Altöttinger Liebfrauenbote

Auf Island leben 13.000 Katholiken – Sie leben ihren Glauben als Minderheit

Mit Feuer im Herzen

Am 4. November hat das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken im St. Petrus Dom in Osnabrück mit einem feierlichen Pontifikalamt die diesjährige Diaspora-Aktion eröffnet. "Unsere Identität: Christus bezeugen" lautet heuer das Leitwort. In der Diaspora, wo Christen als Minderheit unter Anders- und Nichtgläubigen leben, stellt sich die Frage nach der christlichen Identität in besonderer Weise. So auch im Gemeindezentrum Landakot im Norden von Reykjavík.

Kirchencafé im Gemeindezentrum Landakot mit Generalvikar Breen.
Kirchencafé im Gemeindezentrum Landakot mit Generalvikar Breen.
Kanzler Séra Jakob Rolland vor dem Dom.
Kanzler Séra Jakob Rolland vor dem Dom.

Tassengeklimper, eine angenehme Geräuschkulisse und ein wohliger Duft von Kaffee und frischem Gebäck erfüllen das Gemeindezentrum Landakot im Norden von Reykjavík. Eine Szenerie, die sich dort jeden Sonntag nach dem Gottesdienst in der katholischen Christ-König-Kathedrale abspielt. Das Kirchencafé ist fester Bestandteil des Gemeindelebens in der isländischen Hauptstadt, das unter Kennern auch als 8. Sakrament bezeichnet wird. Hier treffen sich Jung und Alt, Isländer, Deutsche, Filipinos, Litauer und Polen. Die Gemeinde ist jung, lebendig und international. Ein Sinnbild für die katholische Kirche, die sich auf Island in einer Minderheitensituation wiederfindet.

Von den rund 350.000 Einwohnern der Insel sind aktuell 13.000 Katholiken registriert. Für die Gläubigen stehen insgesamt dreizehn Priester zur Verfügung. Darunter befindet sich jedoch kein Isländer. Eine besondere Situation, "denn so spiegelt sich die Internationalität nicht nur unter den Gemeindemitgliedern, sondern auch bei den Geistlichen wider", verdeutlicht Kanzler Séra Jakob Rolland aus dem Bistum Reykjavík.

Gut besuchte Messen

Schlange stehen bei der polnischen Messe in der Kathedrale.
Schlange stehen bei der polnischen Messe in der Kathedrale.
Blick aus der Domkirche in Skálholt.
Blick aus der Domkirche in Skálholt.
Christ-König-Kathedrale in Reykjavík.
Christ-König-Kathedrale in Reykjavík.
Persönliches Gebet an der Marienstatue im Dom von Reykjavík.
Persönliches Gebet an der Marienstatue im Dom von Reykjavík.

Isländisch zu lernen ist für viele polnische und slowakische Priester keine Selbstverständlichkeit. Sie richten die Aufmerksamkeit auf ihre Landsleute und zelebrieren die Messen in ihrer jeweiligen Sprache. Dass sie gut besucht sind, steht außer Frage. Da reicht der Platz in der Christ-König-Kathedrale bei einer polnischen Messe nicht aus. Einige Gläubige feiern den Gottesdienst vor der Tür mit, sei es auch noch so kalt und stürmisch.

"Doch wir möchten, dass die Gemeinde zusammenwächst, dass sich die Polen integrieren, sowohl in der isländischen Gesellschaft als auch unter isländischen Katholiken, denn es ist auch eine enorme Chance für uns. Sie bringen eine äußerliche Frömmigkeit mit, die auch die Isländer fasziniert und anzieht", bekräftigt Séra Jakob. Doch damit dies funktioniere, sei es erforderlich, die isländische Sprache zu erlernen.

Unabhängig davon ist es für die wachsende katholische Gemeinschaft immer wieder herausfordernd, ihren Glauben angemessen zu leben, denn obwohl Island sich zu einem wohlhabenden Staat entwickelt hat, ist die katholische Kirche materiell arm. "Da reichen auch die 90 Euro, die der Staat jedem registrierten Katholiken pro Jahr zur Verfügung stellt, nicht aus", gibt Séra Jakob zu bedenken. Mit Blick auf den Unterhalt der Kirchen, Kapellen, Pfarrhäuser und Klöster entstehen hohe Kosten, denn auf Island setzen besonders die Witterungsverhältnisse den Gebäuden zu.

Umso wichtiger und notwendiger ist daher die Unterstützung des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, das den katholischen Christen auf der Insel im Nordatlantik seit 1974 helfend zur Seite steht. Sei es mit BONI-Bussen, um die weiten Strecken zum nächsten Gottesdienst oder zum Kommunionunterricht zurückzulegen oder bei der Anschaffung von Materialien für die Katechese, die zum Beispiel die Schwestern vom Orden "Die Dienerinnen unseres Herrn und der Jungfrau Maria von Matará", auch bekannt als die "Blauen Schwestern" in Stykkishólmur dringend benötigten. "Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Kinder schon von klein auf in ihrem Glauben gestärkt werden. So müssen wir auch alle Möglichkeiten nutzen, um sie zu erreichen, denn auf dem Stundenplan in der Schule ist ein entsprechender Religionsunterricht kein Thema", erzählt die 33-jährige Missionsschwester Sabiduria.

Das "Fransiskus Hotel"

Sr. Sabiduria und Sr. Birhen Ng Ngiti (v.l.).
Sr. Sabiduria und Sr. Birhen Ng Ngiti (v.l.).
Exerzitien-, Bildungs- und Gästehaus "Fransiskus Hotel" in Stykkishólmur.
Exerzitien-, Bildungs- und Gästehaus "Fransiskus Hotel" in Stykkishólmur.

Einen Ort für ihre Katechesearbeit finden die gebürtige Argentinierin und ihre philippinische Mitschwester Birhen Ng Ngiti im grundlegend saniertem Exerzitien-, Bildungs- und Gästehaus "Fransiskus Hotel", in dem auch ihr Konvent untergebracht ist. Dort gibt es  neben Priesterwohnungen und Gästezimmern einen funktional ausgestatteten Unterrichtsraum mit Lehrbüchern, Spielen und Heiligenbildern an den Wänden.

Das "Fransiskus Hotel" wurde mit fast zwei Millionen Euro vom Bonifatiuswerk und dem Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe finanziert. Es ist das einzige Haus dieser Art, das wie ein Leuchtturm in die isländische Diaspora strahlt. Zwischen der hauseigenen Gemeindekirche und dem nächstgelegenen katholischen Gotteshaus, dem Dom von Reykjavík, liegen 170 Kilometer.

"So ist das Gebäude ein bedeutendes Zentrum des Glaubens, das als Ort der Begegnung und des Austausches für die Katholiken in Island dient. Darüber hinaus trägt es eine große missionarische Chance in sich, denn Gäste aus aller Welt kommen hier mit dem Glauben und der katholischen Kirche in Berührung", erklärt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

Diese missionarische Chance wird in einer lebendigen und leidenschaftlichen Art von Schwester Sabiduria verkörpert. Wenn es das Wetter auf Island mal wieder nicht zulässt, mit den Kindern vor Ort zu arbeiten, dann wird kurzerhand der Computer genutzt und ganz unkompliziert per Skype (Anm.: Internet-Video-Telefondienst) unterrichtet, auch wenn ihr auf der anderen Bildschirmseite nur ein oder zwei Kinder gegenübersitzen. "Bevor ich 2013 nach Island gekommen bin, war ich in Tansania tätig. Dort habe ich mit sehr vielen Kindern in der Katechese gearbeitet und hier ist es nur eine Handvoll. Da habe ich nicht gesagt: 'Das mache ich nicht'. Nein, genau dafür bin ich hier, das ist mein Auftrag", sagt die junge Argentinierin voller Überzeugung.  Diese besonderen Bedingungen, die auf Island herrschen, bestärken die Ordensschwester in ihrem Handeln und Wirken.

So kommt es auch vor, dass sie abends in einem Restaurant in Stykkishólmur spontan ihre Gitarre auspackt und Lieder zu Ehren der Jungfrau Maria singt. Vom Glauben überzeugen, und das auf eine offene und unkomplizierte Art. Mit ihrem argentinischen Temperament und dem Feuer im Herzen wird sie auch zukünftig auf dieser steinigen und rauen Insel die Liebe zu Jesus Christus versprühen.

Text und Fotos: Theresa Meier

Diaspora-Sonntag

Plakat zum Diaspora-Sonntag.
Plakat zum Diaspora-Sonntag.

Als Christen sind wir aufgefordert, uns die Frage nach unserer eigenen Identität zu stellen. Dazu gehört eine ständige Vergewisserung im Glauben, indem wir unseren Glauben an den Auferstandenen durch Wort und Tat immer wieder neu bezeugen. Das Motiv zur Diaspora-Aktion 2018 zeigt daher eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig fragen: "Wem vertraust Du?" In dem sie miteinander über Gott ins Gespräch kommen, wird ihre Identität sichtbar.

Die Diaspora-Kollekte findet am Sonntag, 18. November, in allen Gottesdiensten (auch am Vorabend) statt. Die Verwendung der Kollekte ist ausschließlich für die Unterstützung der Diaspora bestimmt.

Text und Foto: red

Meditation

Sr. Sabiduria und Sr. Birhen Ng Ngiti singen für die Muttergottes am Wallfahrtsort Mariulind.
Sr. Sabiduria und Sr. Birhen Ng Ngiti singen für die Muttergottes am Wallfahrtsort Mariulind.

Zeugen gesucht

Zeugen gesucht.
Gefragt sind
Frauen und Männer,
die überzeugen,
weil sie überzeugt sind
von dem,
was sie verkünden.
Gefragt sind Menschen,
die das ausstrahlen,
was sie sagen und verkörpern,
wovon sie reden,
die einfach glaub-würdig sind.

Zeugen gesucht.
Gefragt sind
Frauen und Männer,
die Zeugnis geben
von der Hoffnung, die sie trägt,
vom Vertrauen, das sie prägt,
von der Sehnsucht,
die sie bewegt,
von Gott, der zu uns steht.

Zeugen gesucht,
so fing es an.
Damals in der
Apostelgeschichte.
So geht es weiter.
Heute in der Kirche.
So bleibt Gottes
Schöpferischer Geist
am Werk,
in und durch uns Menschen.

Text: Paul Weismantel, Foto: Theresa Meier