Altöttinger Liebfrauenbote

Die Biografie des heiligen Bruders Konrad – Serie "Bruder Konrad" Teil I

"Pater Guardian, jetzt geht's nimma!"

Dr. Herbert Wurster, Archivdirektor des Bistums Passau von 1993-2019.
Dr. Herbert Wurster, Archivdirektor des Bistums Passau von 1993-2019.

Liebe Leserinnen und Leser, im großen Bruder-Konrad-Jahr 2018 zum 200. Geburts- und Tauftag haben Sie den heiligen Altöttinger Klosterpförtner bereits gut kennenlernen dürfen. Heuer nun jährt sich sein Todestag zum 125. Mal – ein Jubiläum, das die Kapuziner mit dem Bruder Konrad-Fest am 27. und 28. April besonders feiern. Für uns ein Anlass, im Rahmen einer zehnteiligen Reihe einen neuen Blick auf die spannende Geschichte Bruder Konrads zu werfen. Die Texte hat der langjährige Archivdirektor des Bistums Passau (1993-2019), Dr. Herbert Wurster (Foto) verfasst – kaum jemand dürfte mit dem Werdegang des dritten Passauer Diözesanpatrons so gut vertraut sein. Seine Erkenntnisse dürften selbst für gute Kenner des hl. Bruders Konrad noch manches Neue und Überraschende bereithalten.

Johannes Birndorfer (Br. Konrad) am Pflug. Glasfenster-Darstellung in der St. Konradkirche in Altötting.
Johannes Birndorfer (Br. Konrad) am Pflug. Glasfenster-Darstellung in der St. Konradkirche in Altötting.

Johannes Evangelist Birndorfer wurde am 22. Dezember 1818 als elftes von zwölf Kindern der
Bauerseheleute Bartholomäus und Gertraud Birndorfer auf dem stattlichen Venus-Hof zu Parzham geboren. Das Schicksal der Familie Birndorfer war von schweren Schlägen gezeichnet: Als Hans 14 Jahre alt war, verlor er seine Mutter; zwei Jahre später folgte ihr der Vater im Tod nach. Der Jugendliche war nun mit anderen Geschwistern mitverantwortlich für den Venushof, für einen Hof mit 125 Tagwerk Grund und 17 Pferden und zwölf Kühen im Stall, mit sechs Knechten und Mägden. Somit hatte der junge Mann viel zu leisten und so konnte es später heißen: Er war ein guter Arbeiter.

Hans Birndorfer war aber kein alltäglicher Bauernbursch. Schon als Kind war er auffallend fromm und als Heranwachsender hat er trotz der vielen Arbeit immer auch einen Zugang zum Gebet und die Zeit zur Pflege eines intensiven religiösen Lebens gefunden. Das Jahr 1838 war für ihn besonders prägend. Damals feierte man in St. Anna bei Ering am Inn das 300-jährige Jubiläum der kleinen Wallfahrt. Der "Venus-Hans" hat offenbar bei dieser Gelegenheit den Benefiziaten Franz Xaver Dullinger aus Aigen am Inn kennengelernt, der ihm zum Seelenführer werden sollte. Von da an ist der "Venus-Hans" mindestens zweimal im Monat, am Herz-Jesu-Freitag und an einem anderen Freitag, nach Aigen am Inn gegangen und hat mit dem Benefiziaten lange Gespräche geführt, bei ihm gebeichtet und sich bei ihm Orientierung für sein Leben geholt. Dullinger war ein Schüler von Bischof Johann Michael Sailer, der als Professor an der Universität Ingolstadt, Dillingen und Landshut die Glaubensverkündigung und die Pastoral auf die Höhe der Zeit gebracht hat.

Viele Gnadenstätten unseres Raumes hat Johann Birndorfer regelmäßig besucht; außer nach Aigen, seinem häufigsten Weg, und St. Anna ist er nach Mariahilf ob Passau gegangen und auch der Gartlberg oberhalb Pfarrkirchens gehörte zu den Zielen seiner Wallfahrten. Als Bauer stand er mitten in der Welt, die in der Arbeit Tag für Tag zu ihrem Recht kommen wollte – und doch verlangte ihn nach etwas anderem. Elf Jahre ließ er seinen Entschluss reifen. Sein frommer Eifer wird deutlich an seinen Mitgliedschaften in zahlreichen frommen Vereinigungen, Kongregationen und Bruderschaften – dem in der Kirchengeschichte so bewährten Mittel, den Menschen nicht isoliert seinen Glaubensfragen zu überlassen, sondern ihn in der Gemeinschaft zu stärken und bestärken. 1849 traf Johann Birndorfer seine Entscheidung, nicht der Venus-Bauer zu werden und hat ihn stattdessen seinen Geschwistern übergeben. Sein Geld-Erbe teilte er in vier Viertel und beschenkte damit die Heimatpfarrei Weng, die Armen, den Bonifatiusverein und den Ludwig-Missions-Verein. Diese Verteilung zeigt uns, dass seine Vorstellungen mit den in der Kirche damals bestimmenden Schwerpunktsetzungen der Pastoral und der Caritas in Übereinstimmung waren.

Geduldig, freundlich und vorbildlich

Br. Konrad-Darstellung im Kloster St. Konrad.
Br. Konrad-Darstellung im Kloster St. Konrad.

Im Jahr 1849 bittet Johann Birndorfer also bei den Kapuzinern in Altötting um Aufnahme in den Orden. Mit dieser Entscheidung in mittleren Lebensjahren können wir ihn durchaus als Spätberufenen kennzeichnen. Aus dem "Venus-Hans" wird gemäß der franziskanisch-kapuzinischen Benennungstradition mit Ordensname und Herkunftsort der Bruder Konrad von Parzham. Nach dem Noviziat in Laufen und einem Jahr in der Krankenpflege wurde er an die Pforte geschickt, eine Auszeichnung, denn der Pfortendienst ist zwar schwer, aber zugleich eine Vertrauensstellung.

Der "Venus-Hans" hatte im Kloster das völlige Versinken im Gebet erhofft, die Kontemplation, doch seine Oberen wie die Notwendigkeiten des Klosterlebens an einem vielbesuchten Wallfahrtsort haben diese Lebensabsichten durchkreuzt: Als Bruder Pförtner war er den ganzen Tag den Menschen ausgesetzt, ihren Fragen, Wünschen und Nöten. Auch deshalb wurde immer hervorgehoben, dass er der ihm auferlegten Pflicht stets treu geblieben sei und dass er seine Dienste als Pfortenbruder von St. Anna von halb vier Uhr morgens bis acht Uhr abends im Winter und bis neun Uhr im Sommer allzeit geduldig, freundlich und vorbildlich verrichtet habe. Zum Pfortendienst gehörte nicht zuletzt die mittägliche Speisenausgabe an die Armen. Diese Dienste verrichtete er jahrzehntelang, bis er am 18. April 1894 mit den Worten "Pater Guardian, jetzt geht's nimma!" das Krankenzimmer bezog. Nur drei Tage später, am 21. April 1894, starb Bruder Konrad von Parzham – schon im Rufe der Heiligkeit, gerühmt als Vater der Armen.

Text: Dr. Herbert W. Wurster, Fotos: Roswitha Drofner 2 (Br. Konrad-Darstellungen), privat 1

Teil II der Serie "Die Heimat – der Venus-Hof zu Parzham in der Pfarrei Weng" ebenso wie die weiteren Teile lesen Sie in den kommenden Printausgaben des Altöttinger Liebfrauenboten.

 

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