Altöttinger Liebfrauenbote

Zweite Altöttinger Fastenpredigt mit Domkapitular Msgr. Manfred Ertl

Die Weite des Himmels finden

Vom "Pilgerweg" des jungen Johann Birndorfer bis hin zu seinem Ordenseintritt sprach Msgr. Manfred Ertl in der zweiten von insgesamt vier Altöttinger Fastenpredigten am 1. März in der Stiftspfarrkirche. Der Passauer Domkapitular predigte zum Thema "Aus der Dunkelheit ins Licht" und stellte über den hl. Br. Konrad in dessen Jubiläumsjahr fest: Wer die Weite des Himmels gefunden hat, den kann auch keine weltliche Enge mehr bedrücken.

Domkapitular Msgr. Manfred Ertl während seiner Predigt in der Stiftspfarrkirche.
Domkapitular Msgr. Manfred Ertl während seiner Predigt in der Stiftspfarrkirche.

"Es ist eine enge Welt damals", stellte Msgr. Ertl fest – er beschrieb den Geburtsort Br. Konrads, den Venus-Hof in Parzham im Jahr 1838, wo der damals 19-jährige Johann Birndorfer in eine festgefügte Ordnung und in ein von harter Arbeit geprägtes Landleben hineingewachsen war – und immer mehr "die Weite suchte", wie es der Domkapitular ausdrückte. Die Weite? Nun, die weite Welt "unter Gottes freiem Himmel" faszinierte auch den jungen Parzhamer Bauern, wie der Domkapitular schilderte, doch allein diese Art der Weite wäre Br. Konrad viel zu wenig gewesen.

Was genau Br. Konrad damals gesucht hatte, sei ihm zu dieser Zeit selbst noch nicht bewusst gewesen; sein Lebensweg lag noch "im Dunkeln", führte Msgr. Ertl aus. Erst viel später bereitete sich Johann Birndorfer als Kapuziner-Novize auf seine Profess (1852) vor und fasste dabei einen Vorsatz, den Msgr. Ertl zitierte: "Ich will es mir recht angewöhnen, mich allezeit in die Gegenwart Gottes zu stellen." Doch bis zu diesem Vorsatz, bis Johann Birndorfer seine "alte Heimat" auf dem Venus-Hof hinter sich ließ, um seine "neue Heimat" schließlich an der Pforte des Altöttinger St. Anna-Klosters zu finden, sollten noch einmal über zehn Jahre vergehen. Diese Zeit dazwischen schilderte der Domkapitular als eine Zeit der Suche, in der Johann Birndorfer vor allem ein Ereignis geprägt habe: die Volksmission 1838 in Ering am Inn. In einer Generalbeichte habe der damals 19-Jährige eine erste "Lebensbilanz" gezogen und sein Leben fortan ganz neu ausgerichtet. Msgr. Ertl schilderte: "Tatsache ist, dass er als ein ganz anderer nach Parzham zurückkehrte. Er sucht jetzt noch mehr die Einsamkeit auf, wird noch stiller und in sich gekehrter. Er weiß jetzt für sich, dass seine Heimat gewiss woanders liegt, als auf einem Vierseithof im Rottal."

Ein Pilger auf der Suche

Die Zelebranten von links: Guardian Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Domkapitular Msgr. Manfred Ertl, Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl und Stiftskanonikus Pfr. i.R. Alois Schießl.
Die Zelebranten von links: Guardian Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Domkapitular Msgr. Manfred Ertl, Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl und Stiftskanonikus Pfr. i.R. Alois Schießl.

Über das Pilgern fand Johann Birndorfer schließlich sein eigentliches Ziel, wie Msgr. Ertl schilderte. "Neun Jahre - alle acht oder vierzehn Tage – bei jeglichem Wetter und zu jeder Jahreszeit – fünf Stunden hin, fünf Stunden zurück" sei Br. Konrad zwischen 1840 und 1849 zu seinem Beichtvater, den Benefiziaten Dullinger, nach Aigen am Inn gepilgert; viele weitere Wallfahrten unternahm er. Msgr. Ertl resümierte: "Interessant ist, was sich durch dieses Pilgern in ihm alles verändert, oder anders gesagt, was er in dieser Zeit alles "auf der Strecke lässt": sein Hoferbe, das ihn wohl nie so recht interessiert hatte; darüber hinaus aber auch den Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit, der sonst "so viele angetrieben hat"; außerdem die vielen körperlichen Bedürfnisse: "Johann Birndorfer wird fähig, Entbehrungen auszuhalten, er lernt, sich zu überwinden. Körperliche Gebrechen sind für ihn keine Sachen, über die man viele Worte verliert", fasste der Domkapitular zusammen. Und noch etwas: "Bei seinen Wanderungen zwischen Parzham und Aigen blieben wohl auch viele seiner Ängste auf der Strecke – das hilft ihm später, sich in einer großen Klostergemeinschaft zurechtzufinden, die ihm den Start sehr schwer macht."

Msgr. Ertl resümierte: "Als der 30-Jährige an einem Septembertag des Jahres 1849 an der Pfortentür des Kapuzinerklosters von St. Anna ankommt, um sich dort ins Noviziat zu begeben, geht eine lange Pilgerreise zu Ende. Wohl die Hälfte seines Lebens hat der junge Mann gesucht, wo seine Heimat liegt. Und er hat jetzt endlich seine Heimat gefunden." Und weiter: "Br. Konrad hat in den langen Jahren des Suchens und Pilgerns die Enge und Dunkelheit seines Rottaler Bauernhauses hinter sich gelassen und die lichte Weite des Himmels gefunden. (...) Er hat dieses Licht in seinem Herzen, so dass er jetzt das streng geregelte Klosterleben auf sich nehmen kann. (...) Er hat die Liebe in seinem Herzen gefunden, so dass er in aller Sanftmut und Geduld viele Ärgernisse, Demütigungen und auch Stress und Anforderung ertragen kann. (...) Kurzum, der junge Rottaler, dem gleich der Pförtner von St. Anna die Tür öffnen wird, er hat sich tatsächlich einen Schatz erworben, den keine Motte und kein Wurm vernichten kann. Er hat sich eine Weite des Herzens erworben – und genau deshalb wird ihm das Enge nicht mehr eng sein."

Text und Fotos: Michael Glaß