Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Auch Temperaturen weit über 30°C können einen echten Pilger nicht aufhalten: im Juni und Anfang Juli jedenfalls, als teils neue Hitzerekorde gemessen wurden, kamen zahlreiche Wallfahrer nach Altötting – hier eine kleine Auswahl:

Mit Begeisterung – Wallfahrt der 4. Klassen aus Emmerting-Mehring

Die Sache Jesu braucht Begeisterung und eben jene ließ sich bei der Wallfahrt von 45 Kindern der 4. Klassen aus Emmerting-Mehring mit Pfarrer Thomas Steinberger und Religionslehrerin Claudia Öllinger erleben. Nach zweistündigem Fußmarsch hatten sie am 28. Juni ihr Pilgerziel erreicht. Auch Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl freute sich angesichts der begeisterten jungen Pilger, die ein Friedens-Transparent präsentierten: auf der Vorderseite ein Verweis auf "Bildung baut Brücken", auf der selbstgestalteten Transparent-Rückseite eine durch die Fingerabdrücke der Kinder gestaltete Blume, in deren Mitte zu lesen war: "Wo Frieden herrscht, fängt das Leben zu blühen an". Da die Gnadenkapelle mit einer anderen Pilgergruppe, die eine hl. Messe feierte, besetzt war, erklärte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl den Kindern einzelne Votivtafeln im Umgang der Kapelle – allesamt Glaubenszeugnisse, dass die Muttergottes schon vielen in Bedrängnis, Krankheit und Not geholfen habe. Nach dem Panoramabesuch stand die verbleibende Zeit zur freien Verfügung zum Durstlöschen und Eisessen – was bei den hochsommerlichen Temperaturen nur verständlich war und ebenso mit Begeisterung angenommen wurde.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

"Erst, wenn wir dort sind" – Fußpilger aus Mühldorf/Stadtkirche

"Maria hat Euch die Hand gereicht, wie eben im Lied ("Maria dich lieben ...") besungen", stellte Kapuzinerpater Siegbert Mayer fest, der die 134 Fußpilger aus Mühldorf/Stadtkirche unter Leitung von Pfarrvikar Piotr Wandachowicz, Pastoralreferentin Claudia Stadler und Pfarrsekretärin Cornelia Schneider sowie die Buspilgergruppe aus Waldkraiburg am 30. Juni in der St. Anna-Basilika in Empfang nahm. Christen seien "Pilger zwischen zwei Welten" – unterwegs auf dem irdischen Pilgerweg und auf dem Weg zum endgültigen Daheim im Himmel. P. Siegbert zitierte einen Ausspruch Karl Valentins: "Nein, gnädige Frau, da sind wir erst, wenn wir dort sind", habe Valentin in der Münchner Straßenbahn einer Frau geantwortet, nachdem diese "Oh, sind wir schon da" ausgerufen hatte. P. Siegbert erklärte: Der heilige Bruder Konrad habe uns aufgezeigt dass "die Liebe Gottes bleibt" – auch dann, wenn der irdische Lebensweg zu Ende geht. Mit Pfarrer Roland Haimerl als Hauptzelebrant wurde Pilgergottesdienst gefeiert.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Maria macht uns Mut – Nationalwallfahrt der in Bayern lebende katholische Kroaten

Am 30. Juni nahmen auch heuer wieder zahlreiche in Bayern lebende katholische Kroaten an der Nationalwallfahrt nach Altötting teil. Fast voll besetzt war die St. Anna-Basilika vor allem mit jungen Familien, als zu Beginn des Pontifikalamts kroatische Trachtengruppen aus München und Ingolstadt mit der kroatischen und der bayerischen Fahne einzogen. Hauptzelebrant und Prediger Bischof Dr. Antun Skvorcevic aus Pozega/Kroatien  stellte seinen Landsleuten die "Gretchen-Frage": "Wie stehen wir heute zu unserem Glauben – haben wir Angst öffentlich Zeugnis zu geben?" Wer als gläubiger Mensch in der Öffentlichkeit auftrete, müsse eher mit Schwierigkeiten als mit Vorteilen rechnen. Die Gottesmutter Maria aber habe mit ihrem vertrauensvollen "Ja" zum Heilsplan Gottes und somit zur Rettung der Welt echten Glaubensmut vorgelebt. Gerade hier in Altötting stelle sich die Frage: "Wer sind wir und was wollen wir von Maria?" Der Prediger antwortete selbst: Die Gottesmutter sei Wegbegleiterin und Vorbild zugleich und zeige uns auf, wie wir mutig und hoffnungsfroh als Glaubenszeugen für die Welt den rechten Weg zu Gott finden können. Zum 45. Mal hatte sich anlässlich der Nationalwallfahrt eine kroatische Pilgergruppe mit 64 Teilnehmern ab Ebersberg zu Fuß auf den Weg nach Altötting gemacht unter Leitung von Anton Jelicic (zum 13. Mal) und Stefan Kricanoc (zum 25. Mal). Außerdem kamen 37 kroatische Pilger mit dem Fahrrad zum Gnadenort. Die Gesamtleitung der Wallfahrt hatte Pfarrer Josip Antonac, Regensburg.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Aus einem "besonderen Ort" – Fuß- und Radpilger aus dem Pfarrverband Marktl-Stammham

Pilger aus einem "besonderen Ort" – aus dem Geburtsort Vater Benedikts XVI. – begrüßte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl am 6. Juli in der St. Anna-Basilika. Ausdrücklich dankte er den rund 100 Fuß- und Radpilgern aus dem Pfarrverband Marktl-Stammham für ihre Treue zur Gnadenmutter in Altötting und dafür, dass sie Benedikts XVI. "Vermächtnis in Ehren halten". Mit Pfr. Peter Meister feierten die Pilger abschließend eine hl. Messe in der Basilika.

Text und Fotos: Michael Glaß

Warum Maria ein Vorbild ist – 73. Sudetendeutsche Wallfahrt nach Altötting

Zum 73. Mal hat am 7. Juli auf Einladung der Ackermann-Gemeinde die traditionelle Sudetendeutsche Wallfahrt nach Altötting stattgefunden. Msgr. Dieter Olbrich, Präses der Sudetendeutschen Katholiken und Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde, erklärte in seiner Predigt in der St. Anna-Basilika, warum die Gottesmutter ein Vorbild ist, das auch bei 15-jährigen Schülern auf offene Ohren stoße.

Von einem "eindrucksvollen (Tages-)Evangelium" (Lk 10, 1-12.17-20 über die "Aussendung" und die "Rückkehr der 72 Jünger") sprach Msgr. Olbrich zu Beginn seiner Predigt: es zeige, dass die Nachfolge Jesu "nicht so einfach" sei, dass sich das Vertrauen auf Jesus dennoch lohne. Die Gottesmutter Maria sei Wegweiserin zum Herrn, stellte er fest, hakte aber nach: Was für Gläubige älterer Generation selbstverständlich scheine, stoße bei Jüngeren heute oft auf Unverständnis. Msgr. Olbrich erzählte: "Ich weiß nicht, was ihr immer mit Maria wollt", habe ihn ein 15-jähriger Schüler einmal im Religionsunterricht gefragt. Es gebe Abertausende Mütter, die sich unter schwierigsten Bedingungen für ihre Kinder und ihre Familie aufopferten – "sind diese nicht genauso verehrungswürdig?".
Fünf Gründe, wieso Maria stets ein Vorbild ist, legte Msgr. Olbrich den Zuhörern im Folgenden ans Herz; fünf Gründe, die er damals auch den Schülern mit auf den Weg gegeben hatte. 1. Marias "Ja" zu Gott (vgl. Lk 1, 26-38) sei eine "aktive mutige Antwort einer starken Frau" gewesen. Gerade dann, wenn Gott einzelnen Menschen scheinbar Unmögliches abverlange, könne ein Blick auf Maria ermutigen. 2. Die Gottesmutter habe ihren Sohn sein ganzes Leben lang ("bis zum Tod am Kreuz") begleitet; gerade auch in ihrer Treue zum Herrn sei sie Vorbild. 3. Maria habe Gottes Worte bewahrt und "in ihrem Herzen" erwogen (vgl. Lk 2,19); trotz der alltäglichen Herausforderungen habe sich Maria einen Freiraum geschaffen, um bei Gott zu sein. In diesem Sinne sei Maria "ein Vorbild der Meditation". 4. Marias Lobpreis, das Magnificat (vgl. Lk 1, 46-55), zeige Maria als "politische Frau", die die Gesellschaft genau beobachtet habe. "Maria hat Gott trotz aller gesellschaftlichen Probleme gelobt, sie hatte eine politische, optimistische Lebenseinstellung", stellte Msgr. Olbrich fest. 5. Der Völkerapostel Paulus verliere kaum ein Wort über die Gottesmutter, stellte der Prediger schließlich fest. "Maria verschwindet hinter dem, den sie geboren hat." Auch das "Sich-Zurücknehmen" sei eine Tugend, die nicht zuletzt auch die Kirche von ihr lernen könne. "Wie wichtig nehmen wir uns oft selbst, wie wenig achten wir auf Christus", merkte er an. Msgr. Olbrich resümierte abschließend: "Gut, dass unsere Kirche Maria hat!"
Unter den Sudetendeutschen Pilgern war auch dieses Mal wieder eine Trachten- und Fahnengruppe in den Trachten der alten Heimat. Nachmittags fand in der St. Konradkirche eine Marienfeier mit Totengedenken statt; Offiziator war Kapuzinerpater Eduard Stuchlik. Danach zogen die Pilger, begleitet von der Altöttinger Musikkapelle, in einer feierlichen Prozession zur Statio vor der Gnadenkapelle.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner