Altöttinger Liebfrauenbote

Pontifikalamt zur Eröffnung der Altöttinger Wallfahrtssaison mit Erzbischof Ludwig Schick, Bamberg

"Sympathische Christen und glaubwürdige Missionare werden"

Es war, als sei die 1. Lesung des folgenden Pontifikalamtes vorab bildhaft geworden: "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet" (Offb 12.1). Tagelang war es nasskalt gewesen und pünktlich zum Feiertag Patrona Bavariae am 1. Mai wärmte die Sonne den Festzug mit der Muttergottes von Altötting. Hauptzelebrant Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg, der Passauer Diözesanbischof Stefan Oster sowie zahlreiche weitere Geistliche, Gläubige und Fahnenabordnungen geleiteten die Gnadenbildkopie Unserer Lieben Frau von der Gnadenkapelle zur Basilika St. Anna, um dort das Wallfahrtsjahr 2019 feierlich zu eröffnen.

Die Geistlichkeit vor dem Auszug durch die voll besetzte Basilika St. Anna.
Die Geistlichkeit vor dem Auszug durch die voll besetzte Basilika St. Anna.

Als Kirchenrektor und stellvertretender Wallfahrtsrektor hieß Kapuzinerpater Norbert Schlenker alle Gläubigen herzlich willkommen, insbesondere aber Erzbischof Schick und natürlich Bischof Oster, die weiteren Geistlichen – darunter Generalvikar Prälat Klaus Metzl, Domdekan Msgr. Hans Bauernfeind und Domkapitular Msgr. Josef Fischer – sowie unter anderem die politischen Würdenträger MdB Stephan Mayer, MdL Martin Huber, Landrat Erwin Schneider und Erster Bürgermeister Herbert Hofauer. Auch Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl freute sich über den Ehrengast aus Bamberg, wie er später bekannte: Schließlich seien die Franken ja als besonders treue Altötting-Pilger bekannt und da sei es längst an der Zeit gewesen, "dass der Metropolit der Franken mit uns die Wallfahrtssaison eröffnet".

"... so können wir mitarbeiten an einer heilen Welt, die Zukunft hat"

Feierlicher Einzug in die Basilika mit der Gnadenbild-Kopie.
Feierlicher Einzug in die Basilika mit der Gnadenbild-Kopie.
Erzbischof Ludwig Schick während seiner Predigt.
Erzbischof Ludwig Schick während seiner Predigt.
Eucharistiefeier.
Eucharistiefeier.

Erzbischof Schick dankte es mit seiner freundlichen, den Menschen zugewandten Art – und einer engagierten Predigt: Darin forderte er eine Missionsinitiative in Europa, angelehnt an den von Papst Franziskus für diesen Oktober ausgerufenen "außerordentlichen Monat der Mission" und einer entsprechenden Initiative Papst Benedikt XV. vor genau einhundert Jahren. Dieser habe sich nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs gefragt, wie die Herzen und Seelen der Menschen wieder geheilt werden könnten. Und dazu passe das Altöttinger Wallfahrtsmotto 2019, "Heilen, was verwundet ist", hervorragend.

Es gelte, Jesus als Heilsbringer wieder in die Herzen der Menschen zu bringen – damals wie heute: "Die europäischen Werte Einigkeit und Recht und Freiheit, Brüderlichkeit und Solidarität, Toleranz aus dem Glauben an den ewigen guten Vatergott aller Menschen, die Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind aus dem Evangelium entwickelt worden". Sie seien in unserer Zeit erschüttert und in vielen Menschenherzen ausgelöscht. "Die Erneuerung des Glaubens in den Herzen der Menschen kann die Kirche von den Sünden des sexuellen Missbrauchs und des Machtmissbrauchs reinigen und den Narzissmus überwinden, der sich bei uns breit gemacht hat und der Oberflächlichkeit, Trägheit und Gleichgültigkeit hervorbringt", ist Schick überzeugt. Solche durch den Geist Jesu geheilte Menschen könnten die Gesellschaft in Europa und weltweit von Zerrüttung, Korruption, Nationalismus, Egoismus und Populismus befreien.

"Wir brauchen eine neue Initiative der Mission, bei der alle Getauften gefragt und gefordert sind", forderte Schick und fügte hinzu: "Taufe bedeutet Mission, Einsatz für das christliche Leben." Mission richte sich dabei immer sowohl an den Verstand als auch an das Herz. "Nur wenn wir unseren Glauben vernünftig aussprechen und begründen können und ihn zugleich sympathisch rüberbringen, können wir missionarisch wirken." Dabei helfe es, auf die Muttergottes zu hören: "Was er (Jesus) euch sagt, das tut." Die ausgeprägte Marienverehrung in Bayern stärke den Glauben, besonders in Altötting, dem "Herz Bayerns". Aus einem solchen mütterlichen Glauben heraus könnten wir im wahren Sinn des Wortes sympathische, also mitfühlende Christen werden – und damit glaubwürdige Missionare: "Dann nimmt man uns unsere Botschaft ab, so können wir mitarbeiten an einer heilen Welt, die Zukunft hat!"

"Klatscht nicht, sondern tut, was ich euch gesagt habe!"

Bischof Stefan Oster sendet 15 neue Pilgerbetreuer für den Wallfahrtsort Altötting aus.
Bischof Stefan Oster sendet 15 neue Pilgerbetreuer für den Wallfahrtsort Altötting aus.
Eintrag von Erzbischof Schick (vorne l.) ins Goldene Buch der Stadt Altötting.
Eintrag von Erzbischof Schick (vorne l.) ins Goldene Buch der Stadt Altötting.
Bischof Stefan Oster bei der Pontifikalvesper am Nachmittag in der Stiftspfarrkirche.
Bischof Stefan Oster bei der Pontifikalvesper am Nachmittag in der Stiftspfarrkirche.
Eröffnung der Lourdes-Ausstellung.
Eröffnung der Lourdes-Ausstellung.

Im Anschluss an die Festpredigt händigte Diözesanbischof Stefan Oster auf Bitte von Wallfahrtsrektor Mandl den 15 neuen Altöttinger Pilgerbetreuern ihre Ernennungsurkunden aus: "Ich bin richtig stolz und dankbar für Frauen und Männer, die bereit sind zu missionarischem Christsein", freute sich Oster. Er bat Gott: "Segne und sende sie, mach sie selbst zum Segen!"

Prälat Mandl dankte abschließend allen Beteiligten, besonders dem Kapellchor und dem Orchester des Marienwerks für die festliche musikalische Gestaltung durch die Mariazeller Messe von Joseph Haydn, und Erzbischof Schick für die würdige Liturgie. Den darauf folgenden großen Applaus der rund 2.500 Kirchenbesucher konterte der Bamberger Metropolit augenzwinkernd mit einem Ausspruch des heiligen Augustinus, den er ebenso wie den heiligen Bruder Konrad sehr verehre: "Klatscht nicht, sondern tut, was ich euch gesagt habe!"

Nach dem Segen auf die Fürsprache Mariens durch den Erzbischof formierte sich dann zu den Klängen des immer wieder anrührenden Liedes "Segne du, Maria" eine Prozession zur Gnadenkapelle, um die Marienstatue zurück in ihr Zuhause zu geleiten.

Am Nachmittag feierte Bischof Stefan Oster dann noch mit den Gläubigen in der Stiftspfarrkirche eine festliche Pontifikalvesper und eröffnete im Anschluss daran die diesjährige Sonderausstellung im Haus Papst Benedikt XVI. mit dem Titel "Lourdes und die Botschaft der Heilung".

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

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