Altöttinger Liebfrauenbote

10. Bauernwallfahrt nach Altötting – Indischer Bischof Lumen Monteiro zu Gast

"Mutig nach vorne schauen"

Jubiläum in Altötting: Zum zehnten Mal fand am 18. März die Bauernwallfahrt ins "Herz Bayerns" statt. Unter dem Motto "Die Welt Fair-ändern" mahnten die Pilger einen verantwortungsbewussten Umgang mit Gottes Schöpfung an. Der indische Bischof Lumen Monteiro, der im Rahmen der traditionellen Fastenaktion als Gast des Hilfswerks Misereor in Deutschland weilte, zelebrierte den Gottesdienst in der St. Anna-Basilika. Pfr. Michael Witti rief die Landwirte in seiner Predigt dazu auf, trotz all der Sorgen und Herausforderungen mutig nach vorne zu schauen.

Prälat Günther Mandl segnet Tiere und Pilger; rechts neben ihm Bischof Lumen Monteiro und Pfr. Michael Witti; links im Vordergrund Wallfahrtsorganisator Andreas Remmelberger.
Prälat Günther Mandl segnet Tiere und Pilger; rechts neben ihm Bischof Lumen Monteiro und Pfr. Michael Witti; links im Vordergrund Wallfahrtsorganisator Andreas Remmelberger.
Votivtafel für die Bauernwallfahrt an der Altöttinger Gnadenkapelle.
Votivtafel für die Bauernwallfahrt an der Altöttinger Gnadenkapelle.

Konkret war es heuer die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest, die – neben der traditionellen Bitte um Schutz und Segen für die Tiere – viele Landwirte zur Wallfahrt nach Altötting animierte. Derartige konkrete Sorgen sind nicht neu, nur die Art der Bedrohung ändert sich: bei der ersten Wallfahrt vor neun Jahren grassierte die Blauzungenkrankheit.

Sorgen, die die Pilger zur Muttergottes mitbrachten. Vor der Gnadenkapelle beteten die Pilger gemeinsam mit Bischof Monteiro und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl; die beiden segneten schließlich die mitgebrachten Tiere und Kräuter auf dem Kapellplatz. Ein plötzlicher Wintereinbruch überschattete die diesjährige Wallfahrt, viele Pilger kamen trotzdem und brachten u.a. Schafe, Kälber, zwei Alpakas und einen Ochsen mit. Bei "winterlichen Temperaturen, aber mit warmem Herzen" seien die Pilger hier versammelt, stellte Prälat Mandl fest. "Zu kalt für zu lange Reden", fand es Bischof Monteiro an diesem Tag. In einer kurzen Ansprache rief der Bischof der Diözese Agartala in Nordostindien und Vorsitzende der Caritas Indien mit Verweis auf die "Unweltenzyklika" von Papst Franziskus, "Laudato si", dazu auf, Gottes Schöpfung zu achten.

Positives Beispiel aus Dänemark

Hauptzelebrant Bischof Lumen Monteiro (M.) und Prediger Pfr. Michael Witti (l.) in der Basilika.
Hauptzelebrant Bischof Lumen Monteiro (M.) und Prediger Pfr. Michael Witti (l.) in der Basilika.

Dieses Anliegen teilt er mit Prediger Michael Witti, Pfarrer im Pfarrverband Feichten im Landkreis Altötting. Die Erde sei "unser aller gottgeschenkte Heimat" und gerade auch Christen seien aufgerufen, sich mit "mit Kopf, Herz und Hand" für diese einzusetzen. Als "Respektlosigkeit" nicht nur gegenüber Pflanzen, Tieren und Menschen, sondern auch gegenüber Gott selbst geißelte er die Verschwendung von Lebensmitteln. Ein Drittel "aller einwandfrei genießbaren Lebensmittel" landeten etwa auf dem Gebiet der Europäischen Union auf dem Müll; hauptverantwortlich für diese Verschwendung seien vor allem private Haushalte.

Als positives Beispiel stellte er die Dänin Selina Juul vor, die via Facebook im Internet praktische Tipps gibt: "Wenn du keine Zeit für eine Einkaufsliste hast, fotografiere am Morgen den Inhalt deines Kühlschranks, und du wirst abends nicht mehr so viel Sinnloses kaufen", laute einer dieser Ratschläge; oder ein anderer: "Nimm statt eines großen Einkaufswagens einen kleinen Einkaufskorb und du kaufst bewusster und weniger". Durch solche und ähnliche private Initiativen sei in Dänemark die Verschwendung von Lebensmitteln in nur fünf Jahren um 25 Prozent gesunken, informierte Pfr. Witti.

"Hört in Euch hinein und lasst Gottes Geist wirken"

Die Pilger ziehen zur Gnadenkapelle, mit dabei ihre Tiere; ganz vorne der Ochse Lasse.
Die Pilger ziehen zur Gnadenkapelle, mit dabei ihre Tiere; ganz vorne der Ochse Lasse.

Der Prediger sprach auch die stetig wachsenden Herausforderungen der Landwirte an: den Kampf um gerechte Preise, um Grund und Boden, gegen die Abhängigkeit internationaler Großkonzerne und nicht zuletzt gegen die "Geiz ist geil"-Mentalität vieler Verbraucher, "die lieber im Supermarkt zu Billigprodukten aus industrieller Landwirtschaft greifen".

Pfr. Witti mahnte dennoch Zuversicht an und appellierte mit Verweis auf die Lesung zum Fünften Fastensonntag (Jer 31, 31-34): "Hört in Euch hinein und lasst Gottes Geist wirken. ER hat auch Euch alle mit Kreativität, Kraft und Fantasie begabt, damit auch Ihr hier bei uns – gemeinsam mit vielen anderen – den Menschen wieder den Wert unseres täglichen Brotes zeigt,  (...) damit Ihr den Wert dessen erfahrbar macht, wovon wir alle leben." Ausdrücklich lobte er kreative Initiativen wie den "Tag des offenen Hofes" oder etwa Frühstücke für Grundschüler, um diesen Herkunft und Wert der Lebensmittel ganz praktisch näherzubringen.

Hoffnung für die Zukunft

Eine junge Pilgerin mit einem der Alpakas.
Eine junge Pilgerin mit einem der Alpakas.

Am Ende seiner Predigt ermunterte Pfr. Witti die Landwirte zu Hoffnung, konkret zur Hoffnung auf Jesus Christus, denn "ER ist es, den Maria uns hier in Altötting als Gottes Mensch gewordene Liebe zeigt – ER ist es, der Euch allen so viel Kraft und Fantasie geschenkt hat, dass Ihr Bäuerinnen und Bauern – gemeinsam mit uns allen – immer wieder im Kleinen hoffnungsvoll Neues wagen dürft". Mit Jesus an ihrer Seite könnten auch die Landwirte "mutig nach vorne schauen". Ein Lied von Dom Hélder Câmara, ein "Bischof, der nah bei den Menschen war und ein großer Theologe der Befreiung", wie ihn Pfr. Witti vorstellte, schloss die Predigt ab; der Text lautet: "Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn, der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Träumt unsern Traum!"

Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes und der Segnung vor der Gnadenkapelle sorgten der Singkreis Asten und die Blasmusik der Bauernwallfahrt. Anschließend lud der Veranstalter der Wallfahrt, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. Bayern (AbL), zu einem Vortrag von Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender vom BUND Naturschutz in Bayern e.V., zum Thema "Für eine bäuerliche, umweltverträgliche und faire Landwirtschaft – hier und weltweit".

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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