Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Der Juli ist der Monat der "Vertriebenen-Wallfahrten" nach Altötting – zuletzt kamen die Donauschwaben (siehe weiter unten). Doch auch viele weitere Gruppen pilgerten ins "Herz Bayerns" – hier eine kleine Auswahl.

50.000 Schritte – Fußwallfahrer aus Aufhausen-Eichendorf

Fast 40 Kilometer und damit insgesamt rund 50.000 Schritte hatten die Fußwallfahrer aus Aufhausen-Eichendorf in der Nacht zurückgelegt, bevor sie am frühen Morgen des 6. Juli um 6.45 Uhr ihr Pilgerziel in Altötting erreichten. Ziemlich geschafft waren die 29 Teilnehmer  vor allem des Temperaturwechsels wegen: einerseits waren relativ kühle 16 Grad für einen nächtlichen Fußmarsch angenehm, andererseits wehte ein schwülwarmer Föhnwind, so hieß es ständig Jacke aus, weil man ins Schwitzen kam, Jacke an, weil einen fröstelte. Zum 63. Mal fand diese Wallfahrt statt, erneut unter der Leitung von Anton Ritt. Papa Anton Guggenberger wurde am Parkplatz Gries wieder von seinen beiden Zwillingsbuben Maxi und Leopold herzlich in Empfang genommen. Auch Mama Karin, regelmäßige Teilnehmerin an der Straubinger Fußwallfahrt, schloss sich die letzten Meter Fußweg zum Kapellplatz an. Kapuzinerpater Ludwig Wörle hatte die Pilgergruppe in Empfang genommen und sprach ein Dankgebet vor der Gnadenkapelle. "Wenn wir stets bereit sind für die Botschaft des Herrn, wenn wir wachsen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, dann dürfen wir sicher sein, dass auch die Gottesmutter unsere Bitten und Anliegen an Jesus ihren Sohn weitergibt", stellte er fest.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Pfarrer dabei – Fußwallfahrt aus dem Pfarrverband Kirchdorf-Julbach-Seibersdorf

Seit 2002 leitet Christoph Strohhammer (3. Bild , l.) die Fußwallfahrt aus dem Pfarrverband Kirchdorf-Julbach-Seibersdorf. Am 6. Juli nach der Ankunft am Gnadenort gegen 8 Uhr morgens und Einbegleitung zur Gnadenkapelle äußerte er sich dankbar über das schöne Pilgerwetter und das gute Ankommen. Um 2 Uhr frühmorgens waren die 50 Fußpilger aufgebrochen, darunter auch erfreulicherweise wieder Pfarrer János Kovács (3. Bild, 2.v.r.). 20 Teilnehmer hatten den Pilgerweg mit dem Fahrrad zurückgelegt. Kapuzinerpater Bruder Sunil Kachappally hieß die Fuß- und Radpilger herzlich willkommen und sah im Wallfahren einen Ausdruck der fürbittenden Kraft Mariens. Christus sei das Ziel unseres Glaubens, der sich immer an unsere Seite stelle und uns echten Frieden schenke, sowohl im Herzen als auch für die ganze Welt. Beim Pilgergottesdienst in der St. Konradkirche übernahm der Ruhestandsgeistliche Max Pinzl (4. Bild, l.) aus Simbach/Inn die Predigt – in dankbarer Erinnerung an seine Primiz vor 50 Jahren.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Eilende Glaubensverkünder – Fußpilger aus dem Pfarrverband Tittmoning-Asten

Sehr eilig hatten es die Fußpilger aus dem Pfarrverband Tittmoning-Asten mit Stiftsdekan Gerhard Gumpinger am Samstagmorgen, 6. Juli – so eilig, dass Altöttings Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl für die Einbegleitung fast zu spät kam. Dies setzte Mandl bei der kurzen Statio und Begrüßung vor der Gnadenkapelle symbolisch mit "Mariae Heimsuchung" gleich: Auch Maria sei übers Gebirge geeilt, um ihrer Base Elisabeth die Frohe Botschaft, dass sie Mutter des Herrn werde, zu verkündigen. "Das ist doch aus dem Lukas-Evangelium, drum heißt unser Vortragskreuz-Träger, der das zügige Marschtempo vorgab, auch Lukas", kombinierten bibelfest und lachend die Wallfahrer. "Maria ist auch unsere liebende und einfühlsame Mutter", versicherte Mandl, und jeder mit Sorgen und Anliegen belastete Pilger würde den Gnadenort voller Kraft und Zuversicht verlassen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

"Oma, ich will auch mit" – Auerbacher Buswallfahrt

"Oma, ich will auch mit, bin schon ein Stück gewachsen", erklärte selbstbewusst die kleine Karin (3) ihrer Oma Irmgard Lehner (3. Bild r., 71), denn die größere Schwester Eva (5) durfte schließlich am 6. Juli auch bei der 91. Auerbacher Buswallfahrt nach Altötting teilnehmen. Zum 13. Mal war Irmgard Lehner auf Wallfahrt mit dabei und glücklich, dass die Enkelkinder mit solcher kindlicher Freude den Glauben leben. Zu Hause würden auch Marienlieder gesungen, die Enkelkinder singen eifrig mit, erzählte Irmgard Lehner lächelnd. Gebetet und gesungen wurde dann auch beim Einzug der Pilger zum Kapellplatz, an der Spitze Kapuzinerpater Alexander Madathil und die beiden Organisatoren Elisabeth John und Martin Schrüfer. Den Pilgerstab des verstorbenen Wallfahrtsleiters Josef Gradl, den eine Figur der Altöttinger Gnadenmutter ziert, trug der treue Mitpilger Hans Heidenreich in Händen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

"Brücken zueinander bauen" – 60. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben

"Nicht nur die Tür, sondern das Herz der Gottesmutter offen" und eine herzliche Gastfreundschaft von Seiten der Kirche und Stadt empfand der Freiburger Erzbischof em. Robert Zollitsch als "wohltuend" am Gnadenort Unserer Lieben Frau anlässlich der 60. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting am 13./14. Juli 2019. Mehr als Tausend Donauschwaben, Vertriebene aus der "alten Heimat", der Batschka (Ungarn-Serbien) und dem Banat (Rumänien), waren der Einladung des St. Gerhardswerks gefolgt, um mit Zollitsch sowie Bischof József Csaba Pál (Diözese Temeswar/Rumänien), Weihbischof Dr. Lajos Várga (Waitzen/Ungarn) und mehreren donauschwäbischen Priestern zu "Maria, Mutter der Hoffnung" zu pilgern.

Hoffnung sei es, "die unser Leben trägt, unserem Leben Sinn und Ziel gibt ...", sagte Erzbischof Zollitsch als Festprediger am Sonntag in der Basilika St. Anna mit Blick auf die Verbrechen der Vertreibung. Das Christentum bezeichnete er als eine Religion der Hoffnung, ein Glaube, der in die Zukunft schaue: "Das zentrale Fest unseres Glaubens ist Ostern mit der Botschaft der Auferstehung – nicht nur der Auferstehung Jesu Christi, sondern unserer Auferstehung mit dem Blick auf ein Leben über den Tod hinaus ..." Maria habe ihren Sohn bis ans Kreuz begleitet und verstehe deshalb alle Not und Sorge der Menschen.

Mit Blick auf die ehemalige donauschwäbische Heimat (auch Zollitsch selbst stammt aus der Batschka) und ganz Europa bekräftigte der Erzbischof: "Ein Europa, das Maria zum Leitbild hat, sich unter ihren Schutz stellt und sich in ihrer Hoffnung festmacht, überwindet Nationalismus und Hass, weil alle als Töchter und Söhne der einen Mutter in Frieden miteinander zu leben sich bemühen." Dabei gehe es um das Miteinander der europäischen Völkerfamilie: "Eine versöhnte Familie, die Brücken zueinander baut und über sie zueinander geht."

Zum Thema "Versöhnt mit der Vergangenheit und mit Hoffnung in die Zukunft" sprach auch der Baden-Württembergische Landtagsabgeordnete Paul Nemeth, Beauftragter der CDU-Landtagsfraktion für die Angelegenheiten der Vertriebenen, "das Wort des Laien": "Wir dürfen die Geschichte nicht vergessen, sondern müssen das Andenken daran bewahren, um daraus zu lernen. Die schlimmen Verbrechen, die an den Donauschwaben begangen wurden, dürfen nicht vergessen werden. Sie ermahnen uns, das europäische Haus gemeinsam zu bauen und den Frieden in Europa zu bewahren – denn: Die donauschwäbischen Tugenden werden auch in Zukunft benötigt: Glaube, Hoffnung, Liebe, die Familie sowie Pflege von Traditionen."

Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Altötting im Anschluss an den Festgottesdienst hatten die Vertreter der donauschwäbischen Landsmannschaften auch eine Bitte an Bürgermeister Herbert Hofauer: den Wallfahrtsort "Maria Radna" in der alten Heimat für die Shrines of Europe vorzumerken – auch ein Weg, Brücken zu bauen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner