Altöttinger Liebfrauenbote

14. Poinger Pilgerritt

Hoch zu Ross, unter dem Kreuz

"Gott sei Dank ist alles gut gegangen" – Andreas Dümper und Manuela Gschliesser aus Peißenberg zeigten sich erleichtert, als sie am frühen Sonntagnachmittag, 26. August, ihre beiden Süddeutschen Kaltblüter "Ramon" und "Anke" absattelten und auf die Wiese beim Bauernhof der Familie Anzenberger führten. Für 16 Reiterinnen und Reiter, vorwiegend aus dem oberbayerischen und Baden Württembergischen Raum, und deren Rosse trugen sie die Verantwortung beim dreitägigen Pilgerritt von Poing nach Altötting. Die Statio machte deutlich, dass wer "hoch zu Ross" sitzt, unter dem Kreuz gut aufgehoben ist.

Einzug der Reiter in Altötting.
Einzug der Reiter in Altötting.

Es war heuer die 14. Auflage auf die etwas andere Art, nämlich "hoch zu Roß", zu pilgern. Das Team Dümper/Gschliesser leitete die Wallfahrt heuer zum zweiten Mal, übernommen hatten sie diese von Georg Kirchbichler. Dabei wurden um die 100 Kilometer zurückgelegt mit Übernachtungen in Brand bei Haag und in Taufkirchen. Unterwegs waren sie auf "normalen" Reitpferden sowie auf "schwereren Rassen" wie etwa Süddeutsche Kaltblüter und Haflinger, die eigentlich als Zug- und Arbeitspferde eingesetzt werden.

Mit dem Wetter waren die Teilnehmer trotz der relativ kühlen Temperaturen ganz zufrieden, bis auf den verregneten Samstag – aber dies sei für die Pferde immer noch besser gewesen als die Hitze zuvor, war das einstimmige Resümee.

"Die Liebe Christi mitgetragen"

Br. Jeremias Borgards erteilt den Segen am Kapellplatz.
Br. Jeremias Borgards erteilt den Segen am Kapellplatz.

Nach Ankunft an der Fabrikstraße wurden die Reiterinnen und Reiter von Kapuzinerpater Br. Jeremias Borgards zum Kapellplatz einbegleitet. Bei der kurzen Statio vor der Gnadenkapelle erinnerte Br. Jeremias zum einen an die Lesung vom Sonntag nach Josua, der seine Frage an die Stämme Israels gerichtet habe, ob sie den Göttern ihrer Väter oder dem Herrn dienen wollten. Außerdem zitierte er aus Wilhelm Hauffs "Reiters Morgenlied": "Gestern noch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust geschossen, morgen in das kühle Grab!" Ähnlich wie die Sonntagslesung richteten diese Verse die Frage an die Menschen: "Wo stehen wir im Leben?" Es sei durchaus gefährlich, wie Bruder Jeremias bemerkte, im sprichwörtlichen Sinn hoch zu Ross zu sitzen, um sich über andere zu erheben. An die Reiter/innen gewandt aber stellte er fest: "Ihr seid heute auch hoch zu Ross hierhergekommen, aber mit einer ganz anderen Blickrichtung." Ganz allgemein werde Reiten heute bevorzugt als Freizeitsport betrieben oder auch zu pädagogischen Zwecken genutzt; Pferde würden darüber hinaus auch immer häufiger in der ökologischen Waldarbeit eingesetzt. Auf das Vortragskreuz verweisend, in Händen von Franz Bosch auf seinem Achal-Thekkiner "Dzuzi", betonte Br. Jeremias: "Ihr habt mit dem Vortragskreuz, das Euch als Pilger auszeichnet, auch die Liebe Christi mitgetragen." Und so wünschte der Kapuziner den Reiterinnen und Reitern, "dass es Euch gelingen möge, selbst 'auf hohem Ross sitzend', die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen, gut und verantwortlich mit Gottes Schöpfung umzugehen und die Liebe Christi an Menschen und Tiere weiterzugeben".

Nach der Segnung von Rossen und Reitern und einer weiteren Umrundung der Gnadenkapelle wurde der Anzenbergische Bauernhof "angesteuert" – hier gab's Verköstigung für Mensch und Tier.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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