Altöttinger Liebfrauenbote

Kapuziner-Kardinal Seán Patrick O'Malley in Altötting:

Kapuzinerbruder und Pilger

Seán Patrick O'Malley ist nicht nur der einzige Kapuziner-Kardinal weltweit, sondern auch Leiter der Päpstlichen Kinderschutzkommission und Mitglied im Rat der neun Kardinäle (K9-Rat), die Papst Franziskus seit 2013 bei der Reform der Vatikanischen Kurie unterstützen. Nach Altötting aber kam er als "Kapuzinerbruder und Pilger", wie er auf einer Pressekonferenz am 30. April betonte. Dabei sprach er u.a. über den hl. Br. Konrad, den deutschen Ursprung der Kapuzinerprovinz in Pennsylvania, die Bedeutung der Marienverehrung, den Zölibat, aber auch über seine Aufgabe in Rom und wie es ist, dort mit Kardinal Reinhard Marx verwechselt zu werden.

Kardinal Seán Patrick O'Malley in Altötting.
Kardinal Seán Patrick O'Malley in Altötting.

Letzteres passiere ihm dann und wann, obwohl Kardinal Marx "doch viel wichtiger ist als ich", wie Kardinal O'Malley augenzwinkernd erzählte – der Münchner Erzbischof ist wie O'Malley Mitglied im K9-Rat. Wenn er in Rom ein "Guten Tag, Kardinal Marx" höre, nehme er diese Gelegenheit gerne wahr, um sein Deutsch zu üben. Beide hätten sie ja ähnliche Brillen, einen ähnlichen weißen Bart und nicht mehr allzu viele Haare auf dem Kopf, sagte O'Malley scherzhaft und fügte hinzu, dass er in solchen Momenten aber auch darüber nachdenke, ob er nicht besser ein wenig abnehmen sollte.

Kardinal O'Malleys Beziehung zur deutschen Kirche jedenfalls ist jenseits solcher Verwechslungen sehr viel enger als man es bei einem Erzbischof von Boston in den USA vermuten würde. Er ist Mitglied der Kapuzinerprovinz von Pennsylvania, die 1882 – während in Deutschland der sog. "Kulturkampf" tobte und daher auch viele Katholiken auswanderten – von bayerischen und rheinisch-westfälischen Kapuzinern gegründet wurde. Als der heute 73-Jährige in den 1960er-Jahren eintrat, sei die Provinz noch "sehr deutsch" gewesen, erzählte er. Nach wie vor werden dort viele deutsche Lieder gesungen. Heute sei die Provinz durch viele ethnische Gruppen, insbesondere durch hispanische Einwanderer, geprägt und reflektiere so "die Realität in den USA", erklärte O'Malley, der sich selbst vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren in Washington sehr in der Seelsorge und für die Unterstützung von spanisch-sprachigen Migranten eingesetzt hatte.

Marienverehrung: "ein wundervoller Weg, um die eigene Spiritualität zu vertiefen"

Kardinal Seán Patrick O'Malley segnet ein Kind auf dem Kapellplatz in Altötting. Neben ihm die Kapuzinerpatres Norbert Schlenker (l.) und Georg Greimel (r.).
Kardinal Seán Patrick O'Malley segnet ein Kind auf dem Kapellplatz in Altötting. Neben ihm die Kapuzinerpatres Norbert Schlenker (l.) und Georg Greimel (r.).

Ein wichtiger Bezugspunkt zu den "Hispanics", die mittlerweile die Hälfte der Katholiken in den USA ausmachten, sei nicht zuletzt die Marienverehrung, die in dieser Bevölkerungsgruppe eine große Rolle spiele. Ebenso wie für Kardinal O'Malley, der sich bewusst als Bischofs-Wahlspruch für die Stelle aus dem Johannesevangelium (Joh 2,5) über die Hochzeit in Kana – "Was er euch sagt, das tut" – entschieden hatte. Die Marienverehrung sei "ein wundervoller Weg, um die eigene Spiritualität zu vertiefen", betonte der Kardinal.

Hierbei sei auch der hl. Kapuzinerbruder Konrad ein Vorbild gewesen, der in der Kapuzinerprovinz in Pennsylvania eine wichtige Rolle spielt, wie Kardinal O'Malley erzählte. Dort beteten die Kapuziner jeden Dienstag zum hl. Klosterpförtner. Viele Bilder von ihm hingen dort "überall in unseren Häusern", eine 1977 in Denver/Colorado gegründete Provinz sei sogar nach ihm benannt worden. Br. Konrad sei ein sehr gutes Vorbild für das kontemplative Leben, ebenso für den Dienst der Kirche an der Seite der Armen, erklärte der Kardinal.

Auch über seine Aufgabe als Leiter der Päpstlichen Kinderschutzkommission (seit 2014) sprach Kardinal O'Malley. Viele Länder vor allem in Asien, Afrika und Südamerika stünden beim Thema Kinderschutz erst am Anfang, stellte er fest. Der Kommission gehe es also u.a. darum, insbesondere Bischöfe mit der Problematik zu konfrontieren. Wichtig sei, dass immer auch Opfer sexueller Gewalt zu Wort kommen. Die Kommission unterstütze auch bereits bewährte Verfahren, die Opfer zusammenführen und den Austausch und die gegenseitige Unterstützung fördern.

Kardinal Seán Patrick O'Malley neben einem Bild von Papst em. Benedikt XVI. im Altöttinger Rathaus.
Kardinal Seán Patrick O'Malley neben einem Bild von Papst em. Benedikt XVI. im Altöttinger Rathaus.

Als größte Herausforderung für die Kirche in der Zukunft nannte Kardinal O'Malley die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation. Daher sei er sehr froh, dass Papst Franziskus die Jugend zum Thema der nächsten Bischofssynode in Rom gemacht habe. Auf das Thema Priesternachwuchs angesprochen, sprach sich der Kardinal für die Beibehaltung des Zölibats aus. Dieser sei "ein Geschenk", sagte er u.a. auch mit Verweis auf Missionen; die ehelose Lebensform schenke Priestern etwa die Freiheit und Flexibilität, sich in anderen Ländern zu engagieren – die Kapuziner in den USA etwa gründeten Missionen in Puerto Rico und Papua-Neuguinea. Kardinal O'Malley räumte jedoch ein, dass "Einsamkeit der größte Feind des Zölibats" sei; es müsse mehr darüber nachgedacht werden, wie Priester in Gemeinschaften leben könnten.

Dass er in Altötting einen Kapuziner zum Priester weihen darf, freue ihn sehr, bekannte Kardinal O'Malley. Auf seine eigene Priesterweihe im August 1970 angesprochen, erinnerte er sich, dass er diese in der St. Augustine's Church in Pittsburgh feierte – in einem Nachbau der Kirche St. Benno in München – also auch hier gab es einen Bezug zu Bayern.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner