Altöttinger Liebfrauenbote

Die Marienkirche im südfranzösischen Rabastens ist 700 Jahre alt

Ein Ankerplatz auf dem Jakobsweg

Für die Pilger auf dem Jakobsweg vom französischen Le Puy Richtung Westen war sie einst wichtiger Halt. Heute nutzen die meisten Fernwanderer andere Routen auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Dabei hätte die Kirche Notre Dame du Bourg im südfranzösischen Rabastens, die inzwischen zu den kulturellen Welterbestätten gehört, durchaus eine Stippvisite verdient. Dieses Jahr nämlich ist das romanisch-gotische Gotteshaus mit seinen sehenswerten Fresken und Kapitellen 700 Jahre alt geworden.

Blick auf das Kloster und die Kirche Notre Dame du Bourg vom Innenhof aus.
Blick auf das Kloster und die Kirche Notre Dame du Bourg vom Innenhof aus.

Albi und Toulouse, die beiden Touristenmetropolen in Frankreichs Süden, verbindet eine Autobahn. An ihrem Rand liegt Rabastens, an das sich Richtung Gaillac große Rebflächen anschließen. Ausgesuchte Weine reifen dort Jahr für Jahr, die noch immer in die ganze Welt exportiert werden. Denn "être entre Gaillac et Rabastens ("Zwischen Gaillac und Rabastens zu sein"), bedeutet im Volksmund noch immer, des Weines höchste Seligkeit zu genießen, was gewöhnlich einem kleinen Rausch gleichkommt.

Kein Wunder, dass sich schon die Römer hier gern niederließen und am für seine Schluchten berühmten, aber nicht schiffbaren Fluß Tarn eine Siedlung gründeten. Mönche aus der Benediktinerabtei Moissac schließlich waren es, die schon im frühen Mittelalter in Rabastens ein Nebenkloster gründeten. Davon künden noch heute die acht einmaligen romanischen Kapitelle am Eingang der Kirche Notre-Dame du Bourg.

Einmalige Malereien

Das Fresko in der Kirche zeigt Christus als Weltenrichter mit den vier Evangelisten.
Das Fresko in der Kirche zeigt Christus als Weltenrichter mit den vier Evangelisten.
Dieses Fresko zeigt den Tod des hl. Martin.
Dieses Fresko zeigt den Tod des hl. Martin.
Beeindruckend auch die Kapitelle – hier eine Darstellung der Flucht aus Ägypten.
Beeindruckend auch die Kapitelle – hier eine Darstellung der Flucht aus Ägypten.

Sie zeigen Szenen aus der Bibel wie die Darstellung Jesu im Tempel, den Bethlehemitischen Kindermord, die Flucht nach Ägypten oder die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die an der Krippe mit Ochs und Esel Station machen. Auf das Jahr 180 haben Kunsthistoriker die in Stein gehauenen Szenen datiert. Von der romanischen Kirche aber ist sonst kaum noch etwas zu sehen. Denn weil sie zu den Hochburgen der Katharer zählte, brannte man ihre Mauern nieder. Schon im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts aber begann der Neubau, dessen Schlussstein man anno 1318 setzte. Dieses Jahr feiert Notre-Dame du Bourg deshalb 700jähriges Jubiläum.

Mitten in dem Städtchen mit seinen gut 5.000 Einwohnern ist das mächtige Gotteshaus nicht zu übersehen. Als Juwel aber zeigt es sich erst im Inneren mit seinen einmaligen Malereien. Die der Muttergottes geweihte Kirche war nämlich Jahrhunderte lang nicht nur wichtige Station auf dem Weg der Jakobspilger, sondern auch Schauplatz eines einmaligen Marienspektakels, das jährlich zum Fest Mariä Himmelfahrt die Massen lockte. 1286 setzte es eine Bruderschaft erstmals in Szene, bis es im 17. Jahrhundert schließlich verboten wurde. Überlebt hat das Mysterienspiel um die Marienkrönung dennoch im spanischen Elche, wo es noch jährlich aufgeführt wird und heute zum immateriellen Kulturerbe zählt.

In Rabastens ist so nur die Kulisse geblieben, eine bunte Welt des Glaubens mit zahllosen Zeugnissen mittelalterlicher Frömmigkeit. An Decken und Wänden nämlich zeigen sich Heilige und biblische Gestalten, finden sich Szenerien aus der Legenda Aurea, einem der mittelalterlichen Bestseller. Zu den größten Förderern des Kirchenausbaus gehörte der einer noblen südfranzösischen Familie entstammende Bérenger de Landore, den Papst Johannes XXII. Anfang des 14. Jahrhunderts zum Erzbischof von Santiago de Compostela ernannt hatte. Der Dominikaner hatte sich zum Ziel gesetzt, die Jakobspilger schon auf dem Weg nach Spanien mit dem Leben des Apostels Jakobus und anderen Glaubenszeugen vertraut zu machen, weshalb Rabastens Kirche besonders schön ausgemalt wurde.

Viele Kapellen rund um den Chor

Blick in den Chorraum mit den Kapellen in der Kirche Notre Dame du Bourg.
Blick in den Chorraum mit den Kapellen in der Kirche Notre Dame du Bourg.
Blick in die Jakobus-Kapelle.
Blick in die Jakobus-Kapelle.

Sehenswert sind besonders die zwischen 1374 und dem Ende des 15. Jahrhunderts erbauten Kapellen im Chor, die Religionskriege ebenso überstanden wie die französische Revolution. 1561 nämlich hatten protestantische Bilderstürmer die Kirche eingenommen und alle Statuen und beweglichen Gegenstände geraubt oder zerstört. 1583 übernahmen die Jesuiten von Toulouse das Gotteshaus, von deren Wirken noch heute die Anbauten an die Kirche zählen, in denen unter anderem das Rathaus seinen Sitz hat.

Nach schweren Beschädigungen während der französischen Revolution wurde die Kirche 1856 gründlichst renoviert. Dabei traten unter dem Putz die einmaligen Malereien wieder zutage, die man Ende des 16. Jahrhunderts aus Furcht vor weiteren Verwüstungen übertüncht hatte. Heute kann man sich an ihren Farben kaum satt sehen, gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Vor allem in den Kapellen rund um den Chor, wo sich die Jakobspilger bis heute im Gebet immer wieder Beistand von den Heiligen holen.

Eine eigene Seitenkapelle rückte zudem das Reiseziel ins Bewusstsein, wo bunte Szenerien an den in Santiago bestatteten Apostel Jakobus erinnern. Etwa an den Zauberer Hermogenes, der im mittelalterlichen Volksglauben den Prediger Jakobus der Lügen überführen wollte, am Ende aber alle seine Zauberbücher ins Meer warf. Ganze Kapellen sind zudem den Heiligen Augustinus und Martin gewidmet, der auch in Rabastens seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Und auch der Namenspatronin der Kirche, der Muttergottes, hat man eine eigene Kapelle gestiftet.

Text und Fotos: Günter Schenk

Impressionen

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Blick auf die Kirche.
Blick auf die Kirche.
Blick in den Chorumgang.
Blick in den Chorumgang.
Blick in die Martinskapelle.
Blick in die Martinskapelle.