Altöttinger Liebfrauenbote

Bestatter Hubert Gassner beantwortet Fragen zum Beruf, zur Bestattungskultur und gibt Tipps zur Vorsorge

Keine Angst vor dem Tod

"Gestorben wird immer", sagt der Volksmund. Der Beruf des Bestatters ist krisensicher, aber nicht wirklich beliebt: "Bei uns kommt ja kaum jemand vorbei und klopft einfach mal an", stellt Hubert Gassner mit einem Augenzwinkern fest. Der Bestatter in der Altöttinger Filiale des traditionsreichen Unternehmens "Bestattungsinstitut Denk Trauerhilfe GmbH" (seit 1844) schildert im Gespräch mit dem "Altöttinger Liebfrauenboten", dass sein Beruf durchaus auch "schöne Seiten" hat, außerdem wie sich die Bestattungskultur verändert und er gibt Tipps zur Vorsorge. Das Thema "Tod" sieht er recht entspannt, denn er ist ihm selbst einmal nur knapp entgangen.

Die Bestatter Hubert Gassner (r.) und Norbert Nussrainer.
Die Bestatter Hubert Gassner (r.) und Norbert Nussrainer.

"Ich war ja schon fast auf der anderen Seite", stellt Hubert Gassner fest und erzählt von einem Herzinfarkt und einer Nahtoderfahrung, die seine Sicht auf das Leben um einige Fragen und Perspektiven erweitert hat. Angst vor dem Tod an sich hat er seitdem nicht mehr, wie er versichert. Er glaubt an ein Leben danach. Der Diplombraumeister und leidenschaftliche Kirchenorganist hatte viele Jahre die Klosterbrauerei in Au/Inn geführt, musste diese nach Erbstreitigkeiten aber aufgeben. Nach seinem Herzinfarkt orientierte er sich völlig neu und arbeitet nun seit dem Jahr 2011 als Bestatter für die Firma Denk. "Ich mag diesen Beruf, weil ich Menschen helfen kann", sagt er.

Natürlich gebe es auch belastende Fälle, die einem nicht so schnell aus dem Kopf gehen, gesteht Gassner. Etwa, wenn junge Menschen plötzlich aus dem Leben gerissen werden oder wenn Angehörige den Selbstmord eines geliebten Menschen verarbeiten müssen. Als Bestatter bekommt er Schock und Trauer hautnah mit. "Jeder Sterbefall ist einzigartig", sagt er. Mit jedem einzelnen Fall pietät- und respektvoll umzugehen, sieht er dann auch als die größte Herausforderung in seinem Beruf.

Dahinter bleibt die nicht weniger große Herausforderung, ganz allgemein für das Thema Tod zu sensibilisieren, denn es wird gerne verdrängt und aus der Wahrnehmung entrückt. Dass diese Entwicklung eher zunimmt, bestätigt auch Gassner im Gespräch. "Die meisten haben einfach Angst beim Thema Tod", erklärt er. Dies stellt er nicht nur in seinem Beruf fest, wo etwa Stellenausschreibungen vergleichsweise geringe Resonanz fänden, sondern auch im engsten Freundeskreis. Dort fänden es "die meisten zwar gut, was ich mache", aber niemand frage von sich aus mal nach seiner Arbeit.

Individuelle Befindlichkeiten wirken sich natürlich auch auf die Gesellschaft aus. Wenn ein Thema in den Hintergrund rückt, braucht es den Impuls von außen und tatsächlich gibt es zahlreiche Initiativen, die das Thema "Tod und Sterben" wieder mehr in den Blick rücken – Projekte zur attraktiveren Gestaltung von Friedhöfen etwa durch Blumenwiesen oder "Themen-Parcours" ebenso wie Initiativen, die Angehörige zusammenbringen: "Trauercafés" für den Austausch Angehöriger untereinander hält Gassner etwa für eine sehr hilfreiche Einrichtung. Sehr gut findet er auch, dass Gesellschaft und Politik mit der Errichtung von Hospizen und dem Ausbau der Palliativmedizin beim Thema Sterben reagieren und gestalten.

Immer mehr wünschen eine Urnenbestattung

Die Anzahl der Urnenbestattungen steigt. Im Bild betet ein Mann an einem Urnengrab.
Die Anzahl der Urnenbestattungen steigt. Im Bild betet ein Mann an einem Urnengrab.

Die Bestattungskultur wiederum richtet sich nach den individuellen Wünschen der Menschen und auch hier ändert sich laut Gassner viel. Das Verhältnis von Erd- zu Feuerbestattungen habe sich in den letzten zehn Jahren umgekehrt; rund 60% bevorzugten heute eine Urnenbestattung. Da immer mehr Angehörige kilometerweit auseinanderwohnen und Gräber nicht mehr selbst pflegen können, häufe sich auch die Anzahl der anonymen Bestattungen auf Feldern, in Wäldern oder zu See.

Der Abschied am "offenen Sarg" hingegen bleibt nach wie vor ein gerne angenommenes Angebot: "Rund die Hälfte der Angehörigen nutzt diese Möglichkeit, alle anderen möchten den Verstorbenen lieber so in Erinnerung behalten wie er war", verrät Hubert Gassner. Auch Grabbeigaben wie Bilder oder persönliche Gegenstände bleiben beliebt – hier gilt laut dem Bestatter die Regel: "Bei Erdbestattungen ist alles erlaubt, was verrottet, Leder und Plastik z.B. nicht. Bei Feuerbestattungen darf natürlich nichts Explosives beigegeben werden."

Auch bei der Organisation von Beerdigungen erhalten Angehörige Unterstützung von Bestattern wie Hubert Gassner. Für diese sei entscheidend, dass die letzten Dinge möglichst geräuschlos über die Bühne gingen, berichtet er. Die Bestatter wiederum wünschen sich, dass die Leute ihre letzten Dinge möglichst noch zu Lebzeiten regeln, doch die meisten "schieben das Thema Tod lieber hinaus so lange es geht", stellt Gassner fest. Dies sei keine so gute Idee, denn es könne manchmal auch plötzlich zu Ende gehen. "Unvorbereitete" Sterbefälle sind jedoch nicht zuletzt für die Angehörigen eine große Belastung, weiß der Experte. Gerade viele der zeitintensiven bürokratischen Angelegenheiten könne jeder noch zu Lebzeiten mit dem Bestatter besprechen, der diese dann im Todesfall regelt.

An die Vorsorge denken

Grab an einem Friedhof in Altötting.
Grab an einem Friedhof in Altötting.

Noch wichtiger ist laut Gassner die eigene Vorsorge im Sterbefall: jeder sollte möglichst früh rechtsverbindlich regeln wie etwa "der letzte Wille" im Falle der Geschäftsunfähigkeit oder der Wille gegenüber Ärzten (Patientenverfügung) lautet oder auch, wer im Notfall als Betreuer einspringen soll (Betreuungsverfügung). Bestatter könnten hierbei beraten und unterstützen.

Auch den "digitalen Nachlass" zu regeln, werde immer wichtiger, klärt Norbert Nussrainer auf. Der Leiter der Altöttinger Geschäftsstelle der Firma Denk erklärt: "Mit dem Erbe übernehmen Angehörige auch Internet-Verträge automatisch. Hier können wir über eine Partnerfirma das Internet über die E-Mail-Adresse des Verstorbenen nach bestehenden Konten durchforsten lassen." Manchmal gebe es auch positive Überraschungen und es bestehe noch ein Guthaben, erzählt Norbert Nussrainer.

Fest steht: Dem Tod kann niemand entkommen und es ist hilfreich, sich mit seinem eigenen Tod – spirituell, aber auch ganz praktisch – auseinanderzusetzen. Bestatter stehen für die praktischen Fragen beratend zur Seite und Bestattungsunternehmen mit entsprechenden Angeboten gibt es viele. Jeder kann sich dieses frei aussuchen, denn es besteht überall freie Bestatterwahl - man muss halt nur einmal irgendwo anklopfen und nachfragen.

Text: Michael Glaß, Fotos: Michael Glaß (1), Roswitha Dorfner (2)

Der Beruf des Bestatters

Der Dienstleistungsberuf des Bestatters umfasst mehrere Aufgaben. Dazu zählt – nach der Ausstellung einer Todesbescheinigung durch einen Arzt: die Überführung des Leichnams vom Sterbeort (vom Zuhause des Verstorbenen oder vom Krankenhaus/Altenheim oder von der Gerichtsmedizin; gegebenenfalls auch die Bergung eines Leichnams etwa nach Unfällen) in das Bestattungsinstitut. Dort kümmert sich das Bestattungsunternehmen um die hygienische Totenversorgung, die kosmetische Behandlung sowie um die Einkleidung des Verstorbenen und um die Einbettung in einen Sarg. Zu den Aufgaben des Bestatters zählt auch das Arrangement einer Bestattung mit einer kirchlichen oder weltlichen Trauerfeier sowie die Beisetzung von Sarg oder Urne. Außerdem unterstützt er Hinterbliebene bei Behördengängen, Überführungen und sonstigen Erledigungen. Er berät auch bei der Vorsorge im Todesfall (z.B. Patientenverfügung, etc., siehe auch Text oben). Seit 2003 ist der Beruf des Bestatters in Deutschland ein anerkannter Lehrberuf.

Text: red