Altöttinger Liebfrauenbote

11. Bauernwallfahrt nach Altötting – Aufruf gegen Stimmungsmache und zur Versöhnung

Miteinander Neues machen

Zum elften Mal fand heuer die Bauernwallfahrt nach Altötting statt, über tausend Landwirte kamen am 7. April zur großen Pilgermesse in die St. Anna Basilika unter dem Motto "Heimat – Mach was draus: Sei Zukunft" – angelehnt an das Leitwort der Misereor-Fastenaktion 2019. Hauptzelebrant war dann auch der diesjährige Misereor-Gast, Bischof William Ernesto Iraheta Rivera aus El Salvador. Prediger Michael Witti, Pfarrer in Feichten, wandte sich gegen Stimmungsmache im Rahmen des erst vor kurzem in Bayern erfolgreich initiierten "Volksbegehrens Artenvielfalt" und rief zur Versöhnung auf. In einem Predigtspiel stellte Landwirt und Regisseur Martin Winklbauer aus Halsbach den hl. Gunther von Niederaltaich als Vorbild für Heimatliebe und Versöhnung vor.

Pfarrer Michael Witti während seiner Predigt in der Basilika.
Pfarrer Michael Witti während seiner Predigt in der Basilika.
Pfarrer Michael Witti (von links) mit Bischof William Ernesto Iraheta Rivera aus El Salvador, Andreas Remmelberger, Mitbegründer und Initiator der Wallfahrt, sowie Josef Schmid, bayerischer Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die erneut Veranstalter der Wallfahrt war.
Pfarrer Michael Witti (von links) mit Bischof William Ernesto Iraheta Rivera aus El Salvador, Andreas Remmelberger, Mitbegründer und Initiator der Wallfahrt, sowie Josef Schmid, bayerischer Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die erneut Veranstalter der Wallfahrt war.
Pilger mit ihren Tieren – im Vordergrund Ochse "Lasse" – nach dem Gottesdienst vor der Basilika.
Pilger mit ihren Tieren – im Vordergrund Ochse "Lasse" – nach dem Gottesdienst vor der Basilika.

Auch bestimmte Wörter können "reizen", keine Frage. Aber wenn heutzutage bereits harmlose Begriffe wie zum Beispiel "Artenvielfalt" und "Landwirtschaft" für schlechte Stimmung sorgen können, dann läuft etwas schief. Eindringlich schilderte Pfr. Witti, wie intensiv er die gesellschaftliche Schieflage im Rahmen des "Volksbegehrens Artenvielfalt" erlebt hat, wie Stimmung gegen Landwirte gemacht worden sei und wie einige engagierte Bauern sich bei ihm sorgenvoll und ratlos gemeldet hätten. "Es schmerzt mich, mit wie viel Verachtung, Häme und auch Unwahrheiten die bäuerliche Landwirtschaft in letzter Zeit pauschal verurteilt wurde", sagte er. Pfr. Witti verdeutlichte in seiner Predigt, was passieren kann, wenn mit einzelnen Begriffen Stimmung gemacht wird, anstatt Argumente auszutauschen, anstatt die hinter dem Begriff steckenden komplexen Zusammenhänge zu sehen und zu diskutieren. So sei das Grundanliegen des "Volksbegehrens Artenvielfalt" ja eigentlich "unbestritten" und "etwas Positives", stellte er fest; er verurteilte aber, dass "weltweit immer mehr populistische Strömungen einfache Lösungen innerhalb eines simpel gestrickten schwarz-weißen Weltbildes anbieten" und dass offenbar "immer mehr Menschen diesen einfachen, aber höchst gefährlichen Parolen zu folgen bereit sind". Nicht nur die schnell hochkochende Stimmung, auch die häufige Diskrepanz zwischen politischen Forderungen und eigenem Handeln ist eine gesellschaftliche Schieflage, die Pfr. Witti deutlich kritisierte: Dieselben Menschen, die für Naturschutz eintreten, führen sonst oft gerne mit ihrem SUV "die 500 Meter zum Bäcker" und kauften lieber im Supermarkt ein statt regional bei Landwirten.

Doch Pfr. Witti blickte vor allem nach vorne. Er zitierte den Propheten Jesaja aus der Tageslesung (Jes 43,16-21): "Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr! Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?" Es brauche einen "doppelten Mut", um in der Heimat tatsächlich etwas Neues aufzubauen: Den Mut, all die Verletzungen und Verunglimpfungen auf beiden Seiten "bewusst zurück zu lassen", und den Mut, "gemeinsam auch mit denen, die anderer Meinung sind, die ihre Betriebe anders führen, die die Interessen anderer Gruppen vertreten, nach vorne zu schauen". Es gehe nur gemeinsam in eine gute Zukunft und den Unterschriften müssten nun auch "mindestens so viele Taten folgen", so Pfr. Witti.

"Unsere eigenen Wurzeln nicht vergessen"

Landwirt und Regisseur Martin Winklbauer fertigt im Predigtspiel als hl. Gunther ein Holzkreuz.
Landwirt und Regisseur Martin Winklbauer fertigt im Predigtspiel als hl. Gunther ein Holzkreuz.
Landwirt und Regisseur Martin Winklbauer fertigt im Predigtspiel als hl. Gunther ein Holzkreuz.
Landwirt und Regisseur Martin Winklbauer fertigt im Predigtspiel als hl. Gunther ein Holzkreuz.
Pfr. Michael Witti (von links), Bischof William Ernesto Iraheta Rivera und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl bei der Tiersegnung auf dem Kapellplatz.
Pfr. Michael Witti (von links), Bischof William Ernesto Iraheta Rivera und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl bei der Tiersegnung auf dem Kapellplatz.

"Versöhnung mit dem Vergangenen und Mut für die Zukunft" werde vor allem dann möglich, "wenn wir unsere eigenen Wurzeln nicht vergessen", betonte Pfr. Witti und leitete über zu einem kurzen "Predigtspiel" über einen Heiligen "der hier im Norden unseres Bistums Passau vor rund 1.000 Jahren den Menschen diese Wurzeln des Glaubens, der Versöhnung und des Mutes für die Zukunft geschenkt hat". Gemeint war der heilige Gunther von Niederaltaich (auch "von Thüringen", um 955-1045).

Der heilige Gunther, einst Ritter und Graf, entsagte mit rund 50 Jahren dem weltlichen Leben, trat dem Benediktinerorden bei, verschenkte seinen Besitz an die Abtei Hersfeld, ging auf Pilgerreise und lebte danach als Einsiedler im Bayerischen Wald – bei den "Verstoßenen, Besitzlosen, Rechtlosen", um ihnen nicht nur ein besseres Leben, sondern vor allem, um ihnen das Kreuz und die Botschaft Jesu zu bringen, wie Regisseur Martin Winklbauer verdeutlichte. Er spielte selbst den Heiligen auf einer kleinen Bühne im Altarraum und hieb kraftvoll mit der Axt auf einen Baumstamm ein, um daraus ein Holzkreuz zu bauen. Als er das Kreuz aufrichtete, zitierte er Jesu friedliche und versöhnliche Botschaft in dessen Seligpreisungen (Mt 5,1-12). Den Menschen eine echte Heimat geben – "Nur das zählt", war die Botschaft des Spiels.

Kritisch hinterfragte Winklbauer, ob Menschen auch heute tatsächlich noch Heimat in der Kirche finden könnten – in einer Kirche, in der Dogmen mehr zu zählen scheinen als die eigentliche Botschaft Jesu, wo man öfter nach Rom blicke anstatt auf den Heiligen Geist. Martin Winklbauer resümierte: "Ich bleibe in der Kirche, weil ich in einer kleinen Pfarrei lebe, wo der Hl. Geist noch spürbar ist. Ich bleibe, weil ich an den Geist der Erneuerung glaube. Ich freue mich darauf: Miteinander machen wir etwas Neues."

Nach dem Gottesdienst – vom Astener Singkreis und der Blasmusik der Bauernwallfahrt musikalisch gestaltet – und nach der Heilkräutersegnung folgte eine ökumenische Segnung der Tiere auf dem Kapellplatz mit u.a. Bischof Rivera, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und dem evangelischen Pfr. Klaus Göpfert. Organisiert wurde die Wallfahrt erneut von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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