Altöttinger Liebfrauenbote

Einkehrtag der Marianischen Männerkongregation

Gelassen den Glauben leben

Gelassen den Alltag meistern, ist leichter gesagt als getan. Zeitdruck, Hektik und Stress bestimmen das Leben häufiger als einem lieb ist und lassen sich nicht so leicht abschütteln. Gut, dass es Ratschläge gibt, auf die man sich stützen kann. "Gebote der Gelassenheit" (siehe weiter unten) vom heiligen Papst Johannes XXIII. empfahl der Präses der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC), Kapuzinerpater Br. Georg Greimel, den Sodalen beim ersten von insgesamt vier Einkehrtagen im Franziskushaus am 12. Januar.

Viel Gesprächsbedarf gab es nach dem Vortrag von MC-Präses Br. Georg Greimel (r.).
Viel Gesprächsbedarf gab es nach dem Vortrag von MC-Präses Br. Georg Greimel (r.).

"Heute ist geistlicher Tag", leitete Br. Georg seinen Vortrag zum Thema "Christsein im Alltag – 'geboten' und 'gelassen'" ein. Politische Diskussionen oder sonstige Aufreger, die auch die Kirche beschäftigen, sollten an diesem Tag außen vor bleiben. Immerhin sei die Frage des "Christseins im Alltag" neben der Marienverehrung und der Treue zur Kirche einer der drei Schwerpunkte der MC. Es folgte ein Einkehrtag mit Andacht, Eucharistiefeier, Beichtgelegenheit und einem Vortrag am Vormittag, bei dem klar wurde: So einfach ist das nicht mit der Gelassenheit. Auch diese müsse eingeübt und erarbeitet werden, wie Br. Georg betonte.

Das christliche Hauptgebot der Eigen- und Nächstenliebe hob Br. Georg etwa beim vierten Gebot über den "Realismus" hervor. "Nur ichstarke Persönlichkeiten können auch ihre eigenen Wünsche zurückstellen und auf ihre Mitmenschen und auf die Umstände des Lebens achtgeben." Br. Georg riet den Sodalen der "egozentrischen Dynamik" und der "Entsolidarisierung" in heutigen Tagen ein realistisches christliches Weltbild entgegenszusetzen, warnte zugleich aber auch vor der Gefahr übertriebenen Gehorsams und der Anpassung. In Anlehnung an ein Buch von Franziskanerpater Helmut Schlegel (siehe Buchtipp unten) zitierte er Gebete von Ricarda Moufang und Aussprüche von Papst Johannes XXIII., legte passende Bibelstellen aus und empfahl konkrete Schritte im Alltag: Beim Thema "Realismus" riet er zum regelmäßigen Gebet, zur Einkehr, um die konkreten Lebensumstände auch wirklich wahrzunehmen, außerdem appellierte er, wenn nötig auch Partei zu ergreifen und Solidarität zu zeigen.

"Warum immer nur 'heute' und nicht auch 'morgen'?", fragte ein Sodale mit Blick auf die zitierten Gebote. Weil sich auch die Zukunft sehr viel leichter gestalten lasse, wenn Menschen die Gegenwart tatsächlich (er-)leben, antwortete Br. Georg. Statt sich in eine nicht mehr umkehrbare Vergangenheit zu verstricken oder ständig für eine nicht vorhersehbare Zukunft zu planen, gehe es bei den "10 Geboten der Gelassenheit" eben gerade darum, das "Hier und Jetzt" wirklich zu achten und dabei stets auf "die Kraft des auferstandenen Christus in unserer Zeit und Welt" zu vertrauen. Eine solche "Kunst der Gelassenheit" lasse sich freilich nicht verordnen, sondern nur einüben – dies aber täglich, denn in dieser Hinsicht "starten wir jeden Tag als Anfänger und Amateure". "Ein geistlicher Weg verlangt ein ruhiges Tempo", gab Br. Georg den Sodalen mit auf den Weg. Abschließend zitierte er Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI.: "Der Mensch ist umso mehr bei sich, je mehr er bei dem ganz anderen, bei Gott ist."

Text und Foto: Michael Glaß

Buchtipp: Helmut Schlegel, "Heute, nur heute – Zehn Gebote der Gelassenheit von Johannes XXIII. Geistliche Übungen", 184 Seiten, ISBN 978-3-429-03535-8

Papst Johannes XXIII.: Die 10 Gebote der Gelassenheit

Klug ist, wer gelassen den Alltag meistert ... – Im Bild ein Altötting-Pilger aus Großmehring.
Klug ist, wer gelassen den Alltag meistert ... – Im Bild ein Altötting-Pilger aus Großmehring.

Für Papst Johannes XXIII.(1958-1963) waren "Heiterkeit, innere Ruhe und Hingabe an Gott" die drei einfachen Säulen seines Lebens. Seine Haltung war geprägt von Güte und Zuversicht. Entsprechend menschenfreundlich fallen seine 10 Regeln der Gelassenheit aus. Sie passen ideal zum Weg der kleinen Schritte und überfordern niemanden:

1. Leben
Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Sorgfalt
Nur für heute werde ich großen Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten. Ich werde niemanden kritisieren. Ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern – nur mich selbst.

3. Glück
Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin – nicht für die andere, sondern auch für diese Welt.

4. Realismus
Nur für heute werde ich mich den Umständen anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Lesen
Nur für heute werde ich 10 Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie das Essen notwendig ist für das Leben des Leibes, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

Auch Kapuzinerbruder Thomas Skowron weiß um die Vorteile einer gelassenen Lebensweise ...
Auch Kapuzinerbruder Thomas Skowron weiß um die Vorteile einer gelassenen Lebensweise ...

6. Handeln
Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen. Und ich werde es niemandem erzählen.

7. Überwinden
Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich dadurch innerlich kränken, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

8. Planen
Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht exakt daran. Aber ich werde es aufschreiben und mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

9. Mut
Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist – und ich werde an die Güte glauben.

10. Vertrauen
Nur für heute werde ich fest daran glauben (selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten), dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Text: red / Fotos: Roswitha Dorfner