Altöttinger Liebfrauenbote

Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner zum Wallfahrtsmotto "Heilen, was verwundet ist"

"Voller Zärtlichkeit und Kraft"

Das traditionelle Eucharistische Stundengebet der Kapuziner, das jedes Jahr die Fastenzeit einläutet, stand heuer unter dem Motto "Zeichen des Heiles – voller Zärtlichkeit und Kraft". Angelehnt an das diesjährige Wallfahrtsmotto "Heilen, was verwundet ist" nahm der stellvertretende Wallfahrtsrektor und Guardian des St. Magdalenaklosters, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, in vier Predigten am 9. und 10. März in der Altöttinger St. Magdalenakirche die Sakramente Taufe, Buße, Eucharistie und Firmung genauer unter die Lupe. Dabei erklärte er unter anderem, wieso er die Anhebung des Firmalters auf 16 Jahre im Bistum Passau für eine gute Idee hält.

Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner in der Altöttinger St. Magdalenakirche.
Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner in der Altöttinger St. Magdalenakirche.
Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner in der Altöttinger St. Magdalenakirche.
Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner in der Altöttinger St. Magdalenakirche.

Als P. Norbert in seiner vierten Predigt am Sonntagnachmittag das Sakrament der Firmung erläuterte, blickte er auf seine Zeit als Gemeindepfarrer vor rund 20 Jahren zurück: damals bereits "haben wir 16-Jährige zur Firmung geführt. Es war ein guter Weg, mit den Jugendlichen in tiefere Glaubensgespräche kommen zu können (...) Ich habe da immer wieder Jugendliche erlebt, die nach der Firmung sich in der Gemeinde engagiert haben und so wirklich ihre Mündigkeit als Christ gelebt haben. Das kann von Zwölfjährigen so noch nicht erwartet werden", stellte er fest. Natürlich sei damit zu rechnen, dass die Anzahl der Firmbewerber zurückgehe, doch gehe es vor allem um Ehrlichkeit. Zu dieser Ehrlichkeit gehöre die Feststellung, dass es ein "flächendeckendes Christentum und eine Volkskirche" in absehbarer Zukunft so nicht mehr geben werde, ebenso die Erkenntnis, dass Glaube ein Prozess sei und erst einmal reifen müsse; wer durch die Firmung "volles Mitglied der Kirche" werden möchte, müsse auch wirklich verstehen, worauf er sich überhaupt einlässt.

Und dazu zählt bei der Firmung insbesondere der "Sendungsauftrag", wie P. Norbert in seiner Predigt betonte. Im Vordergrund der Salbung mit Chrisam – aus dem Griechischen bedeutet das Wort "Salbung und Sendung" – stehe bei der Firmung der Auftrag: "du bist nun ein erwachsener Christ, ein volles Mitglied deiner Kirche, du bist beauftragt und hast die Sendung, deinen Glauben selbstverantwortlich zu leben und ihn weiterzugeben." Ausführlich erläuterte P. Norbert die Riten und Zeichen bei der Spende des Sakraments und blickte auch auf die wechselnde Bedeutung des Sakraments im Laufe der Kirchengeschichte zurück. "Durch die Firmung wird der Christ vollkommener mit der Kirche verbunden und mit der besonderen Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet", fasste P. Norbert die Deutung seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-65) zusammen und betonte insbesondere den "starken kirchlich-sozialen Bezug" der Firmung, der zu persönlichem Engagement einlade – eben dieser gewünschte Einsatz erfordere schließlich wiederum echte Überzeugung.

"Was bleibt und weiterwirkt, ist der Hl. Geist, der uns eben in Taufe und Firmung zugesprochen ist und er wirkt zu unserem Heil – voll Zärtlichkeit und Kraft", resümierte P. Norbert am Ende seiner Predigt und schlug damit den Bogen zu seiner ersten Predigt am Samstagvormittag, als er über das Sakrament der Taufe gesprochen hatte. Dabei hatte er auch das Motto des zweitägigen Eucharistischen Stundengebetes erläutert: "Seit Papst Franziskus hören wir in unserer Kirche wieder mehr diese Formulierung, dass unser Gott voll Zärtlichkeit und Kraft an den Menschen handelt und das Handeln Gottes am Menschen geschieht ja in recht intensiver Weise in den Sakramenten."

"Kennen Sie eigentlich das Datum Ihrer Taufe?"

Kapuzinerpater Norbert Schlenker mit dem Evangelienbuch.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker mit dem Evangelienbuch.

Gleich zu Beginn seiner ersten Predigt zitierte P. Norbert eine Frage von Papst Franziskus bei einer Generalaudienz im Januar 2018 an die Gläubigen: "Kennen Sie eigentlich das Datum Ihrer Taufe?" P. Norberts Kommentar: "Schade, wenn wir es nicht kennen." Denn der Tauftag sei "von eminenter Bedeutung für unser Leben als Christ". Die Taufe sei "keine private Familienfeier, sondern Aufnahme in die weltweite Gemeinschaft der Christen", betonte er. Ausdrücklich verteidigte er die Kindertaufe: "Die oft gehörte Begründung, das Kind soll sich später einmal selbst entscheiden, ist wenig stichhaltig, denn es gibt keine einflusslose Erziehung", stellte P. Norbert fest und fügte hinzu: "Taufe ist ja nicht menschliches Tun, sondern das Handeln Gottes am Menschen, das Schutz und Segen bedeutet und so etwas Wertvolles soll und darf ich einem Kinde ja nicht vorenthalten."

P. Norbert erklärte: "Bereits die alten Kirchenväter haben es betont: wenn die Taufe gespendet wird, dann ist es letztendlich Christus selbst, der tauft." Aufgrund von Ursünde und Erbschuld seien alle Menschen "zu Bösem fähig", doch Gott setze "vor das Leben des Menschen in der Taufe ein Plus-Zeichen", das stärker sei "als alle Minus, die der Mensch im Laufe seines Lebens ansammelt". Ausführlich erläuterte P. Norbert die Zeichen und Riten bei der Spende des Taufsakraments, das insbesondere die "Botschaft von der Auferstehung und neuem Leben" in sich trage.

"Barmherzigkeit Gottes"

Blick auf eine Christusfigur in der St. Magdalenakirche.
Blick auf eine Christusfigur in der St. Magdalenakirche.

Die "Menschenfreundlichkeit und Barmherzigkeit Gottes" stehe bei dem Sakrament der Buße im Vordergrund, erläuterte P. Norbert in seiner zweiten Predigt am Samstagnachmittag. Dieses sei vor allem ein "Sakrament der Heilung". Hierbei gehe es "nicht um Opferwerke, sondern um Erneuerung des Glaubens und damit zu einer Ermutigung zum Leben in Fülle". Nicht der Mensch, sondern Gott sei es, der hierbei "handelt und Versöhnung anbietet" und den Menschen auf ihrem Lebensweg helfe, durch echte Einsicht und Umkehr immer wieder "den Weg der Mitte zu finden", erklärte P. Norbert, der auch ausführlich auf die Entwicklung des Bußsakraments in der Kirchengeschichte zurückblickte.

Auch wenn die Begriffe "Buße" und "Sünde" heute fast ausschließlich negativ gedeutet werden, sei die christliche Botschaft eine positive und motivierende: "Wir müssen bei Gott nichts abzahlen oder sühnen, sondern nur seine Vergebung annehmen", betonte P. Norbert. Und auch die Sünde sei "keine Sackgasse, es gibt immer Umkehr und Neuanfang". Sündenvergebung geschehe in der Kirche "in großer Vielfalt", stellte P. Norbert fest und nannte u.a. das Gebet, das Lesen und Hören des Gotteswortes der Bibel, den Verzicht, das Almosen geben, das Miteinander teilen. U.a. rief P. Norbert zu echten Beichtgesprächen auf, die "Glaubensfragen und Glaubenszweifel besprechen" und er betonte, dass "eine regelmäßige Beichte zu einer guten Gewissensbildung und zu einer tiefen christlichen Glaubens- und Lebenspraxis führen" könne. Die Priester wiederum erinnerte er mit Verweis auf Papst Franziskus daran, dass der Beichtstuhl "keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit und der Heilung".

"Gestärkt mit dem Brot des Lebens"

Kapuzinerpater Norbert Schlenker vor dem Allerheiligsten.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker vor dem Allerheiligsten.

Auch "jede Eucharistiefeier ist Feier der Versöhnung", erinnerte P. Norbert und deutete hier bereits das Thema seiner dritten Predigt am Sonntagvormittag an: "Das Sakrament der Eucharistie – gestärkt mit dem Brot des Lebens".

Jesus sei "nicht nur ein Mensch der Vergangenheit", betonte P. Norbert, "als Gottes Sohn ist er Herr seiner Kirche, der überall dort ist "wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind". In sechs Punkten erläuterte er die Bedeutung der Eucharistie: "1. Wir feiern das Gedächtnis des Herrn. 2. sei die Eucharistie eine "Mahlfeier" und als solche "keine Belohnung für ein frommes und gottgefälliges Leben, sondern vor allem auch Hilfestellung und Heilmittel". 3. "Die Eucharistie hat den Charakter eines Opfers", das an "Kreuz und Auferstehung Christi" erinnere. Der entscheidende Punkt: "in allen anderen Religionen muss der Mensch sich selbst erlösen durch Opfer und gute Werke. Der christliche Glaube sagt: Erlösung ist Geschenk, Gnade. Durch sein Opfer am Kreuz ist Christus der einzige Erlöser und Retter." 4. "Eucharistie ist Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn – Wir feiern gleichsam zusammen mit allen Engeln und Heiligen die himmlische Liturgie jetzt schon mit." Die Eucharistie sei 5. "Zeichen des Bundes zwischen Gott und Mensch – Hier geht der Alte in den Neuen Bund über." Und 6.: Die Eucharistie "ist kirchenstiftendes Sakrament und Sakrament der Einheit."

P. Norbert resümierte an die Zuhörer gewandt: "Gehet hin, ihr seid gestärkt durch die Mahlgemeinschaft mit Christus mit dem Brot des Lebens. Lebt als Menschen aus seinem Geist, lebt eure Sendung und setzt euch ein für den Frieden."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner