Altöttinger Liebfrauenbote
MC-Sodalen ziehen im Rahmen der Eucharistischen Prozession nach der Neuaufnahmefeier mit vielen Fahnen über den Kapellplatz.
MC-Sodalen ziehen im Rahmen der Eucharistischen Prozession nach der Neuaufnahmefeier mit vielen Fahnen über den Kapellplatz.

Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation mit Abt Wolfgang Maria Hagl

Für einen neuen "Geburtstag der Kirche" beten

"Ein neues Pfingsten für die Kirche und für unsere Welt" hat Abt Wolfgang Maria Hagl von der Benediktinerabtei Metten beim Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC) am 15. September gefordert. Rund 1.500 Besucher kamen heuer zum Festgottesdienst in die St. Anna-Basilika. Dass sich Pfingsten, der "Geburtstag der Kirche", nicht so leicht wiederholen lässt, wurde deutlich sowohl bei der Diskussion mit Abt Hagl beim Treffen der MC-Obmänner im Kongregationssaal als auch bei der Neuaufnahmefeier am Nachmittag mit MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel. Einigkeit herrschte darüber, wie der Weg zu einer erneuerten Kirche aussehen müsse: dieser Weg müsse in erster Linie ein "geistlicher" sein.

Feierlicher Einzug zum Festgottesdienst in die Basilika.
Feierlicher Einzug zum Festgottesdienst in die Basilika.
Eucharistiefeier mit (v.l.) Diakon Ulrich Bork, Abt Wolfgang Maria Hagl, Diakon Georg Hifinger, MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel.
Eucharistiefeier mit (v.l.) Diakon Ulrich Bork, Abt Wolfgang Maria Hagl, Diakon Georg Hifinger, MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel.
Abt Wolfgang Maria Hagl gratuliert Sodalen zur Lebensweihe.
Abt Wolfgang Maria Hagl gratuliert Sodalen zur Lebensweihe.

"Zutiefst beeindruckt" äußerte sich Abt Wolfgang Maria über die große Zahl der Gottesdienstbesucher: "Sie legen Zeugnis ab, dass der Glaube lebt in unserer Heimat", lobte er diese und fügte hinzu: "Wir dürfen heute erleben, dass wir keine Einzelkämpfer sind, sondern eine große Schar an Glaubenden." Er würdigte in seiner Begrüßung viele "große Persönlichkeiten", die Mitglied der MC gewesen waren und nannte neben dem hl. Br. Konrad auch den vor einigen Jahren verstorbenen ehemaligen MC-Präses Kapuzinerpater Kosmas Wührer – diesen habe er selbst noch erleben dürfen und er sei für ihn "das Urbild eines bayrischen Kapuziners" gewesen. Später beim Obmännertreffen stellte sich der Abt als "MC-Sodale in der Ingolstädter Tradition" sowie als regelmäßiger Altötting-Wallfahrer vor (schon von Kindesbeinen an) und würdigte die Renovierung der St. Konradkirche in 2018 als "großartig gelungen" – dies vor allem wegen des nun "schrankenlosen Zugangs" zum hl. Br. Konrad.

Über 50 Fahnenabordnungen der einzelnen MC-Gruppen waren auch heuer in die Basilika eingezogen, elf Sodalen legten während des Festgottesdienstes nach einjähriger Mitgliedschaft feierlich ihre Lebensweihe ab. Mit am Altar waren MC-Präses Br. Georg sowie die Diakone Georg Hifinger und Ulrich Bork (Hamburg). Am Gottesdienst nahmen u.a. teil der stellvertretende Landrat Stefan Jetz, Dritter Bürgermeister Konrad Heuwieser und MdL Martin Huber. Die Altöttinger Hofmusik unter der Leitung von Karlmann Kanzler und die "Gebrüder Bernhart" gestalteten den Festgottesdienst am Vormittag musikalisch.

In seiner Predigt erinnerte Abt Wolfgang Maria an "Die betende Urgemeinde" (vgl. Apg 1, 13-14) am Vorabend zu Pfingsten, als die Apostel gemeinsam mit der Gottesmutter Maria beteten; außerdem an das "Pfingstereignis" (vgl. Apg 2, 1ff) selbst, an den Beginn der Glaubensverkündung durch die Apostel: "Gottes Geist schenkt uns das Verstehen zwischen den Menschen", resümierte der Abt. Mit Blick auf die jüngere Vergangenheit, auf die deutsche Einheit vor 30 Jahren, erklärte er aber auch, dass um "eine wachsende Einheit", um das gegenseitige Verstehen, stets neu gerungen werden müsse. "Wenn eine Einheit wirklich gelingen soll, dann braucht es auch heute das Gebet um den Heiligen Geist", betonte er. Ausdrücklich dankte er den anwesenden Politikern für ihr "Engagement für die Bürger und für die Einheit" und sicherte ihnen sein Gebet zu. Vor allem aber knüpfte er an die Geschichte der "betenden Urgemeinde" an und sagte an alle Gottesdienstbesucher gewandt: "Wir haben Maria, die Gottesmutter, die mit uns betet. Sie ist unsere Mit-Beterin. Sie ist unsere Fürsprecherin."

"Gott übersteigt das menschliche Denken"

MC-Präfekt Stefan Burghart (v.l.), Abt Wolfgang Maria Hagl und MC-Präses Br. Georg Greimel beim Treffen der Obmänner im Kongregationssaal.
MC-Präfekt Stefan Burghart (v.l.), Abt Wolfgang Maria Hagl und MC-Präses Br. Georg Greimel beim Treffen der Obmänner im Kongregationssaal.
Diskussion beim Treffen der Obmänner im Kongregationssaal.
Diskussion beim Treffen der Obmänner im Kongregationssaal.

Das gemeinsame Gebet und die Marienverehrung waren auch zentrale Themen der Fragen, die im Anschluss an den Gottesdienst MC-Obmänner im Kongregationssaal an den Abt richteten. Hier ging es u.a. um Marienwallfahrtsorte wie Mettenbuch oder Medjugorje, die als solche noch nicht offiziell anerkannt sind. Unabhängig von der Anerkennung sollten hier "Orte des Gebets" errichtet werden, sagte Abt Wolfgang Maria und betonte, dass es bei Wallfahrten vor allem ankomme auf "die Früchte, die dort entstehen"; darauf, dass und wie Menschen dabei ermutigt würden. Ausdrücklich warnte er vor angeblichen Marienbotschaften, die als "Drohbotschaften" daherkommen. Auf Nachfrage erläuterte er, dass es vor allem die Menschen seien, die in Kategorien wie "Gerechtigkeit" und "Bestrafung" denken; Gott aber übersteige "das menschliche Denken", betonte er und äußerte sich "sehr dankbar", dass Papst Franziskus in seinem Pontifikat den Gedanken der Barmherzigkeit herausgestellt hat. Hierbei warnte der Abt auch vor Priestern, die "streng und rigoros" seien, aber selbst nicht nach ihren eigenen Maßstäben lebten. Gerade das Thema "Missbrauch" habe gezeigt, dass Priester tief fallen können. Mit Blick auf den hl. Benedikt mahnte er, "Fehler offen einzugestehen" und dennoch "immer wieder aufzustehen"; entscheidend sei, "dass wir uns ernsthaft bemühen", christliche Ideale zu erreichen. Zum Thema "Empfang der Eucharistie" erklärte der Abt, dass es klare kirchenrechtliche Vorgaben und Schranken gebe, dass dieser vor allem aber "nicht als Belohnung", sondern "als Wegzehrung" betrachtet werden solle.

Thema beim Obmännertreffen war auch der von den deutschen Bischöfen beschlossene "synodale Weg zur Erneuerung der Kirche". Hier sprach Abt Wolfgang Maria von einer "Situation, die uns zu zerreißen droht". Er kritisierte "zu hohe Erwartungen, die nicht erfüllbar sind". Vor allem aber stieß er sich an der Gestaltung dieses Weges; konkret, "dass wir anstatt geistlicher politische Maßstäbe anwenden, um Probleme zu lösen". Der Abt warnte vor einem "Zerfall (der Weltkirche) in Landeskirchen" und erklärte in Bezug auf seine Predigt beim Festgottesdienst: "Wir haben ja Methoden, die sich bewährt haben: zusammen beten." Menschen könnten nicht alle Probleme selbst lösen, betonte er und appellierte: "Beten wir um Einmütigkeit im Geist Gottes! Lassen wir uns beschenken!"

"Einheit statt Spaltung"

MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses Br. Georg Greimel gratulieren zur Neuaufnahme in die MC.
MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses Br. Georg Greimel gratulieren zur Neuaufnahme in die MC.
Die Vorstandschaft der MC mit dem designierten Vizepräses Kapuzinerpater Alexander Madathil (3.v.l.).
Die Vorstandschaft der MC mit dem designierten Vizepräses Kapuzinerpater Alexander Madathil (3.v.l.).

Der "synodale Weg" war auch Thema der Predigt von MC-Präses Br. Georg beim Gottesdienst am Nachmittag, als sich elf Männer neu in die MC aufnehmen ließen. Auch Br. Georg mahnte ausdrücklich "Einheit statt Spaltung" an und betonte mit Verweis auf den Brief von Papst Franziskus "an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" vom Juni dieses Jahres, dass dieser Weg in erster Linie "ein geistlicher" sein müsse: "Papst Franziskus will alle Christen mit einbeziehen", er stelle aber klar die Evangelisierung als "Leitkriterium" heraus. Die große Herausforderung bestehe darin, die "Freude am Glauben" wieder zu entdecken, erklärte Br. Georg und stellte darüber hinaus fest wie es nicht geht: "einseitiges Denken" und auch "Gleichmacherei" seien nicht im Sinne des Evangeliums.

Nach dem Gottesdienst am Nachmittag fand traditionell die Eucharistische Prozession über den Kapellplatz mit Statio vor der Gnadenkapelle statt. Für die musikalische Gestaltung sorgten die "Gebrüder Bernhart".

Br. Georg Greimel wird übrigens auch weiterhin der Gemeinschaft als Präses vorstehen und auch sein Stellvertreter wird in Zukunft ein Kapuziner sein – die "Personalrochade" im Zuge des heuer stattgefundenen Provinzkapitels der deutschen Kapuziner habe auf die MC keine Auswirkungen gehabt, wie MC-Präfekt Stefan Burghart beim Obmännertreffen mitteilte. Einen Wechsel wird es dennoch geben. Burghart kündigte an, dass auf P. Ludwig Wörle demnächst P. Alexander Madathil als stellvertretender MC-Präses folgen werde. Während sich ersterer von der MC verabschiede, sei die MC froh mit P. Alexander einen Nachfolger aus den Reihen der Kapuziner zu bekommen (Burghart: dies sei keine Selbstverständlichkeit), der schon lange in Altötting wirke und die MC bereits aus seiner Zeit in Rosenheim kenne. Nach dem Wechsel noch in diesem Jahr werde sowohl eine Verabschiedung von P. Ludwig als auch eine offizielle Vorstellung von P. Alexander stattfinden.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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