Altöttinger Liebfrauenbote
Mauricio Garcia ist Bauer in der Gemeinde Tapacari in Bolivien. Mit Hilfe der "Pastoral de la tierra" hat er seine kleine Farm auf nachhaltige Landwirtschaft umgestellt.
Mauricio Garcia ist Bauer in der Gemeinde Tapacari in Bolivien. Mit Hilfe der "Pastoral de la tierra" hat er seine kleine Farm auf nachhaltige Landwirtschaft umgestellt.

Adveniat-Weihnachtsaktion – Wie Einwohner in den Anden für den Erhalt der Natur kämpfen

Ein Kleid für Mutter Erde

Don Mauricio und Yolanda lieben ihre Heimat Tapacarí in den bolivianischen Anden, obwohl sie kahl, tot und lebensbedrohlich ist. Seit Jahren setzen sie sich für den Erhalt der Natur und die Gesundheit der Menschen ein – trotz starker Kritik und Anfeindungen.

Ein Blick auf die Farm von Maurício García und seiner Frau Gregoria Serrano in den bolivianischen Anden.
Ein Blick auf die Farm von Maurício García und seiner Frau Gregoria Serrano in den bolivianischen Anden.

Hellrot, ockerfarben und grau-braun strecken sich die majestätischen Berge der bolivianischen Anden gen Himmel. Die Sonne knallt erbarmungslos auf die staubtrockene, steinige Erde. Jeder schattenspendende Baum ist eine Wohltat, aber die Landschaft in der Region Tapacarí, 80 Kilometer von der Großstadt Cochabamba entfernt, ist kahl. Auf halbem Weg von einer der vielen Bergspitzen zum trockenen Flussbett stehen doch ein paar Bäume, es ist fast ein kleines Waldstück. An den hohen Eukalyptusbäumen und Kiefern vorbei gelangt Don Mauricio García zu seinem Terrain, auf dem zwei winzige Ein-Zimmer-Lehmhütten, zwei Lebensmittelspeicher und ein Geräteverschlag stehen. Trotz der kahlen Umgebung blickt Don Mauricio ins Grüne, wenn er auf dem kleinen wackeligen, Holzhocker vor seiner Tür sitzt. Vor ihm wiegen Apfelbäume im Wind. Seit vier Jahren stehen sie hier und er kann es immer noch nicht richtig glauben. "Früher waren wir sehr arm und haben oft hungern müssen." Don Mauricio hat neun Kinder, die meisten leben heute in der Stadt. Der Bedarf an Holz ist groß, auch in der Stadt wird der Rohstoff gebraucht, aber ans Aufforsten dachte lange niemand. So sieht die einst bewaldete Region heute traurig aus, die Erde ist ungeschützt vor den gleißenden Sonnenstrahlen und trocknet weiter aus.

Engagement der Kirche

Kardinal Pedro Barreto in La Oroya vor der mittlerweile geschlossenen Metallhütte in La Oroya in Peru.
Kardinal Pedro Barreto in La Oroya vor der mittlerweile geschlossenen Metallhütte in La Oroya in Peru.

Auch rund 2.000 Kilometer weiter nördlich in der peruanischen Andenstadt La Oroya hat Pachamama, wie Mutter Erde von den Indigenen genannt wird, ihr Kleid verloren und ist den äußeren Einflüssen schutzlos ausgesetzt. Hier sind das nicht nur extreme Wetterverhältnisse, sondern vor allem Giftstoffe, die Berghänge verätzen, Wasser verseuchen und Pflanzen töten. Weiß, schwarz und grau dominieren, zerklüftete Berge, eine tote Landschaft. 97 Jahre lang wurden von der örtlichen Metallschmelze ungefiltert und ohne Rücksicht auf Natur und Menschen Schadstoffe in die Luft gepustet. Hier ist Yolanda Zurita Trujillo geboren und hat ihr ganzes Leben Schwefeldioxid und Feinstaub eingeatmet. Kurz vor ihrer Abschlussprüfung im Studium bekam sie starke Krampfanfälle, Entladungen von Nervenzellen des Gehirns, die durch einen hohen Bleigehalt im Körper hervorgerufen werden können.

Von da an änderte sich ihr Leben. Sie engagierte sich noch stärker in der Kirchengemeinde und setzte sich für den Umweltschutz und die Gesundheit der Menschen ein. Das Engagement der Kirche für die Umwelt stieß auf Widerstand des Unternehmens. Yolanda wurde verfolgt, bedroht, angegriffen. "Ich hatte fast aufgegeben, da gab mir Monseñor Barreto neuen Mut", erzählt sie. Der heutige Kardinal Pedro Barreto Jimeno ist seit 2004 Erzbischof der Diözese Huancayo, in der auch La Oroya liegt. Die meiste Wut richtete sich gegen ihn, denn er rief mehrere Projekte zum Umweltschutz ins Leben. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen wurden Särge mit seinem Namen durch den Ort getragen. "Ich kämpfe für das Leben und die Gesundheit der Menschen", erklärt Kardinal Barreto. 2012 stellte das Unternehmen die Arbeit ein, was auch ein Verdienst des langjährigen Kampfes der Kirche war. Genauso wie Kardinal Barreto setzt Yolanda sich weiterhin für den Umweltschutz ein. Zusammen mit einer Gruppe von Freunden pflanzte sie auf 21 Hektar Land Bäume, in der Hoffnung auf bessere Luft und fruchtbaren Boden.

Im Einklang mit der Natur

Maurício García.
Maurício García.
Ricardo Crespo Torrico in einer Apfelplantage.
Maurício Garcías Frau Gregoria Serrano mit den beiden Kindern.
Maurício Garcías Frau Gregoria Serrano mit den beiden Kindern.

Bei Don Mauricio ist das gelungen. Heute erntet er dicke Kartoffeln, Mais, Gemüse, Äpfel. Genug, dass es zum Leben reicht, und so viel, dass er einen Teil davon sogar verkaufen kann. "Das hätte ich nie gedacht. Die Erde hier ist arm an Nährstoffen und wir hatten nicht die richtigen Methoden, wir wussten es einfach nicht besser." Den entscheidenden Weg wies dem Katecheten sein Glaube. Dadurch fand er den nötigen Mut, zwei Fremden und ihrem Projekt zu vertrauen.

Der deutsche Pfarrer Axel Gerling und der bolivianische Agrarökonom Ricardo Crespo Torrico begannen Anfang der 1990er-Jahre, in der Landpfarrei eine Pastoral im Einklang mit der Natur und ausgerichtet auf die Kultur und Bedürfnisse der Menschen aufzubauen. "Don Mauricio ließ sich als Erster darauf ein. Es war nicht einfach für ihn, er wurde beschimpft und angegriffen, die Menschen sind hier sehr misstrauisch", sagt Ricardo Crespo, der zum kleinen Seelsorger-Team der Pfarrei gehört.

Zusammen mit Don Mauricio legte er vor 30 Jahren Terrassenfelder an, bei denen das Regenwasser gefiltert und länger gespeichert wird – ausschlaggebend in der regenarmen Region. Die Technik war auch schon frühen indigenen Kulturen bekannt, ist jedoch verloren gegangen. Genauso wie die Kenntnisse über Mineralien und Mikronährstoffe, die reichlich in den Felsen vorhanden sind und guten Dünger abgeben. "Wir müssen dieses Wissen wiederherstellen", sagt Ricardo Crespo, der wie Don Mauricio Quechua-Indigener ist. "In Verbindung mit modernen Kenntnissen können wir viel erreichen. Aber immer auf Augenhöhe und ohne ein Abhängigkeitsverhältnis zu schaffen." Und ohne Agrargifte.

Zu dem kirchlichen Projekt, das von dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt wird, gehören auch Erntedank-Messen, seelsorgerische Beratung, Jugendkatechese, sowie das Pflanzen von Apfelbäumen, um die Ernährung reichhaltiger zu gestalten und ein zusätzliches Einkommen zu schaffen, denn Äpfel sind selten und beliebt. "Mir ist es wichtig, Menschen, Natur und Glauben gemeinsam zu stärken", sagt Ricardo Crespo. "Und ich sehe, dass es hier gelingt."

"Gott hat uns ein wunderschönes Haus gegeben"

Kardinal Pedro Barreto nach einer hl. Messe mit Gläubigen der Kirchengemeinde in La Oroya.
Kardinal Pedro Barreto nach einer hl. Messe mit Gläubigen der Kirchengemeinde in La Oroya.

Das wird in La Oroya noch etwas dauern. Aber auch Yolanda ist erleichtert. Seit das Werk geschlossen ist, ist Ruhe eingekehrt. Ihr selbst und ihrer lungenkranken Mutter geht es besser, die Sonne ist immer öfter zu sehen, kleine grüne Pflänzchen lugen zwischen den grauen Steinen hervor. "Die Natur hat eine große Fähigkeit, sich zu erholen. Es wird aber lange dauern und alle Schäden wiedergutzumachen, wird nicht möglich sein", sagt Kardinal Barreto, der auch für sein länderübergreifendes Engagement gegen die Zerstörung des Amazonasgebiets bekannt ist. Er ist Mitbegründer und Vize-Präsident des von dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützten Amazonas-Bündnisses Repam (Red Eclesial PanAmazónica). "Gott hat uns ein wunderschönes Haus gegeben mit allen Ressourcen, damit wir in Frieden darin leben können. Wir müssen uns nur darum kümmern."

Text: Christina Weise, Fotos: Martin Steffen (Adveniat)

Impressionen

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Gregoria Serrano, Bäuerin aus Tapacari in Bolivien, kocht das Mittagessen. Ihr Mann, Maurício García leistet ihr Gesellschaft.
Kinder im Dorf Tumuyu in Bolivien.
Kinder im Dorf Tumuyu in Bolivien.
Kinder im Dorf Tumuyu in Bolivien.
Kinder im Dorf Tumuyu in Bolivien.

Friedenskreuz 2020

Der Eichstätter Bildhauer Raphael Graf hat das "Friedenskreuz 2020" gestaltet. Es ist das Symbol für das gemeinsame Jahresthema Frieden der weltkirchlichen Dienststellen der 27 deutschen Diözesen, der Hilfswerke Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio Aachen und München, des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" sowie von Caritas international. Das etwa ein Meter hohe Kunstwerk zeigt eine Weltkugel, getragen von zwei geschmückten Ölzweigen, die die Idee des Friedens symbolisieren. Laut Mitteilung hat der Künstler die Oliven an den Ölzweigen einzeln von Hand aus Holz gedrechselt und mit Blattgold verziert. Um den Ölbaum spannt sich im oberen Teil ein stilisierter Globus aus Baustahl. An ihn schmiegen sich Kontinente, ebenfalls aus dünnem Seidenpapier. Das empfindliche Material verdeckt Teile des Ölbaums und soll für die Unerreichbarkeit von Frieden für manchen Menschen auf der Welt stehen. "Unsere Hoffnung ist, dass die Enden der Zweige diesen Käfig von Gewalt und Unterdrückung durchbrechen. Die wachsende Hoffnung ist auf allen Seiten voll sichtbar und bleibt Sieger", sagte Graf. Das Friedenskreuz wird in ganz Deutschland unterwegs sein und unter anderem bei den jeweiligen Auftakt- und Abschlussveranstaltungen der Jahresaktionen der Hilfswerke zu sehen sein.

Text: red, Foto: Adveniat

Adveniat-Weihnachtsaktion

Unter dem Motto "Friede! Mit Dir!" ruft das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat in der Vorweihnachtszeit zur Solidarität mit Mittel- und Südamerika auf. Die Spendenaktion der katholischen Hilfsorganisation wird am 1. Dezember mit einem Festgottesdienst in Freiburg eröffnet. Adveniat-Gast ist Kardinal Pedro Barreto (siehe Text oben).

Die rund um Weihnachten und in den Kollekten der Weihnachtsgottesdienste gesammelten Spenden fließen in Sozial-, Bildungs- und Friedensprojekte von Adveniat in Lateinamerika und in der Karibik. Die Adveniat-Eröffnung am ersten Adventssonntag ist zugleich Auftakt einer gemeinsamen Kampagne der katholischen Hilfswerke und der weltkirchlichen Dienststellen der 27 deutschen Bistümer. Diese haben erstmals ein gemeinsames Jahresthema für ihre Arbeit. Unter dem Leitwort "Frieden leben. Partner für die Eine Welt" wollen sie ein Zeichen für Frieden, Versöhnung, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Weltoffenheit, interreligiösen Dialog und Klimagerechtigkeit setzen.

Weitere Informationen zum gemeinsamen Jahresthema der Hilfswerke unter www.adveniat.de