Altöttinger Liebfrauenbote

Über 500 Jahre Wallfahrt nach Altötting: Geschichte und Geschichten anhand der Dioramenschau im Altöttinger Marienwerk

In einen kleinen Kosmos geblickt

Plakat zur Dioramenschau im Gebäude des Altöttinger Marienwerks.
Plakat zur Dioramenschau im Gebäude des Altöttinger Marienwerks.

Seit über 500 Jahren exisitiert nun die Wallfahrt nach Altötting, im November 2014 hat die Dioramenschau im frisch renovierten Gebäude des Altöttinger Marienwerks ihre Tore wieder geöfffnet. Insgesamt 22 Schaubilder und -kästen, allesamt ein Kosmos im Kleinen, führen den Betrachter zurück in die Vergangenheit und zeigen viele kleine Bilder vor großer Kulisse. In einer kleinen Serie präsentiert der "Bote" nicht nur die Geschichte der Jahrhunderte alten Wallfahrt, sondern auch viele spannende Geschichten:

Ein kleines "Welttheater": Die Dioramenschau und ihr Schöpfer Reinhold Zellner

"In der Form von 17 illusionistischen Bühnenbildern ist vor Ihren Augen ein Welttheater ausgebreitet. Man hat uns Bayern einer natürlichen Begabung für Spiel und Theater gerühmt. Wo könnte es sich schöner und besser bestätigen als hier, zu Ehren des Gottesmutter 'ad maiorem Dei gloriam'" – So urteilte im März 1959 Dr. Wilhelm Döderlein, Kunsthistoriker und Hauptkonservator im Bayerischen Nationalmuseum München, bei der Einweihung der "Schau". Das Meisterwerk im Gebäude des Altöttinger Marienwerks schuf ein sehr vielseitiger Künstler.
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Wer will schon Geschichten trauen? – Das zweite Wunder von Altötting

Geschichten sind eigentlich recht harmlos; sie lassen sich erzählen und überliefern, überhören und vergessen, verfälschen oder ausschmücken – kurzum: sie lassen so ziemlich alles mit sich machen. Wer will schon Geschichten trauen? Und doch überdauern manche die Zeiten, setzen sich hartnäckig fest und brennen sich ein in kollektives Gedächtnis. Menschen brechen von überall her auf, marschieren vertrauensvoll einem Ziel entgegen – der Geschichten wegen? "Eigenartig" mag sich manch verständiger Mensch nun wundern. Er recherchiert und schreibt die Geschichten nieder...
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Kleider, Kälber und ein Krautacker – Aufblühen der Wallfahrt und ein erster Rückschlag

Es ist leider nicht genau überliefert, worüber sich die Altöttinger 1489 mehr wunderten: dass ein totes Kind auf Fürsprache Mariens wieder zum Leben erwachte, oder dass plötzlich Pilger von überall her Geschenke, besser gesagt Zeichen des Dankes, sogenannte Votivgaben brachten. Vielleicht hatten die Altöttinger aber auch gar nicht so viel Zeit, genauer über das Aufblühen der Wallfahrt nachzudenken – immerhin galt es bei all den Ereignissen ganz praktische Herausforderungen zu bewältigen...
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In der ewigen Ruhe erklingt die Antwort – Altötting während der Reformation

Alle wünschen sich Frieden, doch wer hat Ohren für die Stille? Nur wer die Stille bemerkt, hört die vertraute Melodie des Alltags – wie sie erklingt, wie sie die Menschen leise improvisieren. Unbekannte Klänge mischen sich unter die vertrauten. Viele Melodien, wenig Ruhe im Konzert vieler Musiker. Dann kommt der Moment, da übernehmen diejenigen die Instrumente, die am lautesten schreien...
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Maximilian krönt Königin Maria – Von der Restauration bis zum Dreißigjährigen Krieg

Das Volk muss draußen bleiben und ist doch nah dran. Anno 1630, hinter dem Kapellenumgang versuchen Neugierige einen Blick ins Innere des Oktogons der Gnadenkapelle zu erhaschen. Stolz hebt der Hartschier die bayerische Rautenfahne in die Höhe, ehrfürchtig kniet der Page mit dem Kurfürstenhut. Johann Tserclaes Graf von Tilly, der treue Feldherr der katholischen Liga, blickt auf das in ein feierliches Barockkleid gewandete Gnadenbild. Kurfürst Maximilian I. kniet auf dem roten Teppich, mit einem seligen Lächeln im Gesicht, seinen Blick auf den Boden gerichtet. Gleich wird ihm Stiftspropst Franz Wilhelm Graf von Wartenberg das Gnadenbild zum Kuss reichen. Auch wenn die Menschen vor der Kapelle das Geschehen nicht direkt sehen können, sie können es sich vorstellen, sie sind dabei...
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Bis hier hin und nicht weiter – Altötting während des Dreißigjährigen Krieges

Gerade die Söldner hätten es eigentlich wissen müssen: Ist ein Fluss erst einmal zu einem reißenden Strom geworden und über die Ufer getreten, dann kann er ganze Landstriche verwüsten und auch die erfahrensten Reiter mitreißen. Gerade sind die Söldner der schwedisch-französischen Armee über die bayerische Landesgrenze getreten und haben Städte und Dörfer verwüstet...
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In prunkvoller Demut gepilgert – Barock, Absolutismus und Heilige Allianz

Altötting, 9. März 1681: Mitten in einem See aus Regenwasser, das sich in den vorangegangenen Tagen auf den Kapellplatz ergossen hat, steht die kleine Kapelle. Kaiserliche und bayerische Truppen haben Aufstellung bezogen, wirken aber recht klein vor der prachtvollen Barock-Kulisse des Kapellplatzes. Für Kaiser Leopold I. (1640-1705) und Kurfürst Maximilian II. Emanuel (1662-1726) sind Bretter ausgelegt. Im Dioramenbild von Reinhold Zellner sind die beiden Fürsten gerade auf dem Weg von der Kapelle in die Dechantei...
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An einem Herbsttag im Hungerjahr 1817 – Altötting zwischen Aufklärung, Säkularisation und katholischer Erneuerung

Hätten die Pilger nicht so laut gebetet und gesungen, die feinen Damen und Herren hätten sie womöglich gar nicht bemerkt. Märchenhaft, der Herbsttag im Hungerjahr 1817 – ein Tag, um alles um sich herum zu vergessen, ein Tag, den man für sich haben mag...
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Hinab in ewige Höhen – Altötting im 19. Jahrhundert und Br. Konrad von Parzham

Es gibt verschiedene Möglichkeiten seinen eigenen Weg zu finden. Im Nachhinein erweisen sich manche als närrisch, andere als klug und einige zumindest als erfolgreich. Der Weg, den Br. Konrad (1818-1894) ging, erscheint nach wie vor als – nun ja, sonderbar: Als andere Kinder spielten, "spielte" er "Beten" an seinem selbst gebauten Hausaltar; als andere ins Wirtshaus gingen, ging er auf Wallfahrt und Volksmission; anstatt sein Hoferbe anzutreten, trat er den Kapuzinern bei; und als ihn später dann neidische Mitbrüder gar verspotteten, tat Br. Konrad weiter seinen Dienst an der Pforte des Altöttinger St. Anna-Klosters – 41 Jahre lang, oft 18 Stunden am Tag...
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Prälat Ludwig Uttlinger hatte die Idee, die Geschichte der Wallfahrt nach Altötting plastisch darzustellen. Dem Seelsorger und damaligen Stiftskapellmeister am Wallfahrtsort gelang es bereits im Jahr 1946, kurz nach dem II. Weltkrieg, mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung die Altöttinger Musikgemeinde zu gründen. 1955 ging aus ihr das Altöttinger Marienwerk hervor, ein gemeinnütziger Verein, der sich in erster Linie als Gebetsgemeinschaft versteht und sich dem Dienst zur größeren Ehre der Gnadenmutter verschrieben hat. Die Pflege der traditionellen Kirchenmusik ist nach wie vor eines der Hauptaugenmerke des Vereins. Außerdem brachte das Marienwerk Marienfilme heraus. Und es vergab den Auftrag für die Dioramenschau. In nur zwei Jahren, zwischen 1957 und 1959 schufen der Künstler Reinhold Zellner gemeinsam mit seiner Ehefrau Dora sowie mit dem Kunstmaler Hans List und dem Werkzeugmacher Josef Schacherbauer die Dioramenschau, die auch heute noch im Gebäude des Altöttinger Marienwerks am Kapellplatz zu besichtigen ist.

Die Öffnungszeiten der Altöttinger Dioramenschau im Gebäude des Altöttinger Marienwerks, Kapellplatz 18, sind von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und Montag bis Donnerstag von 13 bis 17 Uhr.

Mehr Informationen und zahlreiche Bilder zur Wallfahrtsgeschichte ins "Herz Bayerns" und zur Dioramenschau enthält das im Jahr 2009 erschienene Buch "Altötting – Deutschlands berühmtester Marienwallfahrtsort, dargestellt anhand der Raumbilder der Dioramenschau Altötting, der Marienfilme von 1950 und 1977 sowie historischer und aktueller Bilder" von Jörg Zellner (Sohn des Künstlers Reinhold Zellner) und Christine Meinecke, ISBN-Nr.: 978-3-87245-048-7.