Altöttinger Liebfrauenbote
Ein Hallertauer Fußpilger mit einem Smiley auf seiner Karte freut sich über seine Ankunft am Wallfahrtsziel Altötting.
Ein Hallertauer Fußpilger mit einem Smiley auf seiner Karte freut sich über seine Ankunft am Wallfahrtsziel Altötting.

59. Hallertauer Fußwallfahrt nach Altötting – Stabwechsel bei Pilgerpfarrer

In "Brautschuhen" zur Gnadenmutter

Der erste Oktober-Sonntag in Altötting ist stets verbunden mit der Ankunft der Hallertauer Fußpilger, die zugleich die Saison der großen Fußwallfahrten abschließen. Kurz nach dem Mittagsläuten zogen exakt 1.218 Wallfahrtsteilnehmer am 6. Oktober über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilika, einbegleitet von Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl. Der Weg führte an der Gnadenkapelle vorbei: hier hatte Diakon Thomas Zauner für die vorbeiziehenden Fußpilger die Gnadenbild-Kopie zur Verehrung aufgestellt.

Ankunft der Hallertrauer Fußwallfahrer am Ziel.
Ankunft der Hallertrauer Fußwallfahrer am Ziel.
Willi Pfaller hatte extra zu seinem 50. Pilgerjubiläum ...
Willi Pfaller hatte extra zu seinem 50. Pilgerjubiläum ...
... seine "Brautschuhe", die Schuhe seiner ersten Altötting-Wallfahrten, angelegt.
... seine "Brautschuhe", die Schuhe seiner ersten Altötting-Wallfahrten, angelegt.

Ehre und Dank gebührte auch Pilgerjubilar Willi Pfaller aus Schelldorf, der anlässlich seiner 50. Teilnahme an der Hallertauer Fußwallfahrt das hopfenumrankte Original-Vortragskreuz der Familie Frank seinen Mitpilgern vorantragen durfte. Und in der geistlichen Leitung der Hallertauer Fußwallfahrt gab es heuer einen Führungswechsel: der Wolnzacher Pfarrer Johann Braun – mittlerweile Ruhestandsgeistlicher – übergab mit einem "weinenden und einem lachenden Auge" die Pilgerpfarrer-Binde als "offiziellen Stabwechsel" an seinen Nachfolger Pfarrer Maximilian Roeb.

"Ohne Wegzoll lassen wir den Pfarrer Braun natürlich nicht verschwinden", erklärte augenzwinkernd Klaus Nöscher, der Pilgerleiter der Hallertauer Fußwallfahrt, und bedankte sich im Namen aller Wallfahrtsteilnehmer für die hervorragende seelsorgliche Begleitung mit einem Geschenkkorb als "Früchte seiner Ernte".
Auch Altöttings Wallfahrtsrektor schloss sich mit einem herzlichen Vergelt's Gott für Pfarrer Brauns treue Marienverehrung und hervorragenden Einsatz als Seelsorger an. Mit dem Hinweis, dass der scheidende, allseits beliebte Pilgerpfarrer immerhin vier Wallfahrtsrektoren erlebte, stellte Mandl fest: "Du bist im Priesteramt nicht gealtert, siehst aus wie ein Kaplan, für uns alle ein Beweis, dass Glaube jung hält." Sowohl Prälat Mandl als auch Klaus Nöscher begrüßten den Nachfolger und hießen ihn im Kreis der Pilgergemeinschaft herzlich willkommen.

"Gegangen, gebetet, gebüßt und das Wetter durchlitten": kurz und bündig beschrieb der scheidende "Pilgerpfarrer" dann die diesjährige, dreitägige Fußwallfahrt der Hallertauer nach Altötting. Vor allem der Samstag mit Regen und kaltem Wind hatte den Pilgern zugesetzt. In den 45 Jahren Fußwallfahrt habe sich für ihn doch einiges geändert, so Pfr. Braun, u.a. das Schuhwerk seit Ende der 60er-Jahre. "Nicht geändert hat sich die Tatsache, dass auch heute die Fußwallfahrer sanft auf Blasen gebettet bei der Gottesmutter ankommen", gestand schmunzelnd Pfarrer Braun aus langjähriger Fußpilgererfahrung. Apropos: Beim Umrunden der Gnadenkapelle konnte Pilgerjubilar Willi Pfaller mit einem besonderen Schuhwerk aufwarten. Er hat dazu extra seine "Brautschuhe" angelegt – jenes Schuhwerk, mit dem er vor 50 Jahren seine erste Fußwallfahrt und weitere zurückgelegt hatte.

"Für alle Lebenslagen"

An der Seite des hopfengeschmückten Vortragskreuzes der ehemalige Pilgerpfarrer Johann Braun (l.) und sein Nachfolger, Pfr. Maximilian Roeb.
An der Seite des hopfengeschmückten Vortragskreuzes der ehemalige Pilgerpfarrer Johann Braun (l.) und sein Nachfolger, Pfr. Maximilian Roeb.
Abschied des langjährigen Pilgerpfarrers Johann Braun.
Abschied des langjährigen Pilgerpfarrers Johann Braun.

Doch nicht das Wetter oder richtige Schuhwerk stehe im Vordergrund einer Wallfahrt, betonte Pfarrer Braun, sondern "das Mitschwingen von Begegnungen" unterwegs, die sich auf der Habenseite des Glaubenslebens abzeichneten. Und nicht zu vergessen das Pilgerziel: die Gnadenmutter in der Gnadenkapelle von Altötting. Gerade das Rosenkranzfest am 7. Oktober sei uns zum Geschenk gemacht als Leitfaden für den Glauben: "Maria selbst ist es, die uns das Rosenkranzgebet ans Herz legt, als eine Gebetsschnur unseres Glaubens für alle Lebenslagen." Und wie oft sei der Rosenkranz in den drei Tagen Fußwallfahrt nach Altötting "durch unsere Hände geglitten, für uns Menschen zu einem starken Seil geworden". So wie für den großen Theologen Karl Rahner, der seine Mutter besuchte mit dem Hinweis, er sei wieder da und sie könne den Rosenkranz aus den Händen legen. Darauf habe Rahners Mutter geantwortet: "Und was gibst du mir dann?" Der Rosenkranz ist für Pfarrer Braun kein Maskottchen, jeder Rosenkranz habe seine eigene Geschichte.

Dass auch für die heutige jüngere Generation der Rosenkranz durchaus von Bedeutung sei, verdeutlichte die Begebenheit, die Pfarrer Braun bei einer Autosegnung eines jungen Mannes erlebte. Den auf dem Rückspiegel hängenden Rosenkranz habe dieser so erklärt: "Den hat mir der Opa geschenkt mit den Worten: 'Die passt auf dich auf'". Pfarrer Brauns Schluss-Empfehlung an die Hallertauer Fußpilger lautete: Der Rosenkranz befähige zur Freundschaft, um ein Verhältnis mit der Gottesmutter einzugehen, das trägt durch die Zeit und wirkt weiter in die Ewigkeit.

Das Schlusswort vor dem Lied Schwarze Madonna und dem Pilgersegen blieb Neu-Pilgerpfarrer Maximilian Roeb überlassen, der sich schmunzelnd als Pfarrer Brauns "Lehrbuam", bezeichnete: "Ankommen bedeutet aufzubrechen – um in der Tiefe des Herzens zu spüren, Gott ist dein Friede, Er ist deine Freude!"

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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