Altöttinger Liebfrauenbote
Nach seiner Weihe spendete Neupriester Thomas Maria Schied mehrmals in Altötting den Primizsegen.
Nach seiner Weihe spendete Neupriester Thomas Maria Schied mehrmals in Altötting den Primizsegen.

Altötting: Kapuziner-Kardinal Seán Patrick O'Malley weihte Mitbruder Thomas Maria Schied zum Priester

Mit Menschen unterwegs sein

Die Priesterweihe ist traditionell ein besonders feierlicher Akt. Fast 40 Priester nahmen am 30. April in der Altöttinger St. Anna-Basilika den Kapuziner Thomas Maria Schied in ihre Gemeinschaft auf; die Weihe spendete der weltweit einzige Kapuziner-Kardinal Seán Patrick O'Malley, Erbischof von Boston (USA); insgesamt waren an die 40 Kapuzinerpatres und -brüder im Altarraum versammelt. Sowohl die Predigt des Kardinals als auch die Aussagen des Neupriesters verdeutlichten: die feierliche Zeremonie ist der Startschuss und die Ermutigung zu einem besonderen Weg – zu einem Weg, nahe bei Jesus und damit vor allem auch nahe bei den Menschen.

Br. Thomas Maria Schied.
Br. Thomas Maria Schied.

Der Weg des 45-jährigen gelernten Krankenpflegers aus Bruchweiler-Bärenbach in der Südwestpfalz führte nicht geradlinig zum Priestertum, nahe bei den Menschen aber war er auch zuvor schon. Über zehn Jahre hatte Thomas Maria Schied in seinem Beruf gearbeitet, ehe er sich dazu entschloss den Kapuzinern beizutreten. Wie er in einem Interview für die Website des Ordens schilderte, ist er aufgewachsen in einer Familie, in der "Religion nicht so eine große Rolle spielt". Über die Firmvorbereitung sei er zur Pfarrei gestoßen, eine Jugendwallfahrt nach Assisi, der später noch weitere Reisen in den Geburtsort des hl. Franziskus folgen sollten, hätten bei ihm die "Sehnsucht nach geistigem Leben" geweckt.

Schließlich klopfte er bei den Kapuzinern an und fühlte sich schnell wohl: die Mischung aus klösterlichem Leben und Gottsuche auf der einen sowie das ganz normale Arbeiten im Beruf und mit den Menschen außerhalb des Klosters auf der anderen Seite habe ihn überzeugt. "Ich will gemeinsam mit den Menschen unterwegs sein, auf gleicher Augenhöhe", formulierte Thomas Maria Schied im Interview seinen eigenen Anspruch als Seelsorger. "Für mich bedeutet Priestersein, dass man sich in Dienst nehmen lässt." Auch als Priester könne er auf seine Erfahrungen als Krankenpfleger bauen: "In vielen seelsorgerlichen Dingen sind sie mindestens so wichtig für mich wie mein Studium", erklärte er im Interview.

An der Seite der "Kleinen Christi"

Kardinal und Neupriester: Seán Patrick O'Malley und Thomas Maria Schied.
Kardinal und Neupriester: Seán Patrick O'Malley und Thomas Maria Schied.

Das sieht auch Kardinal O'Malley so: In seiner Predigt verglich er in Anlehnung an Worte von Papst Franziskus die Kirche mit einem "Feldlazarett Gottes", das einen Krankenpfleger sehr gut brauchen könne. Vor allem aber betonte er das Bild vom "Guten Hirten" und auch hierbei zitierte er einen Ausspruch des Papstes: zu Priestern hatte Franziskus gesagt, "dass der Hirte den Geruch der Schafe annehmen soll" – "Das sollte das Lieblingsparfüm jedes Kapuzinerpriesters sein. Dies ist die Art Hirtentum, zu der Christus Dich beruft", erklärte der Kardinal.

Die Herausforderungen in diesem Dienst sind vielfältig wie O'Malley ausführte: "Für Dich als Kapuzinerpriester werden die Kleinen Christi Deine besonderen Schutzbefohlenen und Freunde", stellte er fest mit Verweis auf Jesus, der sich vor allem um diejenigen gekümmert habe, "die am Rand der Gesellschaft leben, Blinde, Lahme, Bettler, Steuereintreiber, Prostituierte, und Leprakranke". Ein Priester müsse darüber hinaus "Lehrer und Katechet sein in unserer Zeit des religiösen Analphabetentums". Nicht der Erfolg der eigenen Arbeit dürfe dabei im Vordergrund stehen, sondern die eigene Opferbereitschaft. Erfolg sei "nicht der Name Gottes", zitierte er Martin Buber. Über allem stehe der Anspruch des Priesters, nicht für sich selbst, sondern für Jesus zu arbeiten: "Ein Priester muss jemand sein, der eine innige Beziehung zu Jesus hat, der ihn kennt, und der es gelernt hat, ihn zu lieben. Deshalb muss der Priester vor allem jemand sein, der betet, ein wahrhaft 'geistiger Mensch'", sagte der Kardinal. Außerdem mahnte er: "Mache nicht den Fehler des Esels, auf dem Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem ritt. Er dachte, die Hosannarufe und die Palmzweige seien zu seiner Ehre, aber sie waren zur Ehre Christi, den er auf seinem Rücken trug." Zur Bedeutung des Priestertums in heutiger Zeit erklärte O'Malley: "Wir leben in einer Welt, die nach Vergebung hungert, nach Sinn, und nach Verbundenheit mit Gott. Gott hat uns für diese großen Sehnsüchte das Mittel des Priestertums gegeben, im Beichtstuhl, in der Kanzel und am Altar."

Feierliche Weihe

Der Kandidat wird vorgestellt und aufgerufe, tritt vor den Kardinal und sagt "hier bin ich" - auf Latein "adsum".
Der Kandidat wird vorgestellt und aufgerufe, tritt vor den Kardinal und sagt "hier bin ich" - auf Latein "adsum".
Thomas Maria Schied legt sein Weiheversprechen ab.
Thomas Maria Schied legt sein Weiheversprechen ab.
Prostratio: Thomas Maria Schied legt sich ausgestreckt mit dem Gesicht zum Boden vor den Altar.
Prostratio: Thomas Maria Schied legt sich ausgestreckt mit dem Gesicht zum Boden vor den Altar.
Kardinal Seán Patrick O'Malley legt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände auf.
Kardinal Seán Patrick O'Malley legt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände auf.
Bischof em. Wilhelm Schraml legt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände auf.
Bischof em. Wilhelm Schraml legt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände auf.
Br. Marinus Parzinger, Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, legt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände auf.
Br. Marinus Parzinger, Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, legt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände auf.
Dem Neupriester Thomas Maria Schied werden die liturgischen Gewänder angelegt.
Dem Neupriester Thomas Maria Schied werden die liturgischen Gewänder angelegt.
Kardinal Seán Patrick O'Malley salbt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände mit Chrisam.
Kardinal Seán Patrick O'Malley salbt Neupriester Thomas Maria Schied die Hände mit Chrisam.
Kardinal Seán Patrick O'Malley überreicht Kelch und Hostienschale.
Kardinal Seán Patrick O'Malley überreicht Kelch und Hostienschale.
Umarmung als Friedensgruß mit Prälat Günther Mandl.
Umarmung als Friedensgruß mit Prälat Günther Mandl.
Umarmung als Friedesngruß mit Mitbruder Siegbert Mayer.
Umarmung als Friedesngruß mit Mitbruder Siegbert Mayer.
Neupriester Thomas Maria Schied feierte als Konzelebrant seine erste Eucharistie.
Neupriester Thomas Maria Schied feierte als Konzelebrant seine erste Eucharistie.

Dass ein Priester in seinem Dienst auf Unterstützung bauen kann, verdeutlichte die Weihezeremonie für Thomas Maria Schied ein Weg mit mehreren kleinen Schritten: zunächst zum Kardinal am Altarraum, der ihn dazu aufgerufen hatte, sein "Adsum – Ich bin bereit" zu sprechen. Dem Ruf folgt schließlich der eigentliche Akt mit Gelöbnis, Gebet und Weihe: der Kapuziner gab sein Weiheversprechen; er legte sich ausgestreckt mit dem Gesicht zu Boden vor den Altar, um zu zeigen, dass er sich in Gottes Hände begibt; nicht nur der Kardinal legte ihm bei der Weihe die Hände auf, sondern alle anwesenden, fast 40 Priester, darunter auch Bischof em. Wilhelm Schraml, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, Br. Marinus Parzinger, sowie Dr. Volker Malburg, Regens des Studienhauses St. Lambert in Lantershofen, wo Thomas Maria Schied studiert hatte; Kardinal O'Malley sprach das Weihegebet, dann wurden dem Kapuziner die liturgischen Gewänder angelegt und der Kardinal überreichte ihm Hostienschale und Kelch als Zeichen für seinen Auftrag, die Eucharistie zu feiern; mit einer abschließenden Umarmung als Friedensgruß besiegelte der Kardinal die Weihehandlung. Als Konzelebrant feierte Neupriester Thomas Maria Schied schließlich seine erste Eucharistie.

Der Weihe folgte ein Empfang für den Neupriester und alle Gäste der Feier im Klostergarten St. Konrad. Nun folgt für Thomas Maria Schied der Alltag, bzw. wie es Kardinal O'Malley in seiner Predigt formulierte: "Krempele die Ärmel hoch und mach' Dich an die Arbeit."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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