Altöttinger Liebfrauenbote
Besucher entzünden Kerzen vor der Krippe in Notre Dame.
Besucher entzünden Kerzen vor der Krippe in Notre Dame.

In der Pariser Kathedrale Notre-Dame

Meistbesuchte Krippe der Welt

Seit dem ersten Adventssonntag wird in der Pariser Kathedrale Notre-Dame eine fünfzehn Meter lange und vier Meter breite Krippe präsentiert. Mehr als zwei Millionen Menschen aus aller Welt halten bis Mariä Lichtmess vor ihr inne.

Unermüdlich dreht sie am Spinnrad, die Frau mit Haube, die vor dem altertümlichen Bauernhaus sitzt und Schafwolle spinnt. Vor ihr tummeln sich auf einer Grünfläche Schafe und Ziegen ...
Unermüdlich dreht sie am Spinnrad, die Frau mit Haube, die vor dem altertümlichen Bauernhaus sitzt und Schafwolle spinnt. Vor ihr tummeln sich auf einer Grünfläche Schafe und Ziegen ...

Unermüdlich dreht sie am Spinnrad, die Frau mit Haube, die vor dem altertümlichen Bauernhaus sitzt und Schafwolle spinnt. Vor ihr tummeln sich auf einer Grünfläche Schafe und Ziegen. Idylle pur – die kleine Szene ist Bestandteil einer insgesamt fünfzehn Meter langen und vier Meter breiten Krippe in der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Jahr für Jahr wird das gute Stück am ersten Adventssonntag präsentiert, bis zum 2. Februar ausgestellt – und von mehr als zwei Millionen Besuchern bestaunt und bewundert.

Die wohl meistbesuchte Krippe der Welt steht im nördlichen Chorraum unter dem Altarfries aus dem 14. Jahrhundert mit Darstellungen aus dem Leben Jesu, die mit der Weihnachtszeit verbunden sind. Zu den Themen gehören Flucht nach Ägypten, Kindermord, Verkündung an die Hirten, Geburt Christi und Anbetung der Heiligen Drei Könige.

Lange Tradition

Die Stoffhändlerin wickelt die Stoffbahnen auf Ballen ...
Die Stoffhändlerin wickelt die Stoffbahnen auf Ballen ...

Weihnachtskrippen haben eine lange Tradition. Der Legende nach stellte der heilige Franz von Assisi im 13. Jahrhundert in einem verlassenen Stall in der italienischen Stadt Greccio die Geburt Christi mit lebenden Personen und Tieren nach. Ende des 13. Jahrhunderts entstanden dann die ersten Krippen in der Provence. Auch die Szenen der großen Krippe in Notre-Dame sind typisch provenzalisch mit ihren Olivenbäumen, Mühlen, Feldern und einem Dorf mit Häusern in den warmen Farben des Südens. Die Figuren der Krippe werden traditionell aus Ton oder Terrakotta gefertigt. Diese Santons (provenzalisch "santoun": kleiner Heiliger) sind bunt bemalt und mit Stoffkleidern ausgestattet. Die meisten Santons stellen Figuren aus der Provence dar und haben keinen direkten Bezug zur Weihnachtsgeschichte.

Typisch provenzalisch sehen auch die beiden Damen vor einem weiteren kleinen Bauernhaus aus. Vor den Fenstern hängen Vorhänge aus provenzalischem Stoff und beide Frauen sind in französischen Trachten gekleidet. Auch eine Stoffhändlerin, die besagte Stoffe feilbietet, ist mit von der Partie. Sorgfältig wickelt sie die Stoffbahnen auf Ballen und drapiert sie auf ihrem Verkaufstresen. Schon im 17. Jahrhundert brachten Seefahrer aus Indien die ersten bedruckten Baumwollstoffe in die Häfen von Genua und Marseille. In Südfrankreich ging man dann mehr und mehr zu einheimischen anstelle der indischen und chinesischen Motiven über.

50 typische Figuren

Das Christuskind in der Krippe fehlt noch; es wurde erst an Heiligabend um Mitternacht in seine Krippe gelegt ...
Das Christuskind in der Krippe fehlt noch; es wurde erst an Heiligabend um Mitternacht in seine Krippe gelegt ...

Im bunten Reigen der Krippenfiguren sind vielerlei historische Berufsgruppen vertreten. Insgesamt treten rund 50 typische Figuren auf, mit Namen wie "Roustido" – eine sympathisch dreinblickende Bürgersfrau, die von ihrem Mann mit einem roten Regenschirm beschützt wird; "Bartomiou", ein unverbesserlicher Trunkenbold mit langer Mütze, der dem Jesuskind einen flachen Stockfisch bringt. "Pistachié", ein langer Lulatsch, der einen Packesel mit Getreidesäcken antreibt. "Lou Ravi", ein Mann, der voller Bewunderung seine Arme zum Himmel hebt. Ferner finden Betrachter eine Knoblauchhändlerin, eine Fischverkäuferin, Knechte mit Laterne, und einen Fischer mit seinem Netz über der Schulter.

Und dann ist da natürlich der Stall mit Jesuskind, Jungfrau Maria, Josef und über ihnen schwebend der Komet, der den Drei Königen und anderen den Weg weisen wird. Ein Lichtermeer aus Kerzen brennt vor der Krippe. Langsam ziehen die Besucher an der Krippe vorbei. Man macht sich gegenseitig auf Figuren aufmerksam, diskutiert und staunt. Vielleicht über das Fehlen des kleinen Christuskinds: Es wurde erst an Heiligabend um Mitternacht in seine Krippe gelegt.

Peter Beyer (Storymacher) / Fotos: Ruth Bourgeois (Storymacher)

Die Kathedrale Notre-Dame in Paris ist jeden Tag geöffnet: Mo-Fr von 8 Uhr bis 18.45 Uhr; Sa und So von 8 Uhr bis 19.15 Uhr. Die Weihnachtskrippe ist vom 1. Adventssonntag bis Anfang Februar ausgestellt. Die Besichtigung der Krippe ist kostenlos. Mehr über das provenzalische Brauchtum im Internet unter www.provence-netz.de/168/Provenzalische-Traditionen-Brauchtum-Provence.html.

Impressionen

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Blick auf die Pariser Kathedrale Notre-Dame.
Blick auf die Pariser Kathedrale Notre-Dame.
Schäfer schert Schaf.
Schäfer schert Schaf.
Wäscherin.
Wäscherin.
Bäuerin füttert Gänse und Enten.
Bäuerin füttert Gänse und Enten.
Zwei Männer zersägen einen Baumstamm.
Zwei Männer zersägen einen Baumstamm.
Frauen vor einem Bauernhaus.
Frauen vor einem Bauernhaus.
Bäcker in seiner Backstube.
Bäcker in seiner Backstube.
Bauern dreschen Getreide.
Bauern dreschen Getreide.
Dorfbewohner.
Dorfbewohner.
Leierkastenspieler.
Leierkastenspieler.
Töpferei.
Töpferei.
Apotheker im Labor.
Apotheker im Labor.
Kathedrale Notre-Dame: Blick durch das Langhaus zum Hochaltar.
Kathedrale Notre-Dame: Blick durch das Langhaus zum Hochaltar.
Pfarrer vor seiner Kirche.
Pfarrer vor seiner Kirche.
Wagner repariert einen Karren.
Wagner repariert einen Karren.
Dorfszene.
Dorfszene.
Stoffverkäuferin.
Stoffverkäuferin.
Dorfbewohner.
Dorfbewohner.