Altöttinger Liebfrauenbote
Zu den Quellflüssen des Jordan gehört der Banyas. An seiner Quelle erklärte Jesus seinen Jünger Petrus zum Felsen, auf dem er seine Kirche bauen wolle.
Zu den Quellflüssen des Jordan gehört der Banyas. An seiner Quelle erklärte Jesus seinen Jünger Petrus zum Felsen, auf dem er seine Kirche bauen wolle.

Zu Besuch in Banyas

Wo das Papsttum entspringt

Zu den Quellflüssen des Jordan gehört der Banyas. An seiner Quelle erklärte Jesus seinen Jünger Petrus zum Felsen, auf dem er seine Kirche bauen wolle.

Der Banyas.
Der Banyas.

Der Jordan ist die wichtigste Wasserquelle in Israel. Für Touristen auf den Spuren biblischer Stätten ist er ein wichtiger Anlaufpunkt. Der Strom setzt sich aus drei Quellflüssen zusammen. Zum einen ist dies der Hasbani im Libanon. Zum zweiten der Dan im nördlichen Israel. Und schließlich der kleinste von allen, der Banyas, der auf den Höhenzügen im nördlichen Golan, im Gebiet um das Hermongebirge entspringt. Schon nach neun Kilometern vereinigt er sich am Nordrand der Huleebene bei Sde Nehemija mit dem Dan zum Jordan, der Hasbani fließt wenig später zu.

Natur und Kultur

Heiligtum des griechischen Gottes Pan und Quelle eines Jordanflusses.
Heiligtum des griechischen Gottes Pan und Quelle eines Jordanflusses.
Heiligtum des griechischen Gottes Pan und Quelle eines Jordanflusses.
Heiligtum des griechischen Gottes Pan und Quelle eines Jordanflusses.

Das Quellgebiet des Banyas und Teile des Flusslaufes wurden zum Naturschutzgebiet erklärt. Sehenswert ist schon die Quelle für sich – entspringt der Banyas doch zu Füßen einer Felswand in einem Wasserbecken und wird über weitere Becken geleitet, bevor er sich als Fluss seinen Weg bahnt. Doch das Quellgebiet spielt auch als Ort biblischer Geschehnisse eine große Rolle, ist für Christen eine wichtige Pilgerstätte. Denn an der Quelle des Banyas fragte Christus seine Jünger, was die Menschen sagten, wer er sei. Petrus antwortete: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!" Daraufhin segnete Jesus Simon Petrus und erklärte: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen" (vgl. Matthäus 16,16-19). Das katholische Papsttum hat damit mit Petrus in Banyas seinen Ursprung.

Die Geschichte des Ortes beginnt aber schon lange vor dieser Zeit. 332 vor Christus eroberte Alexander der Große die Gegend und stellte sie unter griechische Herrschaft. Der Name Banyas geht auf das griechische Paneas zurück. Diese Bezeichnung weist darauf hin, dass sich an dieser Stelle in hellenistischer Zeit ein Heiligtum und eine Kultstätte des Pan befunden hat. Hinter dem Quellbecken befindet sich eine 15 Meter hohe und 20 Meter breite Höhle. In ihr sind noch heute fünf in den Fels gehauene Nischen zu sehen, Überreste des Pan-Tempels, in denen einmal Gottesstatuen gestanden haben. Einige Inschriften wurden als Überreste des Panheiligtums gefunden. Sie erwähnen die Tochter von Pan, Echo (die Bergnymphe), Diopan (den musikliebenden Gott) und Galerius (Pans Priester). Erstmalig erwähnt wird der Ort 200 v. Christus von Xenon in seiner Beschreibung der Schlacht bei Paneas.

Immer wieder erobert

Corner-Tower. Ein Gebäude aus vielen Jahrhunderten. Die Grundmauern sind aus spätrömischer bis byzantinischer Zeit (3.-6. Jh. n. Chr.) und die obersten Gebäudeteile sind moderne syrische Konstruktionen.
Corner-Tower. Ein Gebäude aus vielen Jahrhunderten. Die Grundmauern sind aus spätrömischer bis byzantinischer Zeit (3.-6. Jh. n. Chr.) und die obersten Gebäudeteile sind moderne syrische Konstruktionen.

Am Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus wurde die Region vom römischen Reich annektiert. Herodes bekam die Gegend um Banyas von Kaiser Augustus geschenkt und errichtete um 20 v. Chr. auf dem Gebiet einen Tempel für Augustus und die Göttin Roma. Reste der Tempelanlage außerhalb der Höhle sind noch erhalten. Nach dem Tod von Herodes erbten seine drei Söhne sein Herrschaftsgebiet. Philippus bekam den nördlichen Teil und den Golan. Er nannte das Quellgebiet nun Caesarea Philippi, erklärte Paneas zur Hauptstadt und errichtete weitere Tempel. Ein Handelsweg, dessen Reste noch erhalten sind, verband die Stadt mit Tyrus und Damaskus. Sein Sohn Herodes Agrippa II. baute die Stadt weiter aus.

Nachdem Jesus mit seinen Jüngern in der Höhle verweilt hatte und das Christentum in der byzantinischen Zeit eine wichtige Religion geworden war, verfielen später die Heiligtümer zum Teil; manche römischen Gebäude wurden umgebaut und für andere Zwecke verwendet. So wurde der Palast des Agrippa II. zu einem Badehaus.

Im 7. Jahrhundert wurde die Stadt, inzwischen Bischofssitz, von Muslimen erobert und verlor an Bedeutung. Die Kreuzfahrer eroberten Banyas während der Ersten Kreuzzuges 1129. In der folgenden Zeit wechselten sich Muslime und Kreuzfahrer als Eroberer und Herrscher ab. 1250 versuchten die Kreuzfahrer ein letztes Mal und erfolglos, Banyas zurückzuerobern.

Nach und nach verlor Banyas an Bedeutung, die Gebäude verfielen immer mehr. Während des Sechstagekriegs 1967 eroberte Israel den Golan – und damit auch das Gebiet um Banyas – von Syrien und hält ihn seitdem besetzt. Seit 1988 wird das Quellgebiet des Banyas fast täglich "erobert" – von Touristen und Archäologen. Letztere förderten bei ihren Ausgrabungen Kultgegenstände und Reste von Aquädukten, Tempeln und alter Handelsstraßen zu Tage.

Text und Fotos: Ruth Bourgeois (Storymacher)