Altöttinger Liebfrauenbote

Kardinal Walter Kasper in Altötting

"Glaubhaft ist nur die Liebe"

Ende August war der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper im Rahmen einer privaten Wallfahrt zu Besuch bei den Kapuzinern in Altötting. Bei einer hl. Messe in der St. Konradkirche am 28. August würdigte er Br. Konrad von Parzham als "Heiligen des Alltags"; mit Blick auf die Neuevangelisierung kritisierte er, wie Christen heute oft miteinander "umgehen" und erklärte, dass nur die Liebe "glaubhaft" sei.

Kardinal Walter Kasper während seiner Predigt in der St. Konradkirche am 28. August.
Kardinal Walter Kasper während seiner Predigt in der St. Konradkirche am 28. August.

Zuletzt war Kardinal Kasper im Mai 2015 offiziell in Altötting, als er am 1. Mai das Wallfahrtsjahr eröffnet hatte. "Hier zu sein ist jedes Mal ein Erlebnis besonderer Art", bekannte er am 28. August. Und auch der hl. Br. Konrad liege ihm besonders am Herzen, wie er sagte. Seine Mutter habe ihm in seiner Kindheit während des II. Weltkriegs von dem einfachen Klosterpförtner erzählt.

Wie könne es sein, dass dieser heute bekannter ist als viele Professoren, Bischöfe oder Kardinäle jener Tage, fragte Kardinal Kasper in seiner Predigt. Mit Blick auf Lesung (1 Kor 1, 18-30) und Evangelium (Mt 11, 25-30) stellte er fest, dass Jesus "die Maßstäbe, die in der Welt gelten, auf den Kopf gestellt" habe; Br. Konrad sei "ein solcher von Jesus seliggepriesener Heiliger". Kardinal Kasper verwies auch auf das heuer im März veröffentlichte Apostolische Schreiben von Papst Franziskus "über die Heiligkeit in der Welt von heute", in der er gerade die vielen "unscheinbaren Heiligen" hervorhebt, "die nebenan, ganz in unserer Nähe wohnen". Kardinal Kasper stellte fest: "Br. Konrad war ein solcher Heiliger des Alltags und darin ist er für uns Normalchristen ein Vorbild".

"Heilige des Alltags" und "Vorbild eines missionarischen Christen"

Am 29. August feierte Kardinal Walter Kasper eine hl. Messe in der Gnadenkapelle.
Am 29. August feierte Kardinal Walter Kasper eine hl. Messe in der Gnadenkapelle.

Drei Punkte betonte Kardinal Kasper in Bezug auf die Heiligkeit, zu der gemäß der Hl. Schrift alle Christen berufen seien. Erstens: "Ein Heiliger ist ein von Gott Geheiligter. Zum Heiligen kann man sich nicht machen. Bei Heiligen ist alles Gnade." Br. Konrad sei ein "Mann des Gebets" gewesen und habe so "in der ständigen Gegenwart Gottes" gelebt. Zweitens: "Weil alles Gnade ist, ist die Grundhaltung des Heiligen die Demut, die sich nicht zur Schau stellen will." Ein "liebenswürdiger stets zum Helfen bereiter Dienst" habe auch Br. Konrad ausgezeichnet; diesen wiederum könne jeder Christ in der Welt leisten. Und drittens: "Das Hauptgebot Jesu ist das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe" (Mk 12,28-34), stellte Kardinal Kasper fest. Br. Konrad habe als Pförtner eine "stressige Aufgabe" gehabt und dennoch immer geduldig den Menschen zugehört und sie aufgemuntert. Der Prediger zitierte Papst Benedikt XVI.: "Ohne große Worte hat Bruder Konrad durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als bloße Worte."

Zum Thema Neuevangelisierung Deutschlands und Europas merkte Kardinal Kasper an: Diese sei angesichts der Säkularisierung und Entchristlichung "bitter nötig". Diese geschehe jedoch "sicher nicht dadurch, dass wir andere andauernd kritisieren, über die böse Welt schimpfen, anderen die Schuld geben oder sie herabwürdigen, sie als Häretiker verdächtigen". Letzteres geschehe "gegenwärtig leider oft", stellte er fest und fügte hinzu: "Ich finde es schrecklich wie wir Christen heute oft miteinander umgehen. Wir können die Kirche und wir können Europa nicht durch die Drachensaat des Hasses und mit Polemik retten. Glaubhaft ist nur die Liebe. Die neue Evangelisierung geschieht vor allem im Alltag durch das demütige, fröhliche und liebenswürdige Zeugnis, das Gottes Liebe und Barmherzigkeit ausstrahlt."

Den hl. Br. Konrad würdigte Kardinal Kasper nicht nur als "Heiligen des Alltags", sondern auch als "Vorbild eines missionarischen Christen". Er resümierte: "Solche Christen mit Ausstrahlung brauchen wir. Solche Christen sollen wir sein."

Text: Michael Glaß, Fotos: Michael Glaß 1, Roswitha Dorfner 1