Altöttinger Liebfrauenbote

100 Jahre Krippenfreunde Altötting – Interview mit Vorsitzender Angelika Tupy

"Jeder Krippenbauer ist ein Individualist"

Nicht nur Kunstfreunde erfreuen sich an Krippen. Gerade zur Adventszeit gehören für die allermeisten die Darstellungen einer Szenerie aus der Weihnachtsgeschichte wie selbstverständlich dazu. Für leidenschaftliche Tüftler und Bastler wiederum sind Krippenbauten und ihre Figuren das ganze Jahr über eine echte Herausforderung. Die Krippenfreunde in Altötting feiern heuer ihr 100-jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst und einer Ausstellung im Kongregationssaal (siehe unten). Im Interview verrät deren Vorsitzende Angelika Tupy, was die Krippenbaukunst ausmacht und wieso sie gerade am Wallfahrtsort Altötting eine besondere Rolle spielt.

Links die Vorsitzende der "Altöttinger Krippenfreunde", Angelika Tupy (siehe Interview). Rechts "Krippenbau-Urgestein" Thomas Randl. In der Mitte die beiden jüngsten Altöttinger Krippenbauer, Marilena Randl (14) und Konrad Randl (17). Für die Ausstellung stammt von den beiden je eine "Bayerische Schneekrippe". Doch diese sind längst nicht die ersten Werke der beiden Nachwuchs-Künstler. Konrad hat bereits im Alter von vier Jahren seine erste hölzerne Weihnachtskrippe mitgestaltet, Marilena mit 4 Jahren ihre erste Tonkrippe. Seit 13 Jahren ist Konrad beim Krippenverein aktiv dabei; bereits 2010 präsentierte er seine erste selbstgefertigte Krippe bei einer Ausstellung im Kongregationssaal. Außerdem hilft er seinem Vater Thomas, der sich seit 40 Jahren um die Jahreskrippe in St. Michael kümmert, beim Aufbau und Gestalten. Auch Mama Annette Randl (nicht mit im Bild) ist mit dem "Krippenvirus" infiziert und fertigt Gewänder für die Krippenfiguren. Konrad hat sich mittlerweile zum "Krippenfachmann" gemausert und plant, seine gefertigten Weihnachtskrippen auch bei Kunstmärkten zum Verkauf anzubieten. Dieses Beispiel zeigt: diese uralte Tradition ist gerade auch bei der Jugend in guten Händen.
Links die Vorsitzende der "Altöttinger Krippenfreunde", Angelika Tupy (siehe Interview). Rechts "Krippenbau-Urgestein" Thomas Randl. In der Mitte die beiden jüngsten Altöttinger Krippenbauer, Marilena Randl (14) und Konrad Randl (17). Für die Ausstellung stammt von den beiden je eine "Bayerische Schneekrippe". Doch diese sind längst nicht die ersten Werke der beiden Nachwuchs-Künstler. Konrad hat bereits im Alter von vier Jahren seine erste hölzerne Weihnachtskrippe mitgestaltet, Marilena mit 4 Jahren ihre erste Tonkrippe. Seit 13 Jahren ist Konrad beim Krippenverein aktiv dabei; bereits 2010 präsentierte er seine erste selbstgefertigte Krippe bei einer Ausstellung im Kongregationssaal. Außerdem hilft er seinem Vater Thomas, der sich seit 40 Jahren um die Jahreskrippe in St. Michael kümmert, beim Aufbau und Gestalten. Auch Mama Annette Randl (nicht mit im Bild) ist mit dem "Krippenvirus" infiziert und fertigt Gewänder für die Krippenfiguren. Konrad hat sich mittlerweile zum "Krippenfachmann" gemausert und plant, seine gefertigten Weihnachtskrippen auch bei Kunstmärkten zum Verkauf anzubieten. Dieses Beispiel zeigt: diese uralte Tradition ist gerade auch bei der Jugend in guten Händen.

Frau Tupy, seit 21 Jahren engagieren Sie sich für die Krippenfreunde Altötting und seit 2009 sind Sie deren Vorsitzende. Was gefällt Ihnen persönlich an der Krippenbaukunst?
Tupy: Krippenbauen ist ein sehr individuelles Gut. Jeder Krippenbauer kann hier seine Kreativität verwirklichen oder auch erst durch das Krippenbauen entdecken. Ob Groß oder Klein, es gibt keine Grenzen zum Kripperlbauen. Ob mit Papier, Ton, Holz oder anderen Materialien, es entstehen orientalische, neapolitanische oder bayerische Krippen. Jeder Krippenbauer ist ein Individualist, der in vielen Stunden sein Kleinod entwirft und gestaltet.

"Hervorragender Ausgleich, um zur Ruhe zu kommen"

Schneekrippe von Konrad Randl (siehe erstes Bild).
Schneekrippe von Konrad Randl (siehe erstes Bild).

Was sind die großen Herausforderungen beim Bau einer Krippe? Könnte da jeder mitmachen oder braucht man dafür bestimmte Fähigkeiten, die man nicht so einfach erlernen kann?
Tupy: Wie vorhin schon erwähnt, Krippenbauen ist eine Kunst, die jeder erlernen kann und in jedem Alter. Ich selbst bin erst durch die Krippenfreunde und als Vorsitzende in die tieferen Sphären der Krippenbaukunst eingetaucht. Wer dann von dem Virus angesteckt ist, kann sich sogar als Krippenbaumeister/in weiterbilden. Somit kann aus kleinen Anfängen eine große Begeisterung werden. Gerade in dieser schnelllebigen Zeit ist Krippenbauen ein hervorragender Ausgleich, um zur Ruhe zu kommen, denn dazu muss man sich Zeit nehmen. So nebenbei kann eine Krippe nicht gebaut werden.

Gibt es eine bestimmte Krippe – in Altötting oder auch anderswo –, die Sie besonders beeindruckt? Wenn ja, warum?
Tupy: Wir in Altötting können noch von einer großen Krippentradition sprechen und wir haben großes Potential an Jahres- und Weihnachtskrippen. Jedoch hat mich die Mechanische Krippe fasziniert, als wir diese ausgebaut haben. Die Figuren sind sehr ausdrucksstark gestaltet und erst durch diese Nähe konnte ich erkennen, wie schön diese Figuren sind, sie haben begeistert und beeindruckt.

Ausstellungs-Besucher können neuere und auch sehr alte Krippen bewundern

Unterschiedliche Exponate sind bei der Krippen-Ausstellung zu sehen, wie etwa im Bild die Biedermeier-Krippe "Mariae Verkündigung" von Reinhold Ullermann.
Unterschiedliche Exponate sind bei der Krippen-Ausstellung zu sehen, wie etwa im Bild die Biedermeier-Krippe "Mariae Verkündigung" von Reinhold Ullermann.
Weihnachtskrippe von Ingrid Spanner.
Weihnachtskrippe von Ingrid Spanner.

Vom 23. November bis 15. Dezember organisieren die Krippenfreunde im Kongregationssaal eine Jubiläums-Ausstellung. Welche Besonderheiten erwarten dort die Besucher?
Tupy: Die Krippenausstellung zeigt wieder Krippen von unseren Mitgliedern in vielfältiger Weise. Es werden ca. 50 Krippenszenen zu sehen sein, die jede in ihrer Art einzigartig ist. Die Besucher können neuere Krippen bewundern, aber auch sehr alte Exponate.
Eine Besonderheit wird sein, dass wir einige Figuren aus der Mechanischen Krippe zeigen können, die bis dahin teilweise restauriert sind. Die Besucher haben dann die Möglichkeit, diese Figuren aus nächster Nähe in einer eigenen Darstellung zu sehen.

"Mit großartigen Darstellungen ..."

Die Altöttinger Krippenfreunde kümmern sich um die vielen verschiedenen Krippen in der Wallfahrtsstadt wie etwa um – im Bild – die Jahreskrippe in der Basilika St. Anna.
Die Altöttinger Krippenfreunde kümmern sich um die vielen verschiedenen Krippen in der Wallfahrtsstadt wie etwa um – im Bild – die Jahreskrippe in der Basilika St. Anna.

Die Krippenfreunde kümmern sich auch um die (Jahres-)Krippen in den Altöttinger Kirchen. Was sind hierbei die besonderen Herausforderungen und welche weiteren Aufgaben übernimmt der Verein?
Tupy: Die Vereinskrippe in St. Michael zeigt seit dem Jahr 1920 zur Freude der Altöttinger Kinder und Erwachsenen verschiedene Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament in regelmäßigem Wechsel. Die heutige Krippe wurde 1938 von zwei Mitgliedern gegründet, dem Schreiner Max Ramersberger und dem Pfarrhilfsmesner Alois Meilhammer. Wie ernst die Krippengründer ihre Arbeit nahmen, belegt ein am 8. Februar 1938 von Max Ramersberger angelegtes Buch, in dem die wechselnden Darstellungen handschriftlich festgehalten wurden und bis heute werden. Seit rund 40 Jahren steht die Vereinskrippe unter der Obhut von Thomas Randl. Bauten und Ausstattung, die noch von den Gründern stammen, werden immer wieder mit neuen Gebäuden und Figuren ergänzt und restauriert.
Seit vielen Jahren betreuen unsere Mitglieder Peter Schmidlkofer sen. und seine Tochter Carolin mit Kapuzinerbruder Vinzenz Müller die Jahreskrippe in der Basilika St. Anna. Mit großartigen Darstellungen bereichern auch sie die Altöttinger Krippenwelt.
Die Jahreskrippe in der Stiftspfarrkirche wird von Stiftsmesner Reinhard Hof in bewährter Weise betreut. Dieses Amt hat er 2013 von Reinhold Ullermann übernommen, der diese Aufgabe 30 Jahre ehrenamtlich ausgeführt hat.

"Zum Nachdenken anregen"

Ausschnitt aus der Krippe "Anbetung der Könige" von Hildegard und Heinz-Rudolf Huber.
Ausschnitt aus der Krippe "Anbetung der Könige" von Hildegard und Heinz-Rudolf Huber.

Welche Herausforderungen erwarten Sie für die Zukunft und welche Wünsche haben Sie für die nächsten 100 Jahre Altöttinger Krippenfreunde?
Tupy: Eine Herausforderung wird sein, Eltern und ihre Kinder wieder mehr für die Krippe zu begeistern. Leider müssen wir hier feststellen, dass gerade zur Weihnachtszeit, die Krippe nicht mehr als selbstverständlich gilt und der Bezug dazu fehlt.
Mein Wunsch wäre, dass unsere Ausstellungen und auch die Jahreskrippen in den Kirchen zum Nachdenken anregen; darüber, dass dies auch ein Teil unserer Kultur ist. Dann sehe ich die Zukunft für die nächsten 100 Jahre der Krippenfreunde gesichert.

Interview: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

 

Information zu Ausstellung und Jubiläum:
Das Jubiläum der Krippenfreunde Altötting e. V. wird am Sonntag, 17. November, um 11.15 Uhr in der Stiftspfarrkirche mit einem vom Pfarrchor musikalisch gestalteten Festgottesdienst begangen. Am 23. November wird die große Jubiläums-Krippenausstellung im Kongregationssaal eröffnet; sie dauert bis zum 15. Dezember und ist täglich von 11 bis 19 Uhr zu sehen. Am 15. Dezember um 19 Uhr in der Stiftspfarrkirche klingt das Festjahr mit einem Rorate für die verstorbenen Mitglieder aus.

Krippen-Tradition in Altötting

Krippen in der Wallfahrtsstadt Altötting gibt es nicht erst seit 100 Jahren. Der ehemalige Kreisredakteur des Alt-Neuöttinger Anzeigers, Eduard Baumann, hat die Geschichte der Krippen in Altötting gründlich erforscht; was er herausgefunden hat, ist auch in der aktuellen Chronik der "Altöttinger Krippenfreunde" nachzulesen: "Altötting ist mit Sicherheit einer der ersten Orte in Bayern, in denen zur Weihnachtszeit eine Krippe aufgestellt wurde", heißt es dort. U.a. erzählt Baumann auch von einer wertvollen "Silberkrippe", die bereits im Jahr 1579 in den Kapellrechnungen gelistet ist und von Herzog Albrecht V. (1528-1579) gefertigt worden sein soll; Ende des 18. Jhs. wurde diese jedoch im Zuge der Säkularisation eingeschmolzen (1824 erhielt der Schatz der Gnadenkapelle eine neue Silberkrippe). Eine Krippe, die vermutlich fast so alt ist wie die 1657 geweihte St. Konradkirche, hat laut Baumann die Säkularisation überdauert: die nahezu lebensgroße Darstellung der Heiligen Familie mit Hirten (Bild) ist zur Weihnachtszeit auch heute noch in der Kirche St. Konrad zu sehen. Ein besonderes Kunstwerk ist die rund 90 Jahre alte "Mechanische Krippe", die derzeit unter der Aufsicht eines heuer gegründeten Vereins restauriert wird. Mehr Infos auch im Internet unter www.krippenfreunde-aoe.de.

Text: Michael Glaß

Impressionen von der Ausstellung im Kongregationssaal

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)