Altöttinger Liebfrauenbote

Bruder Konrad-Fest in Altötting im 125. Todesjahr des Heiligen

"Er ist ja einer von uns"

"Er ist ja einer von uns", stellte der Hauptzelebrant und Prediger des diesjährigen Bruder Konradfestes am 27. und 28. April in der St. Anna Basilika fest. Kapuzinerbruder Thomas Maria Schied, der vor einem Jahr in Altötting zum Priester geweiht worden war, stellte Bruder Konrad als bodenständigen Menschen "mit gesundem Menschenverstand" vor und erklärte in seinen beiden Predigten, wie man von diesem Heiligen "für das Leben lernen" und mit ihm "geistlich auftanken" könne.

Der diesjährige Prediger und Hauptzelebrant Kapuzinerbruder Thomas Maria Schied erteilt den Segen neben der Bruder Konrad-Hauptreliquie.
Der diesjährige Prediger und Hauptzelebrant Kapuzinerbruder Thomas Maria Schied erteilt den Segen neben der Bruder Konrad-Hauptreliquie.

Am 30. April vor einem Jahr war Br. Thomas in der St. Anna-Basilika von Kapuziner-Kardinal Seán Patrick O'Malley, Erbischof von Boston (USA), zum Priester geweiht worden; seine erste hl. Messe zelebrierte er am Gnadenaltar, und in seiner Begrüßung zur Vorabendmesse am Samstag, 27. April, zum diesjährigen Br. Konradfest erklärte er: "Natürlich habe ich eine ganz besondere Beziehung zu Altötting bekommen."

"Mir hilft es, wenn ich weiß, dass auch ein Bruder Konrad ein Suchender war"

Kapuzinerbruder Thomas Maria Schied während seiner Predigt in der St. Anna-Basilika.
Kapuzinerbruder Thomas Maria Schied während seiner Predigt in der St. Anna-Basilika.

Eine Beziehung zu Altötting und auch zu dem berühmten Heiligen am Wallfahrtsort, wie Br. Thomas' zwei Predigten erkennen ließen. In seiner ersten Predigt am Samstag lud er die Zuhörer zu einem "kleinen Pilgerweg" durch die St. Konradkirche ein. Wer dort die eigentliche Botschaft des Heiligen entdecken wolle, der müsse wie Br. Konrad "demütig werden und nach unten sehen" – nach unten zu Steintafeln, die in den Boden eingelassen sind und "Worte", bzw. "Lebenshaltungen von Bruder Konrad" zitieren. Wer so durch die Kirche gehe, der könne tatsächlich etwas "mitnehmen" und "fürs Leben lernen". Drei Punkte habe er sich selbst auf einem Zettel notiert, verriet Br. Thomas: "Suchen und Schweigen" – "Barmherzig sein" – "Gott wird helfen". Dazu Br. Thomas: "Ganz einfache Anregungen, die ich da mitnehme. Mir hilft es, wenn ich weiß, dass auch ein Bruder Konrad ein Suchender war. Und mir hilft es, wenn er mich ab und zu daran erinnert, still zu werden - barmherzig zu sein."

"Langstreckenlauf" durch das Leben

Kapuzinerbruder Karl beim abschließenden Gebet vor der St. Konradkirche.
Kapuzinerbruder Karl beim abschließenden Gebet vor der St. Konradkirche.

Dass Br. Konrad ein bodenständiger Mensch war und gerade deshalb als ein glaubhafter Heiliger des Alltags gelten könne, verdeutlichte Br. Thomas in seiner zweiten Predigt bei der Festmesse am Sonntag: Seine "Herkunft hat den heiligen Bruder Konrad fähig gemacht, den Dienst des Pförtners zu übernehmen", stellte der Prediger fest und fügte hinzu: "Das Arbeiten und das Beten auf dem Venushof in Parzham war für Br. Konrad das Noviziat. Vielleicht wurde er hier schon zum Heiligen. Das Kloster und die Pforte waren dann der Langstreckenlauf. Dieser brauchte viel Geduld, Kraft, Durchhaltevermögen." Auf dem "Langstreckenlauf" durch das Leben brauche jeder Mensch ab und an Orte an denen er auftanken könne, stellte Br. Thomas fest und lud erneut ein zu einem "kleinen Pilgerweg" – dieses Mal zu drei Orten, "die für Bruder Konrad wichtig geworden sind": Zur Pfortenstube, wo Br. Konrad seinen anstrengenden Alltag bewältigt hatte, zur Alexiuszelle, wo er "allein mit seinem Herrgott" sein konnte, und zur Sterbezelle, wo Br. Konrad dem "Auferstandenen begegnete" und die deshalb Zeugnis gebe "davon, dass uns im Tod das Leben begegnet".

Reliquienprozession und geselliges Beisammensein

Reliquienprozession über den Kapellplatz; im Vordergrund Guardian P. Norbert Schlenker als Vorbeter.
Reliquienprozession über den Kapellplatz; im Vordergrund Guardian P. Norbert Schlenker als Vorbeter.
Kapuzinerbruder Honorat Kreuzer verteilt Br. Konrad-Weckerl.
Kapuzinerbruder Honorat Kreuzer verteilt Br. Konrad-Weckerl.
Kapuzinerpater Br. Georg Greimel erteilt den Einzelreliquiensegen.
Kapuzinerpater Br. Georg Greimel erteilt den Einzelreliquiensegen.

Weil der eigentliche Feiertag des hl. Bruder Konrad, sein Todestag am 21. April, heuer auf den Ostersonntag fiel, hatten die Altöttinger Kapuziner die traditionellen Feierlichkeiten um eine Woche verschoben. Heuer gedenken die Kapuziner nicht nur des 125. Todestages Br. Konrads, sondern auch der Heiligsprechung des langjährigen Klosterpförtners am 20. Mai vor 85 Jahren, wie Guardian Kapuzinerpater Norbert Schlenker in seiner Begrüßung erinnerte.

Zahlreiche Gläubige kamen vor allem am Sonntagvormittag, 28. April, in die Basilika zur Festmesse, die von Kapellchor und -orchester mit W. A. Mozarts Piccolominimesse feierlich gestaltet wurde. Bereits am Samstagabend war die Bruder-Konrad-Hauptreliquie in einer Prozession mit Gläubigen und Ordensleuten – neben Kapuzinern nahmen u.a. auch mehrere Novizen der Legionäre Christi daran teil – in die St. Anna-Basilika übertragen worden. Den Samstagabendgottesdienst – musikalisch gestaltet von der Altöttinger Hofmusik – schloss eine Lichterprozession ab.

Nach der Festmesse am Sonntag zogen Kapuziner und Gottesdienstbesucher, darunter Altöttinger Vereine mit Fahnenabordnungen, in einer feierlichen Reliquienprozession hinauf zum Kapellplatz. Nachdem die Hauptreliquie des Heiligen in die St. Konradkirche zurückgebracht worden war, luden die Kapuziner zu einem geselligen Beisammensein mit Konrad-Weckerl und Freigetränken am Basilikavorplatz ein. Das Fest klang aus mit einer Vesper – musikalisch gestaltet von der Schola Autingensis – am Sonntagspätnachmittag in der St. Konradkirche, wo Kapuzinerpatres anschließend den Einzelreliquiensegen spendeten.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Hier erfahren Sie mehr zum heiligen Bruder Konrad von Parzham

Impressionen

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