehen, wie die Kuna, besonders auch die Jungen, ihre kulturelle Identität bewahren wollen – und gleichzeitig ihre Chancen in einer Gesellschaft suchen, die diese Identität auch bedroht", sagte er. Doch nicht nur der Bischof, vor allem auch die jungen Pilger aus Deutschland nahmen freudig und ohne Scheu die Gelegenheit wahr, jenseits des Weltjugendtagstrubels in die ungeschminkte Wirklichkeit des Landes einzutauchen. Während der "Tage der Begegnung" im Vorprogramm des kirchlichen Großereignisses lebten sie mit Gastfamilien auf dem Land und erfuhren so ihren Alltag. Sie besichtigten Hilfsprojekte, lernten die Arbeitsbedingungen in Kaffeeplantagen kennen, besuchten Kranke, pflanzten Bäume. Jeder Pilger könnte von riesigen, aufwändigen Empfangsfesten mit Unmengen an liebevoll zubereiteten Speisen, Musik, Tanz und zum Teil sogar Feuerwerk erzählen. Die freudige Begeisterung über die ungewöhnlichen Besucher war überall zu spüren. Tausende setzten sich dafür ein, Panamas Gästen den Aufenthalt angenehm zu gestalten.

"Das ist tatsächlich ein historisches Ereignis", sagte der deutsche Botschafter in Panama Stadt beim Besuch der deutschen Delegation, die aus Jugendbischof Stefan Oster, den Verantwortlichen der Jugendpastoral und Vertreterinnen und Vertretern des Lateinamerikahilfswerks Adveniat bestand, in seinem Büro. Noch nie in seiner ganzen Geschichte habe es in Panama ein Fest solchen Ausmaßes gegeben. Das Land hat sich vorbereitet. Für den Präsidenten des Landes, Juan Carlos Varela, hatte der Weltjugendtag zum Ende seiner Amtszeit oberste Priorität. 40 staatliche Organisationen und ausländische Botschaften waren in die Vorbereitungen involviert. Man ergriff bauliche Maßnahmen, erweiterte die U-Bahn-Linien. Die Gefängnisstrafen für Diebstahl wurden auf 18 Jahre erhöht. Rund 30.000 Sicherheitsleute waren im Einsatz, Straßensperren wurden aufgestellt. Die Börse schloss zwei Stunden vor Beginn der Papstveranstaltung. Überall grüßten Plakate mit Papst Franziskus und dem Weltjugendtagslogo von Laternenpfählen und Hauswänden und hießen die Pilger willkommen, auf den in der Stadt verteilten Bühnen spielte Live-Musik.

Bischof Stefan Oster erklärte, wie wichtig es für junge Menschen sei, solche Events der Kirche besuchen zu dürfen. "Hauptprotagonisten dieses Festes sind nicht wir Bischöfe, sondern die jungen Menschen", sagte er. Sie seien nicht bloße Kulisse für einen Papstbesuch, sondern könnten auf einzigartige Weise die Tiefe und Schönheit des Glaubens erleben.

Bei seiner Katechese für Pilger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vertiefte Bischof Oster diese Gedanken, ermutigte die jungen Menschen, nach einer echten Beziehung zu Jesus zu suchen, ihren Glauben in Gemeinschaft zu leben und jeden Tag etwas Gutes für andere zu tun.

Unvergessliches Erlebnis

Begeisternde Stimmung bei der Willkommensfeier für Papst Franziskus.
Begeisternde Stimmung bei der Willkommensfeier für Papst Franziskus.
Über ein unvergessliches Erlebnis in Panama freuten sich die Teilnehmer aus dem Bistum Passau.
Über ein unvergessliches Erlebnis in Panama freuten sich die Teilnehmer aus dem Bistum Passau.

Die große Willkommensfeier für Papst Franziskus entlang der rund 2,5 Kilometer langen Uferpromenade Cinta Costera war prächtig und farbenfroh. Die Pilger nahmen großes Gedränge und lange Wartezeiten bei tropischen Temperaturen auf sich, um einen Blick auf den Papst zu erhaschen und gemeinsam zu feiern. Die Darbietungen von Gesängen und Tänzen betonten das Miteinander verschiedener Kulturen. In seiner Ansprache bezeichnete Franziskus den Weltjugendtag als ein Fest der Freude, der Hoffnung und als ein großes Zeugnis für den Glauben an Jesus Christus.

Für die Passauer Gruppe wird das Ereignis unvergesslich bleiben. "Mit meiner Gastfamilie war das Ganze ein supertolles Erlebnis, wir haben uns total gut verstanden, so herzlich waren sie. Wir haben Handynummern ausgetauscht und schreiben noch regelmäßig", erzählt zum Beispiel Eva. Und Lilli ergänzt: "Jeder hat sich gefreut, die anderen kennenzulernen. Die Gemeinschaft war unglaublich."

Text und Fotos: pbp

 

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