Altöttinger Liebfrauenbote

Gemeindereferent Matthias Hein über seine eigene Firmung und seine Erfahrungen aus Lettland

"Meinen Platz in Welt und Kirche finden"

Matthias Hein verbrachte nach seinem Religionspädagogikstudium ein Jahr als Praktikant in Lettland. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er für drei Jahre als Gemeindereferent im Erzbistum Paderborn tätig. Von 2015 bis 2018 arbeitete er als "Referent für Religionspädagogik" am Religionswissenschaftlichen Institut in Riga. Dort bildete er Haupt- und Ehrenamtliche in religionspädagogischen Grundlagen und Methoden aus und entwickelte im Team des Katechetischen Zentrums Konzepte sowie Materialien für die Sakramentenkatechese. Seit Sommer 2018 ist er zurück in Deutschland und arbeitet wieder als Gemeindereferent und als pastoraler Begleiter im Freiwilligen Bonifatius Dienst.

Matthias Hein vor der lettischen Flagge.
Matthias Hein vor der lettischen Flagge.

Was bedeutet es dir, dass du gefirmt bist?
Die Zeit der Firmvorbereitung habe ich in Erinnerung als eine bewusster gelebte Zeit in der Kirche unter Gleichaltrigen. Es ging vor allem um Praktisches, wir waren auf einer mehrtägigen Wanderung unterwegs, pflanzten Bäume, sammelten Geld für eine Kapelle in meinem Heimatdorf Neuenheerse. Bis heute bedeutet die Firmung für mich, dass ich versuche, meinen Glauben konkret zu machen. Andersherum entdecke ich genauso Gott im Alltag, fühle mich bestärkt. Firmung heißt für mich, meinen Platz in der Welt und der Kirche zu suchen und zu finden, mit Gott und den Menschen.

Gibt es Unterschiede, Gemeinsamkeiten in der Firmvorbereitung in Deutschland und Lettland?
Es ist interessant, dass überall, wo man sich Gedanken um die Firmung macht, die Fragestellungen sich gleichen: Welches Firmalter? Firmvorbereitung kurz und intensiv oder über einen längeren Zeitraum mit regelmäßigen Terminen? Welche Voraussetzungen gelten für den Empfang des Sakramentes? "Besuch" der hl. Messe muss nachgewiesen werden oder sind die Firmbewerber frei in ihrem Handeln? Was ist mit denen, die es nur "für Oma und die Geschenke" machen (auch die gibt es in der Diaspora ...)? Während es im deutschsprachigen Raum eine unüberschaubare Fülle von Materialien zur Sakramentenkatechese gibt, wird in Lettland zurzeit der erste Firmkurs ausgearbeitet. Bis jetzt gibt es nahezu keine Unterlagen, also dient vor allem der Katechismus als Grundlage. Die Firmung erfolgt im Kindesalter, viele empfangen das Sakrament am Fest Mariä Himmelfahrt am Wallfahrtsort Aglona – unabhängig von der Heimatgemeinde. Ein weiterer Unterschied ist ein sehr eindrücklicher: der Handstreich bei der Spendung. Nicht unbedingt im Firmalter, aber dann in den nächsten Jahren wird deutlich: Wer wirklich entschieden dazugehört, der zeigt das auch.

Im vergangenen Jahr hat dich eine Gruppe von Firmlingen aus Lippstadt im Erzbistum Paderborn in Riga besucht. Was ist das Besondere einer solchen Reise in der Firmvorbereitung?
Wie bei jedem Auslandsaufenthalt, bei dem man ein wenig über das Tourismusprogramm hinausgeht, geschieht durch die Begegnung mit "dem anderen" Konfrontation. Ich mache mir Gedanken, Lebensthemen kommen auf, in der Gruppe passieren spezielle Dynamiken, Sprache bekommt eine andere Bedeutung und vieles mehr. In meiner Wahrnehmung waren es nicht die Sehenswürdigkeiten, die am Ende hängen bleiben, sondern zu erleben, wie Menschen in einem anderen Land ihr Dasein und ihren Glauben gestalten – bei guter Vor- und Nachbereitung ideal für die Firmvorbereitung.

Welche Eindrücke und Erfahrungen deiner Zeit in Riga werden in die Gestaltung der Firmvorbereitung an deinem neuen Wirkungsort einfließen?
Bei allen Konzepten und langfristigen Planungen für die Firmvorbereitung müssen wir Platz lassen. Für Dynamiken, Unerwartetes, Potenzial, Geist. Wichtig erscheint mir eine tatsächlich gemeinsame Zielsetzung von allen Beteiligten, ehrlich und realistisch. Eine klare Sprache ist nötig, auch Herausforderung und vielleicht mal Konfrontation, aber immer mit Respekt – auch wieder für alle Seiten. Es geht ums Ernstnehmen. Aus der Erfahrung mit unterschiedlichen Altersgruppen in verschiedenen Kontexten sehe ich zurzeit das Thema "Christliche Werte" als sehr spannend an. Ebenso glaube ich, dass es in der Sakramentenvorbereitung grundsätzlich neben dem "Universalen" um die Wurzeln der Menschen gehen muss, um Beheimatung und Geschichte.

Interview: Julia Brodersen-Schäfers, Foto: Bonifatiuswerk

Firmung 2019: "YOU(R) TURN"

"YOU(R) TURN" (siehe Foto), das ist das Leitwort der Firmaktion 2019 des Bonifatiuswerks. Die Doppeldeutigkeit des Mottos verdeutlicht, dass "Du dran bist" – "IT'S YOUR TURN". In der Vorbereitung und der Feier der Firmung sollen die Jugendlichen erfahren, dass es um sie geht, um ihr Leben. Sie können den Weg, der vor ihnen liegt, gestalten. Auch wenn sich – wie auf dem Motivbild ersichtlich – Kurven, ungewisse Pfade, vielleicht auch Steine auf ihrem Lebensweg auftun werden, steht die unwiderrufliche Zusage Gottes. Als mündige Christen übernehmen junge Christen schon in ihrer Feier der Firmung Verantwortung für sich, die Kirche und die Gesellschaft, in dem sie die Nöte und Sorgen ihrer Altersgenossen in der Diaspora nicht vergessen. Unter dem Gedanken "Mithelfen durch Teilen" sammeln bundesweit die Firmbewerber an ihrem großen Tag in einer eigenen Kollekte für die Kinder- und Jugendhilfe des Bonifatiuswerkes.

Mit den Gaben und Spenden der Firmlinge unterstützt das Bonifatiuswerk 2019 zahlreiche Werke der Nächstenliebe wie ambulante Kinderhospizdienste, Kinderheime und Kinderdörfer, Jugendsozialeinrichtungen und Suppenküchen in der Diaspora – unter anderem das Nachtcafé St. Richard in Berlin. Mehr Informationen zu den Projekten des Bonifatiuswerkes unter: www.bonifatiuswerk.de/firmung/

Text und Foto: Bonifatiuswerk