Altöttinger Liebfrauenbote

Erste Altöttinger Fastenpredigt mit "Pilgerpfarrer" Hannes Lorenz

Wie Jesus heilt: Zuerst der Glaube, dann das Wunder

"Heilen, was verwundet ist" lautet das Motto der diesjährigen Reihe der traditionellen Altöttinger Fastenpredigten. In der ersten von insgesamt vier Predigten sprach der Seelsorger der Regensburger Fußwallfahrer und Pfarrer in Nabburg, Hannes Lorenz, über seinen persönlichen "Lieblingsheilungsbericht" im Evangelium und erklärte u.a., dass es bei Wundern vor allem auf die richtige Reihenfolge ankommt.

Pfarrer Hannes Lorenz (Mitte) mit (v.l.) Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Luise Hell, Kaplan Michael Osterholzer und Stiftskanonikus Alois Schießl.
Pfarrer Hannes Lorenz (Mitte) mit (v.l.) Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Luise Hell, Kaplan Michael Osterholzer und Stiftskanonikus Alois Schießl.

Die Fastenpredigten setzen das Thema des Eucharistischen Stundengebets der Kapuziner fort, das auch Motto der diesjährigen Wallfahrtssaison ist. Prälat Günther Mandl stellte den Prediger Pfarrer Hannes Lorenz als "eifrigsten und begabtesten Pilgerpriester der Diözese Regensburg" vor, der nicht nur jedes Jahr mit der großen Fußwallfahrt, sondern z.B. auch mit Kommunionkindern seiner Pfarrei nach Altötting kommt.

Als Pilgerseelsorger kennt Pfarrer Hannes Lorenz freilich viele Arten von "Verwundungen" – solche des "Leibes", aber auch solche "des Herzens", "die oft noch viel tiefer gehen und mit denen wir noch weniger zurechtkommen", wie er in seiner Predigt schilderte. Auch weiß er um die Zweifel und die Frustration, die nicht erhörte Gebete bei Gläubigen auslösen können. Gerade heute scheinen vielen Wunder als "unrealistisch und fremd", stellte er fest.

"Glaube ohne Vorbehalt"

Pfarrer Hannes Lorenz während seiner Predigt.
Pfarrer Hannes Lorenz während seiner Predigt.

Und doch rief Pfr. Lorenz dazu auf, gerade in der Fastenzeit den Glauben zu vertiefen und erklärte anhand des Evangeliums über die Heilung des blinden Bartimäus (Mk 10,46-52) worauf es bei diesem Wunderbericht ankommt: Zuerst darauf, dass Bartimäus trotz seiner aussichtslosen Situation – blind geboren und von den Mitmenschen geächtet – bedingungslos geglaubt habe: "Gott will mir in Jesus Gutes." Pfr. Lorenz betonte: In allen Heilungsberichten Jesu gehe nicht der Wille und der Wunsch nach einem Wunder, sondern "der Glaube voraus" – "der Glaube ohne Vorbehalt". Auf die richtige Reihenfolge komme es also an. Außerdem gehe es darum, wie Bartimäus eine "gesicherte Position aufzugeben", "Neues zu wagen", sich "von Jesus herausrufen zu lassen" und "auf Ihn zuzugehen".

Das eigentliche Wunder sei "eher unspektakulär", fast nebenbei geschehen, stellte Pfr. Lorenz fest und resümierte: "Nie und nimmer will Jesus den Anschein eines Wunderdoktors erwecken. Aber unaufhörlich weist er uns darauf hin, welche Kraft unser Glaube hat." Der Prediger betonte: Dieser "Glaube an Jesus, der uns ruft, Neues zu wagen und seinen Weg zu gehen, birgt heilende Kraft".

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner