Altöttinger Liebfrauenbote

Treffen des "Freundeskreises Kapuzinergeschichte" in Altötting

"Die Wahrheit liegt im Archiv"

Seit 2014 gibt es den "Freundeskreis Kapuzinergeschichte" – ein Forum für Freunde der Kapuziner und ("Hobby")-Forscher. Das fünfte Treffen unter der Leitung der Kapuzinerprofessoren P. Leonhard Lehmann aus Rom und P. Jan Bernd Elpert aus München fand heuer vom 2. bis 6. September im Altöttinger St. Magdalenakloster statt.

Teilnehmer des Treffens des "Freundeskreises Kapuzinergeschichte" im Klostergarten von St. Magdalena in Altötting, mit dabei P. Leonhard Lehmann (2.v.r.) und P. Jan Bernd Elpert (3.v.r.).
Teilnehmer des Treffens des "Freundeskreises Kapuzinergeschichte" im Klostergarten von St. Magdalena in Altötting, mit dabei P. Leonhard Lehmann (2.v.r.) und P. Jan Bernd Elpert (3.v.r.).

"Die Wahrheit liegt im Archiv", sagt P. Leonhard Lehmann, als er vom missionarischen Wirken der Kapuziner in der Südsee (1904-1919) erzählt. Nachdem die deutschen Kapuziner nach dem Ende des I. Weltkrieges und somit auch dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft ausgewiesen worden waren, hätten sie auf Nachfrage stets "ganz diplomatisch" von einem friedlichen Ablauf gesprochen. Ein Blick ins Archiv aber zeigt: Ganz so friedlich sei das damals nicht vonstattengegangen, wie P. Leonhard berichtet. Vielmehr hätten die Kapuziner damals die bei der Ausweisung leider auch angewandte Gewalt bewusst verschwiegen, um später einmal leichter in ihre Gemeinden zurückkehren zu können. Daraus wurde jedoch nichts. Die Geschichte der Kapuziner in der Südsee und was aus den von ihnen gegründeten Kirchen und Gemeinden geworden ist, interessiert aber auch heute noch.

Nach wie vor haben die Kapuziner viele Missionen, etwa in Indonesien, Chile oder Mexiko. Die Missionsgeschichte ist ein Aspekt, der Historiker, Volkskundler u.a. in die Archive zieht. Viele Laien, die eine persönliche, familiäre oder lokale Affinität zu den Kapuzinern haben, forschen laut P. Leonhard und P. Jan Bernd auch zu bestimmten Kapuzinerpersönlichkeiten, zu einzelnen Klöstern oder zur Geschichte der Kapuziner allgemein; entstanden sind Biografien, Chroniken und Gesamtdarstellungen. Einer der "interessierten Laien" etwa ist Gregor Zumholz, der einen eigenen Freundeskreis zur Unterstützung des westfälischen Klosters Werne aufgebaut hat. Ziel des 2014 gegründeten "Freundeskreises Kapuzinergeschichte" ist es nun, all die ("Hobby")-Forscher und Kapuzinerfreunde miteinander zu vernetzen und ihnen ein Forum zum Austausch zu bieten. Jedes Jahr treffen sie sich in einem anderen deutschsprachigen Kapuzinerkloster; heuer war Altötting an der Reihe, wo auch die Idee zu diesem Freundeskreis geboren wurde, und zwar – wie sollte es anders sein – beim Besuch des Archivs im St. Magdalenakloster, wo seit dem Zusammenschluss der Bayerischen und der Rheinisch-Westfälischen zur Deutschen Kapuzinerprovinz im Jahr 2010 alle beide Provinz-Archive lagern. Dieses stellte Archivarin Dr. Carolin Weichselgartner den Teilnehmern vor.

Der heilige Bruder Konrad im Zentrum

Insgesamt 17 Teilnehmer – 15 aus dem gesamtdeutschen Raum, zwei aus Österreich – kamen nach Altötting. Die Themen der Vorträge und der Exkursionen waren vielfältig. In dessen Jubiläumsjahr erinnerte der Freundeskreis u.a. bei einem Gang nach St. Konrad und bei einem Ausflug an dessen Geburtsort nach Parzham an den heiligen Br. Konrad – der sich übrigens auch sehr für die Mission interessiert und ein Drittel seines Erbes vor seinem Eintritt ins Kloster dem Missionsverein überlassen hatte. Ein Referat von Willi Eisele beschäftigte sich etwa mit der Verehrung des hl. Fidelis von Sigmaringen in Süddeutschland – der hl. Fidelis war übrigens bis zur Heiligsprechung Br. Konrads (1934) der für immerhin fast 200 Jahre letzte heiliggesprochene Deutsche (1746). In Altötting besuchten die Teilnehmer u.a. auch die Dioramenschau im Gebäude des Altöttinger Marienwerkes. Ausflüge fanden statt u.a. zur Kapuzinerkirche in Burghausen, zum ehemaligen Noviziat in Laufen, zur "Stille-Nacht-Kapelle" nach Oberndorf und zur Gedenkstätte für den sel. Franz Jägerstätter nach St. Radegund, der auch Mitglied im III. Orden des hl. Franziskus war.

In Österreich wird übrigens das nächste Treffen des "Freundeskreises Kapuzinergeschichte" stattfinden und zwar in Innsbruck, wie P. Leonhard und P. Jan Bernd mitteilten. Thema wird voraussichtlich "Die Kapuziner im Nationalsozialismus" sein. Auch hierfür war das Treffen in Altötting ein guter Ausgangspunkt, stellte die Kirche doch den bescheidenen und menschenfreundlichen Br. Konrad bei seiner Heiligsprechung 1934 ganz bewusst der menschenverachtenden "Herrenmenschen"-Ideologie der Nationalsozialisten entgegen.

Text und Foto: Michael Glaß

Kontakt zum "Freundeskreis Kapuzinergeschichte" per E-Mail: altoetting@kapuziner.org