Altöttinger Liebfrauenbote

Interview mit Fachhändlerin über Entwicklungen und Trends im Devotionalienhandel

"Für jeden Kunden brauche ich etwas anderes"

Kreuze, Kerzen, Rosenkränze, Madonnenstatuen, Kettenanhänger – Devotionalien gehören zu Wallfahrtsorten fest dazu. Überhaupt: In welcher (Groß-)Stadt gibt es noch Devotionalienläden? Diese findet man nur noch an Wallfahrtsorten. Welche Trends und Entwicklungen gibt es in diesem Bereich? Der "Bote" sprach mit der Altöttinger Devotionalienhändlerin Gabriele Gschwendtner, die gemeinsam mit ihren Geschwistern Ursula und Josef in dritter Generation einen Devotionalienladen und ein angrenzendes Café in Altötting führt.

Ob modern oder klassisch, für jeden ist etwas dabei: Devotionalienhändlerin Gabriele Gschwendtner präsentiert in ihrem Laden am Kapellplatz ein modernes Schieferkreuz und ein klassisches handgefertigtes "Eingrichtl" mit der Muttergottes von Altötting.
Ob modern oder klassisch, für jeden ist etwas dabei: Devotionalienhändlerin Gabriele Gschwendtner präsentiert in ihrem Laden am Kapellplatz ein modernes Schieferkreuz und ein klassisches handgefertigtes "Eingrichtl" mit der Muttergottes von Altötting.

Wer den Devotionalienladen der Familie Gschwendtner betritt, weiß erst einmal gar nicht, wo er überall hinsehen soll. Der Blick fällt auf viele Kreuze, Madonnenstatuen, Rosenkränze, Krippenfiguren, Ikonen, "Eingrichtl" (siehe weiter unten), Ketten, Medaillen, Kerzen, Ansichtskarten – keiner muss hier befürchten, mit leeren Händen rauszugehen. Gabriele Gschwendtner führt erst einmal ins angrenzende Café – ein gemütliches Plätzchen für das vereinbarte Interview.

Frau Gschwendtner, was haben Sie in Ihrem Laden eigentlich so alles im Angebot?
Gabriele Gschwendtner: Es ist ein sehr gemischtes Sortiment. Für jeden Kunden brauche ich etwas anderes. In meiner Stammkundschaft finden sich viele, die besondere Artikel suchen, die man sonst kaum findet, etwa Schnitzereien aus Südtirol. Pilger kaufen gerne Medaillen mit Heiligen – in Altötting natürlich gerne diejenigen mit der Muttergottes oder dem heiligen Bruder Konrad, aber auch Namenspatrone sind sehr gefragt. All die klassischen Wallfahrts-Mitbringsel habe ich nach wie vor, nur kann man sie nicht mehr so gut verkaufen wie noch vor 30 Jahren.

Manche empfinden traditionelle Devotionalien als kitschig. Was entgegnen Sie denen als Expertin?
Kitschiges verkaufe ich gar nicht so oft. Im Angebot habe ich viele wertvolle Artikel wie etwa einen Perlmutt-Rosenkranz oder Halbedelsteine oder handwerklich aufwändige Klosterarbeiten wie etwa "Eingrichtl" (Anm.: in einen Kastenrahmen eingefügte religiöse Arbeiten). Es gibt Kunden, die für manche Spezial-Anfertigung weit anreisen.

Welche Produkte wurden früher gekauft und lassen sich heute überhaupt nicht mehr verkaufen?
Vor allem die jüngeren Leute können mit klassischen Devotionalien wie Rosenkränze oder Madonnenstatuen nicht mehr viel anfangen. Die suchen eher z.B. nach Christophorus-Plaketten für ihr Auto. Kreuze werden nach wie vor gerne gekauft, nur sind heute modernere Materialien gefragt wie etwa Glas, Sandstein oder Schiefer. Bronze, ein Material das früher sehr beliebt war, wird kaum noch verlangt.

Wer sind denn eigentlich Ihre Kunden?
Meine Kundschaft besteht ziemlich genau zur einen Hälfte aus Stamm- und zur anderen Hälfte aus Laufkundschaft. Der Stamm besteht vor allem aus regelmäßigen Altötting-Pilgern, die genau wissen, was sie suchen, die auch mal etwas Besonderes wollen – oder die als alte Bekannte auch gerne mal so vorbeischauen, um "Hallo" zu sagen. Pilger, die etwa "nur" nach einer Kerze für die Gnadenkapelle suchen, kommen eher selten. Käufer aus Altötting und der näheren Umgebung kommen meistens nur zu besonderen Anlässen – etwa für einen Haussegen für ihre Hochzeit oder für Hinterglasbilder mit Namenspatronen für Taufen.

Aus welcher Altersgruppe kommen die Käufer?
Es sind alle Altersgruppen dabei. Mit den Buspilgergruppen kommen hauptsächlich ältere Leute. Viele der Fuß-Wallfahrer sind ja jünger und auch die gehen in die Läden am Kapellplatz.

"Auch wir spüren natürlich die gesellschaftlichen Veränderungen"

Der Laden der Familie Gschwendtner liegt am östlichen Eingang zum Kapellplatz mit schönem Blick auf die Gnadenkapelle, gleich daneben sind der Sitz der Marianischen Männerkongregation, der Platz Papst Benedikt XVI. und der Kongregationssaal. Die Lage ist gut, es sind dennoch kaum Kunden da an diesem Dienstagnachmittag. Wenn keine Buspilgergruppen kämen, laufe das Geschäft unter der Woche kaum, informiert Frau Gschwendtner. Am Wochenende sei mehr los und vor allem natürlich zu den Höhepunkten der Wallfahrtssaison wie etwa an Pfingsten, zu den Hochfesten oder im Advent.

Frau Gschwendtner, wie hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren entwickelt?
Auch wir spüren natürlich die gesellschaftlichen Veränderungen. Die klassischen Milieus lösen sich auf. Der Glaube wird nicht mehr so selbstverständlich gelebt wie früher. Aber auch das Pilger- und Reiseverhalten hat sich verändert. Die meisten Pilger bleiben nicht mehr lange am Wallfahrtsort. Auch viele der Buspilger halten sich hier oft nur eine oder zwei Stunden auf. Da bleibt nicht viel Zeit zum Einkaufen. Heute kommen außerdem nicht mehr nur Pilger, sondern auch viele Touristen und Privat-Reisende, die nur kurz Station in Altötting machen.

Immer mehr Menschen verlieren den Bezug zum traditionellen katholischen Glauben, nicht aber den zum Glauben und zur Spiritualität allgemein. Haben Sie auch ein Angebot für diejenigen, die religiös/spirituell auf der Suche sind oder die sich einfach nicht festlegen wollen?
Hier habe ich etwa sogenannte "Handschmeichler" – Produkte aus Metall, kleine Holzkreuze oder Halb-Edelsteine. Dinge, die man sich in die Hosentasche stecken und an denen man sich "festhalten" kann. Eben kleine Dinge, die beruhigend wirken. Doch Menschen auf der Suche nach spirituellem Halt empfehle ich gerne auch eine klassische Devotionalie wie den Rosenkranz. Auch einen Rosenkranz kann man sich in die Tasche stecken, sich daran "festhalten", ihn meditieren. Es kann sehr beruhigend sein, den Rosenkranz zu beten. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Gab es auch schon einmal Kunden mit außergewöhnlichen Wünschen, denen sie nicht weiterhelfen konnten?
Jemand wollte mal bei mir einen "Buddha" kaufen. Ich habe damals "Butter" verstanden und ihn zum nächsten Lebensmittelladen geschickt.

Haben Sie auch einen persönlichen "Lieblingsartikel" in Ihrem Laden?
Ja, zum Beispiel Repliken aus den Vatikanischen Museen – etwa ein kleiner vergoldeter Hausaltar aus Bronze, ein Weihbecken und eine Abendmahlsszene. Diese Produkte sind allerdings wirklich sehr wertvoll und auch vergleichsweise teuer. Ich mag außerdem holzgeschnitzte romanische Kreuze sehr gerne wie den sogenannten "Sigmaringer Christus".

Interview und Foto: Michael Glaß