Altöttinger Liebfrauenbote
Benediktinermönche auf einer Wandmalerei im Festsaal von Sorèze.
Benediktinermönche auf einer Wandmalerei im Festsaal von Sorèze.

In Sorèze locken Dom Roberts Wandteppiche Besucher in eine ehemalige Klosterschule

Frankreichs malender Mönch

Neben Stuhl und Bett hängen nur ein paar Bilder an der Wand. Poster der Beatles und ein Bild der Sängerin Françoise Hardy, für die nicht nur Frankreichs Jugend in den 1960er-Jahren schwärmte. So sah es vor einem halben Jahrhundert in der Klosterschule von Sorèze aus, die einmal zu den Eliteschulen der Grande Nation gehörte, bis sie 1991 für immer ihre Pforten schloss. Heute ist sie ein sehenswertes Museum, das nicht nur Bildungsgeschichte dokumentiert, sondern auch zum Hort moderner Kunst geworden ist. In den alten Schulräumen nämlich hat die Kunst des Benediktinermönches Dom Robert Einzug gehalten, dessen zu Teppichen gewebte Malereien zu den farbenprächtigsten der Welt gehören.

Isabelle Arnaud-Dardy, Schülerin von 1982-1988 und Führerin im Museum.
Isabelle Arnaud-Dardy, Schülerin von 1982-1988 und Führerin im Museum.

Die Schule", sagt Isabelle Arnaud-Dardy, "war so etwas wie ein Europa im Kleinen, beherbergte Schüler aus der ganzen Welt". In den 1980er-Jahren war die Museumsführerin eine der Schülerinnen hier, nachdem man die Klosterschule auch für Mädchen geöffnet hatte. Ihre Wurzeln reichen ins frühe Mittelalter, als Benediktiner in Sorèze 754 eine erste Abtei gründeten. Angeblich auf Betreiben Pippin des Jüngeren, mit dem die Herrschaft der Karolinger in Frankreich begann.

Strenge Erziehung und strategisches Denken

Gemälde der Abtei Soreze im 19.Jhdt.
Gemälde der Abtei Soreze im 19.Jhdt.
Blick auf die Abteischule.
Blick auf die Abteischule.
Ehemaliges Lehrerzimmer (siehe Text).
Ehemaliges Lehrerzimmer (siehe Text).
Ehemaliges Schülerzimmer (siehe Text am Anfang).
Ehemaliges Schülerzimmer (siehe Text am Anfang).
Blick ins Museum mit Bildern von Dom Robert.
Blick ins Museum mit Bildern von Dom Robert.

Immer wieder wurden die Klosteranlagen im Lauf der Jahrhunderte zerstört und aufgebaut – zuletzt im noch heute sichtbaren klassizistischen Stil. 1682 richteten die Benediktiner ein Seminar und später eine Schule ein, deren Ausbildungsqualität sich schnell herumsprach. Kein Wunder, dass sie 1776 König Ludwig XVI. zu einer seiner zwölf Militärschulen machte.

"Staat und Kirche", sagt Isabelle, "waren damals eng verbunden". Das verraten auch die Schuluniformen, die heute hinter Glasvitrinen hängen und ihre militärischen Vorbilder nicht leugnen können. Im großen Festsaal trifft der Besucher auf die Büsten ehemaliger Militärs, die hier zur Schule gingen – und auf Moses, der neben allegorischen Figuren seine Gesetzestafeln mit den zehn Geboten von der Wand streckt. 1840 hatten Dominikaner das Kloster und die Ausbildung von den Benediktinern übernommen. "Die Patres", sagt Isabelle, "sorgten für strenge Erziehung und Disziplin, die Militärs für strategisches Denken". Eine Mischung, die viele Eltern im 19. Jahrhundert bewog, ihre Söhne nach Sorèze zu schicken. Neben Militärstrategen reifte hier so mancher Schriftsteller, Philosoph oder Politiker.

Der Museumsrundgang erlaubt einen Blick in die alten Klassenräume und Lehrerzimmer, die kaum komfortabler als die der Schüler waren. "Ich habe hier Pünktlichkeit und Disziplin, aber auch Rücksichtnahme und Höflichkeit gelernt", meint Isabelle, ehe sie Besucher in die benachbarten Räume führt. Ins neue Museum, das der Teppichkunst des 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Vor allem ihrem Wegbereiter Dom Robert, einem Benediktiner aus dem nah gelegenen Kloster En Calat. In seinen Werken explodieren die Farben, findet die Natur ihr eigenes Gesicht. Denn Tiere und Pflanzen sind es, die es dem hageren Mönch angetan hatten. Schöpfungen Gottes wie Vögel, Pferde und Schafe, die er in fast kindlicher Einfachheit zeigt.

Als Guy de Chaunac-Lanzac kam er 1907 auf die Welt, schmiss schnell die Jesuitenschule, um als Teenager in Paris eine Kunstgewerbeschule zu besuchen und vor allem Pferde zu zeichnen. Kein Wunder, dass er seinen Militärdienst bei einem französischen Reiterregiment in Marokko leistete, den sogenannten Spahis. In seinen 20ern trat er schließlich den Benediktinern bei, studierte Philosophie und Theologie, um sich 1937 zum Priester weihen zu lassen. Doch das Malen und Zeichnen in der Natur ließ ihn nie los. 1941 waren es Pfauen, die ihn zur Vorlage für seinen ersten Teppich inspirierten, der heute im Museum hängt.

Welten voll malerischer Poesie

Teppich "Der Sommer", 1941.
Teppich "Der Sommer", 1941.
Ausschnitt aus dem Teppich "Der Hügel", 1971.
Ausschnitt aus dem Teppich "Der Hügel", 1971.
Teppich "Der Baum, der singt", 1950.
Teppich "Der Baum, der singt", 1950.
Teppich "Die Enten von Luole", 1987.
Teppich "Die Enten von Luole", 1987.

Überrascht vom Erfolg seiner Arbeiten kehrte er nach Ende des Zweiten Weltkriegs Frankreich den Rücken, suchte sich bei den Benediktinern in der südenglischen Buckfast Abbey ein neues Zuhause. Dartmoors Ponys und wilde Schafe inspirierten ihn zu neuen Arbeiten. Zehn Jahre später aber war er in En Calcat zurück. Erste große Ausstellungen folgten, angeheizt von der Nachfrage nach seinen Malereien, die eine Weberei in Frankreichs Tapisserie-Hochburg Aubosson zu Teppichen formte. Fast 150 meist großformatige Arbeiten entstanden so, deren schönste heute zusammen mit einem Webstuhl, der die Umsetzung seiner Arbeiten verdeutlicht, im Museum hängen.

Ein Treppensturz brachte Dom Roberts Schaffen 1994 zum Stillstand, drei Jahre später starb er im Alter von 90 Jahren in der Abtei von En Calcat im Kreis seiner Mitbrüder. Welten voll malerischer Poesie hat er nicht nur ihnen hinterlassen. Teppiche, die zum Spaziergang von einer zur anderen Farbe einladen. "Ein Rot führt zu einem Blau", hat er seine Bilder einmal erklärt, "plötzlich entdecken wir einen Vogel, ein Eichhörnchen, das sich verstecken wollte ...". Das Betrachten seiner Werke, die er ab 1970 mit Dom Robert signiert hatte, wird so zum spannenden Suchspiel, das die Zeit vergessen lässt.

Text und Fotos: Günter Schenk

Informationen

  • Abbaye-école de Sorèze und Musée Dom Robert, 1 Rue Saint-Martin, 81540 Sorèze, Tel. 05 63508638, Internet: www.abbayeecoledesoreze.com; Öffnungszeiten: Okt.-Dez. und Febr.-März 14-17.30 Uhr, April-Sept. 10-12.30 und 14-18 Uhr (außer Juli und August Di. geschlossen); Eintritt: 8 € (Audioguide deutsch 3 €)