Altöttinger Liebfrauenbote

Vor 30 Jahren wurde der "Diözesanbrunnen" in Altötting eingeweiht

Im Schatten des Kapellplatzes

Heute fristet er fast ein Dasein im Schatten des Altöttinger Kapellplatzes mit der Gnadenkapelle und dem altehrwürdigen Marienbrunnen aus dem Jahr 1637: der sogenannte Diözesanbrunnen auf dem Tillyplatz hinter Stiftspfarrkirche und Tillyakapelle. Anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums wollen wir ihn ein wenig aus der Vergessenheit holen.

Der Diözesanbrunnen heute: Als Patron des Bistums Passau blickt der hl. Valentin gen Osten. Die Mitte des Brunnens ziert eine Nachbildung U.L.F. von Altötting.
Der Diözesanbrunnen heute: Als Patron des Bistums Passau blickt der hl. Valentin gen Osten. Die Mitte des Brunnens ziert eine Nachbildung U.L.F. von Altötting.

Der "Diözesanbrunnen" ist zwar nicht so alt wie der Marienbrunnen auf dem Kapellplatz, verweist dafür aber umso weiter zurück in Geschichte. Und seine Einweihung war eingebunden in ein beispielloses Glaubensfest: mehr als 15.000 Gläubige kamen, angeführt von den jeweiligen Bischöfen, am 8. Oktober 1989 aus den umliegenden Diözesen München-Freising, Regensburg, Passau und Salzburg im Rahmen einer großen Sternwallfahrt nach Altötting.

Großereignis für zwei Jahrhundert-Jubiläen

Am Tag der Einweihung des Brunnens freuen sich: (v.l.) Künstler Leopold Hafner und die Bischöfe der vier "altbayerischen" Diözesen Franz Xaver Eder (Passau), Friedrich Kardinal Wetter (München-Freising), Georg Eder (Salzburg) und Manfred Müller (Regensburg).
Am Tag der Einweihung des Brunnens freuen sich: (v.l.) Künstler Leopold Hafner und die Bischöfe der vier "altbayerischen" Diözesen Franz Xaver Eder (Passau), Friedrich Kardinal Wetter (München-Freising), Georg Eder (Salzburg) und Manfred Müller (Regensburg).
Der "Diözesanbrunnen" während der Einweihung am 8. Oktober 1989 von Stiftspfarrkirche und Tillykapelle aus gesehen.
Der "Diözesanbrunnen" während der Einweihung am 8. Oktober 1989 von Stiftspfarrkirche und Tillykapelle aus gesehen.

Hintergrund war die Errichtung dieser vier altbayerischen Ur-Bistümer durch den hl. Bonifatius vor damals 1.250 Jahren. Gleichzeitig konnte das 500-jährige Jubiläum der Wallfahrt nach Altötting gefeiert werden. Es war das größte Ereignis im Wallfahrtsort seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. neun Jahre zuvor. Die Anzahl der Ehrengäste war schier unüberschaubar, darunter der Apostolische Nuntius in Deutschland, Josip Uhac, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, die Diözesanbischöfe aus Eichstätt, Würzburg und Linz, der bayerische Ministerpräsident Max Streibel und Prinz Franz von Bayern als Vertreter des mit Altötting seit jeher eng verbundenen Hauses Wittelsbach.

Papst Johannes Paul II. schickte ein langes Grußwort an die in Altötting versammelten Pilger aus den vier "Jubiläumsdiözesen" – worauf Kardinal Friedrich Wetter mit Bezug auf die Wallfahrt u.a. antwortete: "Wir haben Unserer Lieben Frau, die seit 500 Jahren in Altötting hoch verehrt wird, aufs neue unsere Diözesen anvertraut, wie auch Sie es bei Ihrem unvergessenen Besuch am 18. November 1980 getan haben."

Symbolträchtiges Gastgeschenk

Der Jubiläumsbrunnen heute, hinten die Tillykapelle.
Der Jubiläumsbrunnen heute, hinten die Tillykapelle.
Inschrift am Diözesanbrunnen.
Inschrift am Diözesanbrunnen.
"Marienseite" der aktuellen Ausgabe: Milde Temperaturen drängen dieser Tage den Winter zum Rückzug. Nurmehr Reste der großen Schneemengen dieses Jahres sind zu sehen – so trug auch die Marienstatue auf unserem Foto unlängst noch eine weiße Haube. Die Statue ist Teil des Altöttinger Diözesanbrunnens.
"Marienseite" der aktuellen Ausgabe: Milde Temperaturen drängen dieser Tage den Winter zum Rückzug. Nurmehr Reste der großen Schneemengen dieses Jahres sind zu sehen – so trug auch die Marienstatue auf unserem Foto unlängst noch eine weiße Haube. Die Statue ist Teil des Altöttinger Diözesanbrunnens.

Bei geistlichem Dank allein blieb es nicht - die Vertreter der vier Jubiläumsdiözesen waren nicht mit leeren Händen nach Altötting gekommen. Bereits 1988 hatten sie einen Künstlerwettbewerb für einen "Jubiläumsbrunnen" ausgeschrieben, an dem sich Bildhauer aus allen vier Diözesen beteiligten.

Eine Jury entschied sich schließlich für den Entwurf des Bildhauers Leopold Hafner aus Aicha vorm Wald: Über einem quadratischen Becken, dessen abgeschrägte Ecken ein Oktogon andeuten und damit sowohl auf die Gnadenkapelle verweisen, als auch den Gedanken an den Taufbrunnen versinnbildlichen, erhebt sich ein dem gotischen Stil der Umgebung entsprechender Säulenaufbau aus Bronze, auf dessen Mittel- und Höhepunkt eine Nachbildung des Altöttinger Gnadenbildes thront.

Auf den Pfeilern über den Ecken stehen Darstellungen der vier Diözesanpatrone St. Rupertus (Salzburg), St. Wolfgang (Regensburg), St. Korbinian (München-Freising) und St. Valentin (Passau), die in Richtung ihrer Diözesen blicken und denen je ein Wasserspender zugeordnet ist. Die Einzelteile wurden in der Kunstgießerei Strehle in Eisenfelden bei Neuötting gegossen und zusammengefügt.

Dem Künstler ist es so gelungen, 1.250 Jahre Kirchen- und 500 Jahre Wallfahrtsgeschichte in einem Werk, an einem Ort zu veranschaulichen. Eine lange Geschichte, die weiter fortdauert und es wert ist, auch von heutigen Altötting-Besuchern gewürdigt zu werden. Schwer haben sie es nicht: Um den "Diözesan- oder Jubiläumsbrunnen" zu sehen, müssen sie nur ein paar Schritte vom Kapellplatz aus um die Ostseite der Stiftspfarrkirche herum zum Tillyplatz gehen.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

Aufruf von Kardinal Friedrich Wetter, 17. Juli 1989: "Am 8. Oktober feiern die vier Diözesen gemeinsam ihr Gründungsjubiläum. Sie tun dies an dem ihnen gemeinsamen Wallfahrtsort Altötting, wo seit Jahrhunderten Maria verehrt wird. Am 8. Oktober danken wir miteinander Gott für die Gnade des katholischen Glaubens und für das Geschenk, (...) zu seiner Kirche gehören zu dürfen. Zugleich bitten wir den Herrn, dass der Glaube, der 1.250 Jahre in unseren Bistümern lebendig war, auch in Zukunft lebendig bleibt."