Altöttinger Liebfrauenbote
Einzug der Fahnenabordnungen in die St. Anna-Basilika zum Festgottesdienst.
Einzug der Fahnenabordnungen in die St. Anna-Basilika zum Festgottesdienst.

Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation mit Abtprimas em. Notker Wolf

Nicht perfekt, aber heilig

Über 1.500 Besucher zählte das traditionelle Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation (MC) am 16. September. Der ehemalige Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, feierte mit den Sodalen den Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika und erklärte in seiner Predigt und bei der anschließenden Diskussion mit MC-Obmännern im Kongregationssaal, wieso die Kirche nicht glorreich, prunkvoll oder perfekt sein sollte, aber dennoch heilig ist.

Abtprimas em. Notker Wolf (l.) und MC-Präses Br. Georg Greimel gratulieren Sodalen zur Lebensweihe.
Abtprimas em. Notker Wolf (l.) und MC-Präses Br. Georg Greimel gratulieren Sodalen zur Lebensweihe.

Von einem dieser "besonderen Momente" sprach Notker Wolf, als er die Besucher begrüßte. Von "Momenten des Glaubens", die er bei seinen vielen Wallfahrten nach Altötting oft erlebt habe. Die Basilika war auch heuer wieder voll besetzt, über 50 Fahnenabordnungen zogen ein, zwölf Sodalen legten nach einjähriger Mitgliedschaft feierlich ihre Lebensweihe ab und die Altöttinger Hofmusik unter der Leitung von Karlmann Kanzler und die "Gebrüder Bernhart" gestalteten den Festgottesdienst am Vormittag gewohnt eindrucksvoll. MC-Präfekt Kapuzinerpater Br. Georg Greimel erinnerte, dass bereits die allererste Wallfahrt von Notker Wolf ins "Herz Bayerns" geführt habe, wie in dessen Buch "Wohin pilgern wir" nachzulesen ist. Doch so eine Wallfahrt kann auch anstrengend und steinig sein. Auch daran erinnerte der Prediger. Die Veröffentlichung von Ergebnissen einer Studie zur Aufarbeitung sexueller Gewalt in der katholischen Kirche überschatteten auch das Herbsthauptfest. Für Notker Wolf ein Grund für "Demut und Bescheidenheit", jedoch kein Grund, stehenzubleiben und aufzugeben: Auch in schwieriger Zeit müsse die Gemeinschaft der Kirche auf ihrem Pilgerweg bleiben: "Gehen wir miteinander diesen Weg in dieser unserer Zeit", ermunterte er die Sodalen.

"Das Christentum ist keine Eierkuchenharmonie und keine Idylle, sondern ernstes Leben"

Abtprimas em. Notker Wolf während seiner Predigt.
Abtprimas em. Notker Wolf während seiner Predigt.

"Das Christentum ist keine Eierkuchenharmonie und keine Idylle, sondern ernstes Leben", erklärte Notker Wolf an anderer Stelle. "Wir teilen unser Leben mit Menschen und mit der Kirche, die zurzeit schlecht dasteht."

Dass die Kirche "sündig" sei, ist nicht neu, wie der Prediger ausführte. Auch Jesu Jünger hätten bis zuletzt gehofft, Jesus würde ein "irdisches Königreich" errichten; Petrus habe Jesus "bis zuletzt für den großen militärischen Anführer gehalten, der sie von den Römern befreit". Eine "glorreiche und prunkvolle Kirche" auf Erden habe im Lauf der Geschichte oft die Köpfe von Christen beherrscht und schwebe auch heute noch so manchem vor. Doch Jesus habe nicht von einem Königreich auf Erden gesprochen, sondern von einem im Himmel; dreimal habe er seinen Jüngern sein Leiden am Kreuz prophezeit, doch diese hätten lieber darüber gestritten, wer an seiner Seite sitzen dürfe. Auch den Streit in der Kirche habe Jesus vorausgesagt, wie Notker Wolf mit Verweis auf das Evangelium über "Die Zeit der Entscheidung" (Lk 12, 49ff) feststellte.

Auch heute seien es nicht nur die Missbrauchsfälle, die die Kirche erschütterten, sondern auch der Streit in den eigenen Reihen. Einige wünschten gar, dass auch bei Päpsten "Köpfe rollen" wie in der Politik, kritisierte er. Die derzeitige Kampagne einiger reaktionärer Kreise innerhalb der Kirche gegen Papst Franziskus sprach Notker Wolf in seiner Predigt nicht direkt an, beim anschließenden Obmännertreffen nannte er aber den ehemaligen Apostolischen Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Viganò, beim Namen und geißelte dessen Rücktrittsforderung an Papst Franziskus als "Unverschämtheit". Notker Wolf erinnerte mit Blick auf die Missbrauchsfälle aber auch an die vielen "treuen Christen, Priester, Bischöfe", "die ihren Anstand bewahrt haben".

"Wer kennt heute überhaupt noch Jesus?"

Abtprimas em. Notker Wolf in der Basilika, links im Hintergrund MC-Präfekt Stefan Burghart.
Abtprimas em. Notker Wolf in der Basilika, links im Hintergrund MC-Präfekt Stefan Burghart.

Einen "großen Umbruch" prophezeite Notker Wolf der Kirche in seiner Predigt. Ein Umbruch, der nur mit Blick auf Jesus Christus funktionieren könne, wie er ausführte. "Für wen halten mich die Menschen?", zitierte er Jesu Frage an die Jünger im Tagesevangelium (Mk 8, 27-35) und fragte weiter: "Wer kennt heute überhaupt noch Jesus?" Notker Wolf gab einen Hinweis: "Wir brauchen ein Herz für die Armen und für die Menschen in Not", sagte er. Es sei diese "Grundhaltung, die uns mit Jesus verbindet". Jesus habe uns "kein rosiges Dasein" auf Erden vorausgesagt, aber "es stimmt froh, dass wir eins sein können mit ihm und teilhaben können an der Auferstehung". "Wir haben ein wunderbares Beispiel: die Gottesmutter Maria", erinnerte er. Sie habe "Ja" gesagt, ohne zu wissen, was auf sie zukommen werde. Die Sodalen rief er dazu auf, treu zu bleiben wie Maria und "miteinander zu beten für eine gute Zukunft der Kirche und für unser Land".

Kurz war die Krise in der Kirche auch Thema im Kongregationssaal, wo MC-Präses Br. Georg und MC-Präfekt Stefan Burghart die Obmänner der über 200 Ortsgruppen in der MC Altötting und als Gast den Festprediger Notker Wolf begrüßten. Letzterer nahm sich eine Stunde lang Zeit, um Fragen der Sodalen zu beantworten. Eine lautete, ob man heute überhaupt noch guten Gewissens das Apostolische Glaubensbekenntnis beten könne, wo von der "heiligen" katholischen Kirche die Rede ist. "Ja, weil der Hl. Geist in ihr wirkt", antwortete Notker Wolf ohne zu zögern. Menschen wollten immer das "Entweder-Oder", doch die Kirche sei "heilig und sündig zugleich". Heilig werden könnten auch die Menschen nicht allein aufgrund ihrer Werke, sondern nur durch das Wirken des Hl. Geistes, den Christen in der Taufe empfangen hätten.

"Wir als Kirche sind vom Hl. Geist geprägt"

MC-Sodalen mit einer Marienfahne.
MC-Sodalen mit einer Marienfahne.

"Heilig soll ich sein, aber ich muss nicht perfekt sein", sagte er auch an anderer Stelle, als er gefragt wurde, welche Ratschläge heute wohl der hl. Benedikt von Nursia den Gläubigen mit auf den Weg geben würde. Es sei grundfalsch, nach Perfektion zu streben, erklärte Notker Wolf; dies führe nur zu Extremen. Diese seien Benedikt jedoch abhold, er würde vielmehr auf "das rechte Maß" verweisen. "Benedikt würde sagen: genießt das Leben, aber bleibt vernünftig", stellte er fest. Dieses benediktinische Erbe habe auch das Land Bayern geprägt, wo die Grundregel gelte: "Leben und leben lassen; selbst leben und den anderen respektieren". Ein zweiter Ratschlag des Heiligen wäre: "Leute, nehmt's mal den Herrgott in eure Mitte", erklärte Notker Wolf. Der menschliche "Machbarkeitswahn" habe uns heute den Klimawandel beschert, stellte er fest und riet den Sodalen nicht zu vergessen, dass es über dem Menschen einen Gott gebe. "Seid euch bewusst, dass ihr keine Alleskönner seid", mahnte er.

Um die Zukunft der Kirche mache er sich insgesamt keine Sorgen, erklärte Notker Wolf, als er auf die Rolle der geistlichen Gemeinschaften und der Orden angesprochen wurde. Es gebe viele neue Bewegungen, die die Kirche heute prägten. "Wir sind kein Verein. Wir als Kirche sind vom Hl. Geist geprägt", stellte er außerdem fest.

Notker Wolf verwies auf lebendige Basisgemeinden, die er auf Haiti kennengelernt habe und die auch "ohne große Struktur" funktionierten. Er kritisierte die Zusammenlegung von Pfarreien in Deutschland und forderte stattdessen, den Laien mehr Verantwortung zu geben. "Es ist nicht so, dass alles an der Sonntagsmesse hängt", sagte er und forderte "mehr Fantasie". Auch als er auf die immer wieder gewünschte "Neuevangelisierung" angesprochen, kritisierte er "eine total bürokratisierte Kirche in Deutschland", von der sich insbesondere junge Leute nicht vereinnahmen lassen wollten. Das Gebot, den Glauben zu verkünden und zu bezeugen, gelte seit jeher, weshalb er selber nie von einer "Neu"-Evangelisierung spreche. Den Sodalen riet er, auf junge Leute zu hören und den Glauben offen anzusprechen.

Neugier und Spitzbübigkeit

Ministranten aus Malgersdorf mit dem MC-Obmann aus Malgersdorf, Franz-Xaver Guggenberger (r.), und MC-Sekretär Michael Reiser (l.).
Ministranten aus Malgersdorf mit dem MC-Obmann aus Malgersdorf, Franz-Xaver Guggenberger (r.), und MC-Sekretär Michael Reiser (l.).
Eucharistische Prozession; vorne Ministranten aus Malgersdorf.
Eucharistische Prozession; vorne Ministranten aus Malgersdorf.
Neuaufnahme, links MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses Br. Georg Greimel (M.).
Neuaufnahme, links MC-Präfekt Stefan Burghart und MC-Präses Br. Georg Greimel (M.).

Auch zur Erziehung und zur dominanten Rolle von Technik und Internet in der Gesellschaft wurde Notker Wolf befragt. "Das Handy einfach mal klingeln lassen", riet er den Sodalen unter anderem, insbesondere dann, wenn sie mit anderen im Gespräch seien, "denn der, der jetzt da ist, ist der Wichtigste". Selbst-Disziplin müsse Kindern und Jugendlichen eben nicht nur erklärt, sondern auch vorgelebt werden. "Vergessen Sie nie, die Erziehung der Kinder im Gebet mitzutragen", mahnte er außerdem. Für Kinder sei es wichtig zu wissen, dass sich auch Erwachsene vor einem Dritten, vor Gott, verantworten müssten. Er mahnte, in der Erziehung nicht zu viel Druck auszuüben, sondern stattdessen viel zuzuhören, um zu verstehen. Erwachsene könnten hierbei nur profitieren: Den Sodalen empfahl Notker Wolf die "Neugier eines 3-4-Jährigen und die Spitzbübigkeit eines 14-Jährigen", denn auch Erwachsene bräuchten "die Tugenden der jungen Menschen". Spitzbübigkeit, wie er sie heute selbst erlebt habe, wie Notker Wolf schmunzelnd erzählte. Als er die Ministranten in der Basilika mit einem freundlichen "Grüß Gott" begrüßt habe, "schallte" ein "Griaß di" zurück, und als er anschließend gelobt habe: "Guad habt's a's g'macht" sei ein "Du scho a'" zurückgekommen.

Die Ministranten bei der Festmesse am Vormittag kamen übrigens auch heuer wieder aus Malgersdorf. Mit am Altar waren MC-Präses Br. Georg und der Stiftskanoniker Johann Pfaffinger sowie die Diakone Georg Hifinger und Ulrich Bork (Hamburg). Am Gottesdienst nahmen u.a. teil der stellvertretender Landrat Stefan Jetz, Dritter Bürgermeister Konrad Heuwieser, MdB Stephan Mayer und MdL Martin Huber.

Der Altöttinger MC-Präses Br. Georg Greimel nahm bei der Neuaufnahmefeier am Nachmittag sieben neue Mitglieder auf. In seiner Predigt rief er u.a. dazu auf, den Glauben zu leben und weiterzugeben. Nach dem Gottesdienst fand traditionell die Eucharistische Prozession über den Kapellplatz mit Statio vor der Gnadenkapelle statt. Für die musikalische Gestaltung sorgten auch hier die Altöttinger Hofmusik unter der Leitung von Karlmann Kanzler und die "Gebrüder Bernhart".

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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