Altöttinger Liebfrauenbote

Dritte Altöttinger Fastenpredigt – Zeugnis von Oberarzt Dr. Johannes Spes

Zuerst die Seele heilen

"Heilen, was verwundet ist" lautet das Motto der diesjährigen Reihe der traditionellen Altöttinger Fastenpredigten. Im Rahmen der dritten von insgesamt vier Predigten legte am 28. März in der Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus Leitender Oberarzt Dr. Johannes Spes Zeugnis ab über seine Arbeit mit schwerstkranken Menschen auf der Palliativstation der Kreisklinik Altötting; er betonte u.a., wie wichtig Versöhnung und Vertrauen sind – nicht erst am Lebensende, sondern im Leben generell.

Bild von links: Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Klinikseelsorger Diakon Heribert Wagner, Oberarzt Dr. Johannes Spes, Kaplan Michael Osterholzer und PGR-Vorsitzende Luise Hell.
Bild von links: Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Klinikseelsorger Diakon Heribert Wagner, Oberarzt Dr. Johannes Spes, Kaplan Michael Osterholzer und PGR-Vorsitzende Luise Hell.

Die Fastenpredigten setzen das Thema des Eucharistischen Stundengebets der Kapuziner fort, das auch Motto der diesjährigen Wallfahrtssaison ist. Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl sprach in einer kurzen Predigt über das mit Dr. Spes gemeinsam ausgesuchte Evangelium über "Die Heilung eines Gelähmten" (Lk 5,17-25) und stellte fest: "Bemerkenswert ist: Jesus heilt zuerst die Seele des Gelähmten, erst dann spricht er: 'Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus!' – Der Herr will uns ganz heil machen." Außerdem sei bemerkenswert, mit welchem Aufwand die Männer den Gelähmten in das Haus zu Jesus brachten: "Solche Helfer und Begleiter braucht jeder Mensch", erklärte Prälat Mandl. Ausdrücklich würdigten Mandl und später Dr. Spes dabei auch das Engagement der Kliniksseelsorge um Diakon Heribert Wagner, der bei dem Gottesdienst am Altar assistierte.

"Dazu beitragen, dass Menschen versöhnt sind"

Oberarzt Dr. Johannes Spes in der Stiftspfarrkirche.
Oberarzt Dr. Johannes Spes in der Stiftspfarrkirche.

Dass auch in einem Krankenhaus nicht unbedingt allein die medizinischen Fragen im Vordergrund stehen, machte Dr. Spes in seinem Zeugnis deutlich. Er sprach über die Arbeit auf der Palliativstation, ebenso über den Einsatz des "Hospizvereins im Landkreis Altötting e.V.", dessen Vorsitzender er ist. Hier könnten er und die Mitarbeiter "dazu beitragen, dass Menschen versöhnt sind."

Immer wieder betonte der Oberarzt die Bedeutung guter Teamarbeit als Basis für gegenseitiges Vertrauen, vor allem auch für das Vertrauen der Patienten. Er hob eine "gemeinsame Grundhaltung" hervor, "die im Geist der Humanität agiert". Ausdrücklich wies er darauf hin, wie wichtig "die Zeit" bei der täglichen Arbeit mit Menschen ist: "Zeit kostet, weil Personal der Hauptkostenfaktor ist. Und da haben viele Kliniken ein Problem, da zwar viel von Palliativarbeit gesprochen wird, aber die Kostenträger oft nicht bereit sind, entsprechend zu investieren. Die aktuelle Entwicklung bereitet mir große Sorge."

Als wesentliche Voraussetzungen für seine Arbeit betonte Dr. Spes neben eines Hand in Hand arbeitenden Teams auch "meine spirituellen Grundlagen", insbesondere seinen Glauben: "Ich betrachte mich als Christ, ich glaube an etwas Höheres, für das es wert ist zu leben, und für das es wert ist, sich um andere zu kümmern", sagte er und fügte hinzu: "Ich appelliere an alle, sich darüber Gedanken zu machen, ob es wirklich erfüllend sein soll, materielle Werte in den Vordergrund zu stellen."

"Ehrlichkeit" und "Selbstreflexion" ("nicht Selbstzweifel!") mahnte er an. Ausdrücklich betonte er den Wert familiären Zusammenhalts. Streit in der Familie beeinträchtige auch die Behandlung auf der Palliativstation. Allzu oft sei es "Nebensächliches, das irgendwann zur Hauptsache wurde", das Menschen trenne – "Oft geht es um Materielles." Über seine Arbeit resümierte er: "Wenn wir sehen, dass es doch noch zu einer Versöhnung gekommen ist, dass sich unsere Patienten auf einmal viel leichter fühlen und in Ruhe gehen können, dann fühlen wir uns in unserer Arbeit bestätigt."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

 

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