Altöttinger Liebfrauenbote

Diözesanwallfahrt München-Freising der katholischen Frauengemeinschaft (kfd)

Wo der Glaube zu Hause ist

Am 4. Oktober hatte die katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) München-Freising zur diesjährigen Diözesanwallfahrt in die St. Anna-Basilika nach Altötting eingeladen. Auf das Motto "Frieden.Heimat.Geben" - drei Worte mit Bedacht und bewusst ausgewählt, wie es die Diözesanvorsitzende Regina Braun in ihrer Begrüßungsansprache zum Ausdruck brachte – gingen in der Andacht am Vormittag Frau Dr. Hildegard Gosebrink, Leiterin der Landesstelle Frauenseelsorge Bayern, und beim Gottesdienst am Nachmittag der kfd-Präses P. Dr. Korbinian Linsemann OSB, St. Bonifaz München, näher ein.

Die kfd-Diözesanvorsitzende Regina Braun (r.) begrüßt u.a. den Hauptzelebranten P. Dr. Korbinian Linsemann OSB (3.v.l.).
Die kfd-Diözesanvorsitzende Regina Braun (r.) begrüßt u.a. den Hauptzelebranten P. Dr. Korbinian Linsemann OSB (3.v.l.).

Unter "Frieden" verstehen alle das gleiche, er sei "vom Menschen gemacht", wie es die Diözesanvorsitzende Regina Braun auf den Punkt brachte. Friede hänge vom Verhalten, von der mitmenschlichen Beziehung untereinander ab. Mit dem Wort "Heimat" sehe es anders aus; Regina Braun führte aus: für die einen sei Heimat, der Ort, "wo ich geboren und aufgewachsen bin", für andere der derzeitige Lebensmittelpunkt, "wo ich gerade mein Lebenszelt aufgeschlagen habe, wo ich Menschen um mich habe, die mich lieben". Im "Geben" stecke das christliche Gebot der Nächstenliebe, gerade für die Notleidenden dieser Welt. "Wo Frieden und Liebe ist, wo man Begegnungen Raum gibt, da findet jeder Heimat – wo einer für den anderen da ist, da ist der Glaube zu Hause, do san ma dahoam", resümierte Regina Braun.

"Wer gibt, wird reich"

Dr. Hildegard Gosebrink bei ihrem Vortrag.
Dr. Hildegard Gosebrink bei ihrem Vortrag.

Jesus sei auch heimatlos gewesen und in einer ganz und gar nicht friedlichen Zeit aufgewachsen, erklärte Dr. Hildegard Gosebrink mit Blick auf das Evangelium über "Die Flucht nach Ägypten" (Mt 2,13-15). Unter diesen Umständen habe sich auch für die Heilige Familie die Frage nach "Heimat" gestellt, stellte sie in ihrer Ansprache fest. "Ist Bayern meine Heimat", hinterfragte Gosebrink; sie selbst lebt seit 30 Jahren in Bayern, war zuvor aber am südlichen Niederrhein zuhause und dort regelmäßig nach Kevelaer und nicht nach Altötting gepilgert. Sei "Heimat" wirklich örtlich gebunden oder vielmehr in einem glücklichen Zustand zu finden, wenn ich von einem liebenden Menschen in den Arm genommen werde, fragte sie. Der Friede wiederum sei alles andere als selbstverständlich. Sie blickte nicht nur auf Konflikt- und Krisenherde der Welt wie etwa im "Heiligen Land", sondern auch auf Konflikte in den Familien, die "mit Waffen aus Worten in der Muttersprache ausgeführt werden, die wirklich treffen". Die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, bedeute nicht unmittelbar den Sieg, aber "einen Gewinn, der sich lohnt für Familie/Politik und Kirche", betonte die Rednerin. Das Allerweltswort "Geben" falle bei diesem Thema aus der Reihe, stellte Gosebrink fest und fügte hinzu: "Wer gibt, wird reich", klinge zwar paradox, "aber da ist was dran". Geben/Gabe sei verwandt mit dem Wort "Aufgabe". Erneut verwies sie auf das Evangelium: Josef sah im Auftrag des Engels seine Aufgabe, zum Schutz seiner Familie nach Ägypten zu fliehen. Dabei sei von Friede und Heimat keine Rede gewesen, auch nicht, wie die Geschichte ausgehe. Bekannt sei nur: Jesus habe in seinem irdischen Leben keine Familie gegründet, sei kein Mustersohn gewesen, habe sich sogar von Maria distanziert, um zu verdeutlichen: "Heimat ist nur bei Gott zu finden". Wenn wir hier auf Erden Heimatlose bleiben, dann gehöre dies zum Glauben und verbinde uns mit Jesus und seiner Mutter.

Beim nachmittäglichen Gottesdienst, gestaltet vom kfd-Chor "Stimmlagen" aus Höslwang, hinterfragte P. Korbinian Linsemann, ob Friede ohne Heimat oder Heimat ohne Frieden überhaupt möglich sei? Friede könne zwar auf vielfältige Weise erreicht werden, auch gewaltsam; ein Waffenstillstand am Ende eines Krieges sei ein "Frieden durch Erschöpfung". Und "friedlich" sei es nur auf Friedhöfen, denn "Tote können nicht mehr streiten". Aber Friede durch Gewalt sei nicht im Sinne Christi: Er habe seine Jünger ohne Hilfsmittel ausgesandt, das Wort Gottes zu verkünden. Er zitierte Jesu Worte aus dem Evangelium über "Die Aussendung der 72 Jünger" (Lk 10,1-16): "Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!" P. Korbinian Linsemann stellte fest:  Wenn die Liebe Gottes in unser Herz einziehe, "dann sind wir Heimat für Gott, geben Gott Heimat, dann wird der Friede Gottes in uns spürbar und erfahrbar". Gerade in der Diözesanwallfahrt zum Marienheiligtum Altötting werde uns bewusst: Maria, die Frau des Friedens, verweise und führe uns zu Jesus.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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