Altöttinger Liebfrauenbote
1. Mai in Altötting: Hunderte Gläubige geleiteten Unsere Liebe Frau von Altötting (Kopie) nach dem Pontifikalamt zurück zur Gnadenkapelle.
1. Mai in Altötting: Hunderte Gläubige geleiteten Unsere Liebe Frau von Altötting (Kopie) nach dem Pontifikalamt zurück zur Gnadenkapelle.

Pontifikalamt mit Kardinal Seán Patrick O’Malley zur Eröffnung der Wallfahrtssaison in Altötting am 1. Mai

"Hier ist die Liebe zu Maria kein Geheimnis"

Patrona Bavariae – es war ein würdiger Geleitzug für die Mutter Gottes an ihrem Festtag im Jubiläumsjahr des heiligen Bruders Konrad: zahlreiche Fahnenabordnungen, Priester, Ordensleute, Wallfahrtsrektor, Generalvikar, Domdekan, Landtagsabgeordneter, Landrat, Bürgermeister und natürlich der Ehrengast zur Eröffnung der Wallfahrtssaison 2018, Kardinal Seán Patrick O’Malley, begleiteten die Kopie des Gnadenbildes Unserer Lieben Frau am 1. Mai von der Gnadenkapelle zum Pontifikalamt in die Basilika St. Anna. "Lieber Bruder Kardinal", begrüßte Kirchenrektor P. Norbert Schlenker den hohen Gast aus Boston/USA, "es ist eine große Ehre und Freude, Sie heute hier zu haben!" Wer wäre auch besser geeignet, die Wallfahrtssaison im Jubiläumsjahr des hl. Br. Konrad zu eröffnen, als der einzige Kardinal aus den Reihen der Kapuziner?

Kardinal O'Malley während seiner Predigt in der St. Anna-Basilika – im Hintergrund das Gnadenbild.
Kardinal O'Malley während seiner Predigt in der St. Anna-Basilika – im Hintergrund das Gnadenbild.

Wir sind hier, um unsere Mutter zu besuchen, um sie zu sehen, wohl wissend, dass sie ihren Blick nie von uns nimmt". Mit diesen Worten leitete Kardinal O'Malley seine auf Deutsch gehaltene Festpredigt vor Tausenden Gläubigen in der Basilika ein. Jedes Mal, wenn er nach Europa komme, freue er sich die Flagge der Europäischen Union mit den zwölf Sternen auf blauem Grund zu sehen – für ihn ein "heimlicher Tribut an die christlichen Wurzeln Europas" trotz der säkularen Ideologie der EU. Denn die Flagge lehne sich in ihrer Gestaltung an die heutige 1. Lesung an: "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt." (Offenbarung 12,1) In Bayern hingegen sei die Liebe zu Maria kein Geheimnis: "Wir feiern heute das Fest Patrona Bavariae. Ganz besonders hier in Bayern wissen wir, wie wichtig uns Maria als Schutzpatronin ist. Dieses prächtige Gotteshaus und unsere heutige Messe bekunden die große Liebe der Bayern zur Mutter Gottes." Doch auch in seiner von bayerischen Kapuzinern gegründeten amerikanischen Ordensprovinz vergehe keine größere Feier, ohne dass die "schöne bayerische Hymne zu Ehren Marias", die Ultima, gesungen werde.

"Maria ist unsere Bundeslade, die uns auf unserer Pilgerreise begleitet"

Festlicher Gottesdienst mit zahlreichen Geistlichen und Tausenden Gläubigen in der Basilika St. Anna.
Festlicher Gottesdienst mit zahlreichen Geistlichen und Tausenden Gläubigen in der Basilika St. Anna.

Unter den vielen schönen Titeln Mariens in der Lauretanischen Litanei habe er immer ihre Anrufung als "Bundeslade" besonders geliebt. Die Bundeslade sei für das Volk Gottes ein kostbarer Schatz gewesen, der es ihm erlaubt habe, die Nähe Gottes zu erfahren. "Maria ist unsere Bundeslade, die uns auf unserer Pilgerreise begleitet, um uns zu Christus zu führen, und durch ihn nach Hause zu Gott. Sie ist nicht nur unsere Beschützerin und Fürsprecherin, sie ist ein Vorbild und Beispiel für ein Leben in treuer Anhängerschaft", so Kardinal O'Malley, und weiter: "Als Gott an das Tor der Menschheit klopfte, öffnete Maria dieses Tor in unserem Namen und erlaubte Gott in unsere menschliche Familie einzutreten. Das Wort hat Fleisch angenommen und hat unter uns gewohnt. Deshalb ist dies das erste Geheimnis des Rosenkranzes: Maria sagt 'Ja' und Gott kommt, um unter uns zu leben." Und wir Christen seien Menschen des "Ja" – ja zum Leben, zur Liebe, zur Gemeinschaft, zum Kreuz.

"Lassen Sie uns 'Ja' sagen zur liebevollen Barmherzigkeit Gottes"

Eucharistiefeier.
Eucharistiefeier.

Mit Blick auf das Tagesevangelium der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-12), erläuterte der Festprediger, das Wunder von Kana verkünde auch das mütterliche Herz Marias und ihre Barmherzigkeit. Denn das erste Wunder Jesu – die Wandlung von Wasser in Wein – sei in der Tat ein Werk der Barmherzigkeit. Maria wollte den Durstigen zu trinken geben. Sie habe Barmherzigkeit gezeigt für das junge Ehepaar, indem sie ihm und ihren Gästen etwas zu trinken gab. Mindestens genauso wichtig sei es aber auch, dass Maria das Paar vor der Scham und Erniedrigung bewahrt habe, die das Scheitern der wichtigen Aufgabe der Gastfreundschaft sonst gebracht hätte.

"Es ist deshalb sehr passend, dass die Gnadenkirche Marias hier in Altötting ein Haus der Barmherzigkeit ist", bekräftigte O'Malley. Abschließend lud er alle Gläubigen ein, das Jubiläumsjahr anlässlich des 200. Geburtstags "unseres geliebten Bruders Konrad" zum Anlass zu nehmen, "unseren gemeinsamen Glauben zu erneuern und zu vertiefen". Wie Bruder Konrad könnten auch wir, als Nachkommen Marias, Ja sagen zu Gott, "indem wir uns selbst aufopfern, indem wir Werke der Barmherzigkeit begehen, und indem wir Licht und Freude in eine dunkle Welt voller Schmerz und Zwietracht bringen. Lassen Sie uns 'Ja' sagen zur liebevollen Barmherzigkeit Gottes und mit Freude das tun, was Christus uns sagt."

Aussendung der Pilgerbetreuer

Generalvikar Klaus Metzl (2.v.l.) überreichte den neuen Pilgerbetreuern ihre Ernennungsurkunden (l. Prälat Günther Mandl, r. P. Norbert Schlenker).
Generalvikar Klaus Metzl (2.v.l.) überreichte den neuen Pilgerbetreuern ihre Ernennungsurkunden (l. Prälat Günther Mandl, r. P. Norbert Schlenker).

Im Anschluss an die Festpredigt überreichte Generalvikar Klaus Metzl den 14 neuen Pilgerbetreuern ihre Ernennungsurkunden. Die Pilgerbetreuer leisteten einen wichtigen Beitrag zur Willkommenskultur und Neuevangelisierung am Gnadenort, wie Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl betonte. Gabriele Winkler, für die Pilgerbetreuer zuständige Mitarbeiterin der Bischöflichen Kapelladministration, ernannte Generalvikar Metzl dann zum Pilgerbetreuer ehrenhalber und überreichte ihm eine der blauen "Dienstjacken" – was Metzl mit Humor quittierte. Nach dem Schlusssegen dankte Prälat Mandl allen beteiligten, allen voran Kardinal O'Malley sowie dem Chor und Orchester der Kapellstiftung für die festliche musikalische Gestaltung des Pontifikalamts zur offiziellen Eröffnung der Wallfahrtssaison. Mit dem stets neu anrührenden Lied "Segne du, Maria" geleiteten Geistlichkeit, Ehrengäste und Gläubige die Gnadenbildkopie Unserer Lieben Frau dann zurück zu ihrer Heimstatt, der Gnadenkapelle.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Altötting

Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Altötting blicken Generalvikar Klaus Metzl (r.) und P. Norbert Schlenker (M.) Kardinal Seán Patrick O'Malley über die Schulter.
Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Altötting blicken Generalvikar Klaus Metzl (r.) und P. Norbert Schlenker (M.) Kardinal Seán Patrick O'Malley über die Schulter.
Eintrag ins Goldene Buch (v.l.): Domkapitular Hans Bauernfeind, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Dekan Heribert Schauer, MdL Martin Huber, Bürgermeister Herbert Hofaier, Kardinal Seán Patrick O'Malley, stellv. Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker, Generalvikar Klaus Metzl, Kapuziner-Provinzial Marinuns Parzinger.
Eintrag ins Goldene Buch (v.l.): Domkapitular Hans Bauernfeind, Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Dekan Heribert Schauer, MdL Martin Huber, Bürgermeister Herbert Hofauer, Kardinal Seán Patrick O'Malley, stellv. Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker, Generalvikar Klaus Metzl, Kapuziner-Provinzial Marinuns Parzinger.

Nach dem feierlichen Pontifikalamt am 1. Mai zur Eröffnung der Wallfahrtssaison 2018 war der Ehrengast, Seán Patrick O'Malley aus Boston – einziger Kardinal im Kapuzinerorden – in den großen Sitzungssaal des Altöttinger Rathauses geladen, um sich in das Goldene Buch der Wallfahrtsstadt einzutragen. Erster Bürgermeister Herbert Hofauer drückte dem Gast seine Bewunderung dafür aus, in höchste Höhen des Vatikans aufgestiegen zu sein (O'Malley gehört dem Kardinalsrat, dem engsten Beratergremium von Papst Franziskus für den Umbau der Kurie an) und dennoch zu sprechen und zu wirken wie ein Kapuzinerbruder. Das Stadtoberhaupt dankte ihm für die Eröffnung der Wallfahrtssaison und für eine "echte Kapuzinerpredigt". Als Geschenk überreichte Hofauer dem Kardinal Altöttinger Wetterkerzen, einen Bildband über den Gnadenort – und einen Bierkrug mit Altöttinger Motiven. Letzterer fand großen Anklang auch unter den Begleitern des hohen Gastes, die sich später dann noch beim Graminger Maibaum-Aufstellen in bayerisches Brauchtum einführen ließen.

Generalvikar Klaus Metzl überbrachte die herzlichen Grüße von Diözesanbischof Stefan Oster, der am 1. Mai den Festgottesdienst in Parzham, dem Geburtsort Bruder Konrads leitete und daher nicht vor Ort sein konnte.

Kardinal O'Malley bedankte sich für die große Gastfreundschaft "an diesem ganz besonderen Ort". Mit einem Augenzwinkern merkte er an, dass wir alle heute in Pennsylvania feiern würden, falls Bruder Konrads Angebot damals angenommen worden wäre, als Missionar in die kurz zuvor gegründete amerikanische Provinz zu gehen.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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