Altöttinger Liebfrauenbote

Frühjahrshauptfest der Marianischen Männerkongregation mit dem Salzburger Erzbischof Dr. Franz Lackner

Mit dem Glauben ernst machen

"Es braucht Männer, die mit dem Glauben ernst machen, um sich durch die Lebensweihe nach dem Vorbild Mariens ganz Gott hinzugeben", stellte Erzbischof Franz Lackner fest. Der Salzburger Oberhirte zelebrierte am 11. März in der St. Anna-Basilika den feierlichen Pontifikalgottesdienst beim traditionellen Frühjahrshauptfest der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC). Rund 1.500 MC-Sodalen kamen auch dieses Jahr in den Wallfahrtsort, um ihren Glauben zu demonstrieren.

Mit zahlreichen Fahnenabordnungen kamen die MC-Sodalen zum Frühjahrshauptfest nach Altötting. Im Bild ziehen sie in einer Eucharistischen Prozession zur Gnadenkapelle.
Mit zahlreichen Fahnenabordnungen kamen die MC-Sodalen zum Frühjahrshauptfest nach Altötting. Im Bild ziehen sie in einer Eucharistischen Prozession zur Gnadenkapelle.

Der Salzburger Erzbischof, den MC-Präses, Kapuzinerpater Br. Georg Greimel, ob seiner franziskanischen Ordensmitgliedschaft als "lieben Bruder Franz" herzlich willkommen hieß, bezeichnete es als "große Freude, mit Euch Sodalen feiern zu dürfen". Gerade in heutiger Zeit sei es wichtiger denn je, öffentlich seinen Glauben zu bezeugen und wie der hl. Bruder Konrad zu beten und zu bitten. Erzbischof Lackner, der, wie er bekannte, die MC in dieser Form nicht kannte, hatte über die größte kirchliche Männergemeinschaft in Bayern nachrecherchiert und blickte nun in seiner Predigt auf die Gründung der MC vor über 400 Jahren zurück: Nach der Zeit der Reformation und den Glaubenskriegen seien viele Menschen Gefahr gelaufen, das kostbare Glaubenserbe, Europas religiöse Wurzeln, zu verlieren. Die Zeit sei reif gewesen für eine Neuorientierung.

Gemeinschaftsbindendes Element

Erzbischof Franz Lackner (M.) bei der Feier der Eucharistie, neben ihm MC-Präses Br. Georg Greimel (r.).
Erzbischof Franz Lackner (M.) bei der Feier der Eucharistie, neben ihm MC-Präses Br. Georg Greimel (r.).
Erzbischof Franz Lackner gratuliert jungen Sodalen zur Lebensweihe.
Erzbischof Franz Lackner gratuliert jungen Sodalen zur Lebensweihe.
Diskussion beim MC-Obmännertreffen.
Diskussion beim MC-Obmännertreffen.
MC-Präses Br. Georg im Gespräch mit Sodalen der MC.
MC-Präses Br. Georg im Gespräch mit Sodalen der MC.

"Mutige Männer haben sich damals zu einer kirchlichen Laienbewegung zusammengeschlossen, weihten sich der Gottesmutter und gelobten Treue zur Kirche", blickte der Erzbischof zurück und resümierte: "Solch mutige Männer sind auch heute notwendiger denn je – in einer Zeit, in der der Glaube immer mehr zu schwinden droht." Angesichts der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft fehle ein gemeinschaftsbindendes Element, ein gemeinsames Glaubenszeugnis für Christus in der Welt. Segnen könne man Vieles, so Erzbischof Lackner, aber die persönliche Weihe bedeute: "mein Innerstes, Kostbarstes gehört Gott".

Glaubensvorbild solle uns Maria sein, führte Erzbischof Lackner aus: "Mir geschehe, wie du gesagt hast" (Lk 1,38) – in diesem einen Satz sei der Glaube Mariens, "der größten Frau der Glaubensgeschichte", zusammengefasst; auch habe sie uns ihre Empfehlung hinterlassen: "Was Er (Jesus) euch sagt, das tut" (Joh 2,5). Dabei habe Maria in der Heilswelt Jesu nie die erste Geige gespielt. Schweigend habe sie den Lebensweg ihres Sohn im Gebet begleitet – bis zum Tod am Kreuz. Maria, die betende Frau, habe uns den Rosenkranz anempfohlen, der in der MC einen wichtigen Platz einnehme, stellte der Erzbischof fest.

Außerdem erinnerte Erzbischof Lackner anlässlich des Br. Konrad-Jubiläumsjahres auch an den hl. Klosterpförtner. Er zitierte Kardinal Joseph Ratzinger (den späteren Papst Benedikt XVI.), der über den Br. Konrad gesagt hatte: "... Wir haben genug Menschen, die nur auf den Erfolg schauen und nur auf Geld oder auf Macht oder auf Ansehen und im Letzten sich selber suchen. Wir brauchen Menschen dieser inneren Einfachheit und Lauterkeit, die nicht sich selber wollen, sondern die Gott wollen und daher allen anderen gut sind, und ihnen das wahrhaft Gute geben ..."

Erzbischof Lackner, ein Spätberufener, schloss mit einem persönlichen Zeugnis: Als gelernter Elektriker und späterer UNO-Soldat habe er auf Zypern gedient; dabei habe er sich vom Glauben entfernt, obwohl er in einem gläubigen Elternhaus aufgewachsen war. "Der Glaube verschwindet, wenn man nichts tut", warnte Lackner. Bei Wacheinsätzen in seiner Soldatenzeit  habe er wieder beten gelernt und sich von zu Haus einen Rosenkranz und ein Anleitungsheftchen dazu schicken lassen.

Vor dem Schlusssegen betete Erzbischof Lackner mit den MC-Sodalen ein "Vaterunser" und "Gegrüßet seist du Maria" für den am Morgen des Laetare-Sonntags verstorbenen Kardinal Lehmann.

Während des Pontifikalgottesdienstes legten zehn Sodalen vor dem Erzbischof sowie vor MC-Präses Br. Georg ihre Lebensweihe ab. Über 50 Fahnenabordnungen der MC waren zum Gottesdienst in die Basilika eingezogen. Neben Erzbischof Lackner konzelebrierten bei der Eucharistiefeier MC-Präses Br. Georg, Stiftskanonikus Johann Pfaffinger, Pfarrer i.R. Franz Hecker, assistiert vom Hamburger Diakon Ulrich Bork. Als große Ehre empfanden es die Ministranten aus Kirchdorf bei Haag, als Messdiener mitzuwirken.

Beim anschließenden Treffen der Obmänner der über 200 Ortsgruppen der MC Altötting gaben sowohl MC-Präses Br. Georg wie auch MC-Präfekt Stefan Burghart einen Rückblick auf das vergangene Jahr mit u.a. Einkehrtagen und den beiden Hauptfesten. Als sie über die Jahresplanungen für 2018 sprachen, verwiesen sie vor allem auf die Veranstaltungen und Ausstellungen im Bruder-Konrad-Jubiläumsjahr und die damit einhergehende St. Konrad-Kirchen-Renovierung. Br. Georg berichtete außerdem von der Einladung im Februar zur Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Kongregationen nach Bamberg – dort wurde mit Erzbischof Schick das 400. Jubiläum der Marianischen Herrn- und Bürgersodalität in der Kongregation-eigenen St. Jakobskirche gefeiert.

Versprechen eingelöst

MC-Präses Br. Georg (M.) und MC-Präfekt Stefan Burghart (l.) nehmen Martin Ellmaier (r., siehe Text) in die MC auf.
MC-Präses Br. Georg (M.) und MC-Präfekt Stefan Burghart (l.) nehmen Martin Ellmaier (r., siehe Text) in die MC auf.
Eucharistische Prozession.
Eucharistische Prozession.

Mit den Worten "Sei nicht traurig, ich bin's auch nicht", hatte sich vergangenes Jahr der Altöttinger MC-Sodale und Fahnenträger Gerhard Feuerecker kurz vor seinem Tod von seinem Nachbarn Martin Ellmaier verabschiedet und dieser hatte dem Gerhard versprochen: "Wenn du nicht mehr bist, dann lass ich mich in die MC aufnehmen." Heuer beim Frühjahrshauptfest löste Martin Ellmaier sein Versprechen ein; MC-Präses Br. Georg und Präfekt Stefan Burghart nahmen ihn und 24 weitere Männer während der Neuaufnahmefeier am Nachmittag in die MC auf.

Br. Georg widmete seine Predigt nach der Neuaufnahme dem hl. Klosterpförtner Konrad. Dabei erinnerte er an den ehemaligen MC-Präses P. Kosmas Wührer, der den hl. Bruder Konrad in seiner Spiritualität als progressiv bezeichnet habe – aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das so viel wie voran-, vor- oder weitergehen. Seine Naturverbundenheit, die der Birndorfer Hansl als Bauer im Rottal und auf seinen Pilgerwegen erlebt habe, könne man als "Schöpfungsliebe" bezeichnen. Br. Konrad habe den sozialen Abstieg vom reichen Bauern zur franziskanischen Armut als Klosterpförtner bei den Kapuzinern riskiert; als Pförtner habe er sich schließlich für die Armen und Ausgestoßenen eingesetzt, blickte Br. Georg zurück und erklärte: Im Orden habe er dafür Kraft schöpfen können – an Kraftorten wie Klostergarten, Alexiuszelle mit Blick zum Tabernakel, in der Gnadenkapelle, in der Kapuzinergruft und auf Pilgerwegen.

Mit einer feierlichen Eucharistischen Prozession von der St. Anna-Basilika zum Kapellplatz und kurzer Statio mit Eucharistischem Segen vor der Gnadenkapelle, musikalisch gestaltet – wie bereits der Pontifikalgottesdienst am Vormittag – von der Altöttinger Hofmusik und den Brüdern Bernhart, endete das Frühjahrshauptfest im besinnlichen Rahmen. Im Anschluss wurde die dritte Bruder-Konrad-Ausstellung in der Bischöflichen Kapelladministration eröffnet.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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