Altöttinger Liebfrauenbote
Peter Rosegger war neben dem Franzosen Jules Verne der erfolgreichste Dichter seiner Zeit. – Foto: Steiermärkisches Landesarchiv
Peter Rosegger war neben dem Franzosen Jules Verne der erfolgreichste Dichter seiner Zeit. – Foto: Steiermärkisches Landesarchiv

Vor hundert Jahren, am 26. Juni 1918 starb Peter Rosegger, der Volksdichter aus der Steiermark

Meister des Einfachen und Kleinen

"Ihr müsset mir ein schönes Marienbild in die neue Kirche stellen." – Unter dieser Bedingung hatte der Dichter Peter Rosegger, ein bekennender Katholik, den Bau einer evangelischen Kirche gefördert. Wer war dieser vor hundert Jahren verstorbene Dichter, an den in Altötting eine Straße erinnert?

Der Kluppeneggerhof am Alpl, in dem Peter Rosegger geboren wurde, lässt sich nur erwandern ...
Der Kluppeneggerhof am Alpl, in dem Peter Rosegger geboren wurde, lässt sich nur erwandern ...
... Lebendig vermittelt er das Leben des Waldbauernbuben. – Fotos: Jakob Hiller
... Lebendig vermittelt er das Leben des Waldbauernbuben. – Fotos: Jakob Hiller
Peter Roseggers Landhaus in Krieglach beherbergt heute ein Roseggermuseum. – Foto: Jakob Hiller
Peter Roseggers Landhaus in Krieglach beherbergt heute ein Roseggermuseum. – Foto: Jakob Hiller

Derf i 's Dirndl liabn?" Zu Peter Roseggers Zeiten war diese bange, oft aufmüpfige Frage durchaus üblich. Und Rosegger gab in seinem Gedicht eine Antwort, die gut in das heutige Verständnis von göttlicher Barmherzigkeit passt: Zuerst fragt der Bub die Mutter. Sie ist fürs Zuwarten, der Vater nimmt den Stecken, und der Pfarrer droht mit der Hölle. In seiner Verzweiflung wendet sich der Bub an den Herrgott: "Ei ja freili", sogt der und hot glocht, "Wegn en Büaberln hon ih's Diandl gmocht!"

Hundert Jahre ist das her, dass Peter Rosegger gestorben ist und viele junge Musikanten singen den von Jakob Eduard Schmölzer vertonten Text mit derselben Inbrunst wie ihre Urahnen. Es ist das Einfache und Kleine in Roseggers Werk, das ungebrochen weiterlebt. Und es sind die Bilder seiner steirischen Heimat, Bilder des ländlichen Lebens, die Peter Rosegger malt, mit den Worten ungleich einprägsamer als mit dem Pinsel. Dramatisch sein Roman "Jakob der Letzte", in dem Rosegger das Bauernsterben in seinem ganzen Elend darstellte - der Tiroler Dichter Felix Mitterer formte daraus ein packendes Stück, das in Krieglach im steirischen Mürztal, wo Roseggers Haus zu einem Museum umgestaltet wurde, bis August zu sehen ist.

Das Bauernsterben traf auch die Familie des Dichters. Der auf 1.144 m gelegene Kluppeneggerhof am Mürztaler Alpl, in dem Peter Rosegger am 31. Juli 1843 geboren wurde, musste 1868 notverkauft werden.

Die Eltern wollten, dass der gescheite Bub Peter, der Älteste von sieben Geschwistern, "auf Pfarrer studiert". Es scheiterte an den Kosten. Und für die Bauernarbeit war Peter viel zu schwach. So wurde er Schneiderlehrling und ging mit seinem Meister auf die Stör – ein harter, aber prägender Anschauungsunterricht. Ein Schneider, der auf die Stör ging, blieb nur so lange auf einem Bauernhof, bis alles, was Bauern und Gesinde an Schneiderarbeit benötigt hatten, erledigt war. Dann hieß es weiterziehen – bei Rosegger mit vielen neuen Geschichten im Rucksack.

Der Bettelstudent

Peter Rosegger in jungen Jahren. – Foto Steiermärkisches Landesarchiv
Peter Rosegger in jungen Jahren. – Foto Steiermärkisches Landesarchiv

In dieser Zeit entstand bereits eine Reihe von Mundartgedichten, die er auf gut Glück zur "Grazer Tagespost" sandte. Deren Chefredakteur Adalbert Svoboda erkannte das Juwel, holte Rosegger nach Graz und förderte ihn. Gemeinsam mit dem Priester und Forscher Rudolf Falb erwirkte Svoboda, dass der Bergbauernsohn die Akademie für Handel und Industrie besuchen konnte. Durchgefüttert wurde der Bettelstudent in reichen Bürgerhäusern, jeden Tag in einem anderen.

1869 schloss Rosegger die Handelsakademie ab, es erschien sein Mundartgedichtband "Zither und Hackbrett". Der rasche Erfolg und die Anerkennung durch die bürgerliche Gesellschaft zeigten sich auch in der Heirat mit Anna Pichler, einer Hutfabrikantenstochter. Zwei Jahre später, 1875, starb Anna nach der Geburt des zweiten Kindes. Rosegger konnte den Tod seiner geliebten Frau nur schwer verwinden, er schrieb und schrieb. Er veröffentlichte viel, auch in der von ihm gegründeten Zeitschrift "Heimgarten".

Rosegger und Altötting

In Altötting ist eine Straße nach dem steierischen Dichter benannt. – Foto: Wolfgang Terhörst
In Altötting ist eine Straße nach dem steierischen Dichter benannt. – Foto: Wolfgang Terhörst
Titelseite (innen) seines Volkskalenders 1864: Peter Rosegger schuf auch die Illustrationen selbst. – Foto: Steiermärkische Landesbibliothek
Titelseite (innen) seines Volkskalenders 1864: Peter Rosegger schuf auch die Illustrationen selbst. – Foto: Steiermärkische Landesbibliothek
Roseggers Jugendschriften wurden bisher nur 1936 auszugsweise unter dem Titel "Schneiderpeterl erzählt" veröffentlicht. – Foto: Steiermärkische Landesbibliothek
Roseggers Jugendschriften wurden bisher nur 1936 auszugsweise unter dem Titel "Schneiderpeterl erzählt" veröffentlicht. – Foto: Steiermärkische Landesbibliothek

In dieser Zeit entstand der Roman "Die Schriften eines Waldschulmeisters". Durch dieses Werk fühlt sich der gegenwärtige Altöttinger Stadtheimatpfleger Manfred Lerch dem steirischen Heimatdichter eng verbunden: "Ich war ja selbst Waldschulmeister. Was Rosegger schreibt, habe ich verinnerlicht", sagt Manfred Lerch im Gespräch mit dem "Liebfrauenboten". Manfred Lerch wohnt in der Nähe der Peter-Rosegger-Straße in Altötting-Süd. Eine direkte Verbindung des Dichters mit Altötting gibt es nicht. Doch Rosegger ist dort – zumindest in den Straßenbezeichnungen – in bester Dichter-Umgebung: Adalbert Stifter, mit dem sich Rosegger oft getroffen hatte, Eichendorff, Lenau, Goethe und Schiller.

Als sich Rosegger bereits einen Namen in der damaligen deutschsprachigen Literaturlandschaft erschrieben hatte, errichtete er in Krieglach sein Landhaus, das heute ein Roseggermuseum beheimatet. In zweiter Ehe heiratete Peter Rosegger 1879 die Wiener Baumeisterstochter Anna Knaur, die ihm drei Kinder schenkte.

Mit Gedichten wie "Derf i 's Dirndl liabn?" dürfte sich Rosegger nicht nur Freunde gemacht haben, "manche warfen Rosegger sogar vor, er sei ein höchst unsicherer Christ und Kirchenfeind", schrieb der große steirische Volksbildner und Rosegger-Kenner Hubert Lendl: "Spätere Kritiker meinen, Roseggers eigentlich vertrautes Milieu zumindest der späteren Lebensjahre sei die deutschtümelnde Vereinsmeierei gewesen." Mit diesen verzerrenden Beurteilungen hatte Peter Rosegger bereits zu Lebzeiten zu kämpfen. Sie brachten ihn 1913 sogar um den Literatur-Nobelpreis.

Rosegger lieferte jenen, die seinen Glauben anzweifelten, ausgerechnet durch einen Kirchenbau Munition: Hatte er doch über die Grenzen Österreichs hinaus zu Spenden für die Errichtung der evangelischen Heilandskirche auf dem Mürzzuschlager Ölberg aufgerufen.

Der bekennende Katholik Rosegger knüpfte an sein Engagement für die evangelische Kirche eine Forderung an: "Ich bin ein alter Freund der Marien-Minne, und weil Maria, die Heilandsmutter, ja doch auch eine evangelische Person ist, so habe ich gesagt zu den Evangelischen im Mürztal: Wenn ich mittue, so müsset ihr mir ein schönes Marienbild in die neue Kirche stellen."

Marien-Freund

Sein katholischer Glaube war Peter Rosegger wichtig. Krippendarstellung in Roseggers Volkskalender. – Foto Steiermärkisches Landesarchiv
Sein katholischer Glaube war Peter Rosegger wichtig. Krippendarstellung in Roseggers Volkskalender. – Foto Steiermärkisches Landesarchiv

Das Marienbild, das Rosegger so viel bedeutete, und das er als Symbol der Versöhnung zwischen den christlichen Bekenntnissen sah, sollte sein Osttiroler Freund schaffen: Franz Defregger, damals bereits Professor an der Münchner Kunstakademie. Ihm gelang, was Rosegger hoffte: "Und wenn meine katholischen Landsleute, die Bauern und Holzer und Halter, die Eier- und Hühnerträgerinnen aus dem Jokelland, vom Gebirge kommen und vorübergehend einen scheuen Blick werfen in diese Kirche, so sollen sie ein wenig angeheimelt sein von dem geliebten Bild, das ihnen freundlich entgegenschaut."

Die Liebe des Peter Rosegger zum Einfachen war echt. Der in seiner Zeit bereits höchst erfolgreiche Dichter suchte Jahre vor seinem Tod im Krieglacher Friedhof "sein Platzerl" aus und verlangte "das einfachste Grab, wie es jeder Bauer hat". Auf dem schlichten Lärchenholzkreuz steht "Peter Rosegger". So wollte er es: "Wenn man nach fünfzig Jahren wissen wird, wer der Rosegger war, genügt dies ohnehin", sagte er. Man weiß es auch nach hundert Jahren.

Text: Gabriele Neuwirth

Peter Rosegger-Gedenkjahr 2018

Mit zahlreichen Ausstellungen, Veranstaltungen und anderen Initiativen gedenkt das Land Steiermark im Jahr 2018 des 100. Todestages von Peter Rosegger und feiert seinen 175. Geburtstag. Die Aktivitäten sollen den Heimatdichter und Schriftsteller wieder stärker ins Bewusstsein rufen, aber auch bislang unbekannte Aspekte von Rosegger thematisieren.Die Feierlichkeiten sind eine Fortsetzung des Rosegger-Impulsjahres 2013 und gewissermaßen Höhepunkt eines 5-Jahres-Programms, mit dem das Land Steiermark das Wirken von Peter Rosegger in seiner ganzen Breite abbilden möchte. Große Kulturorganisationen wie das Universalmuseum Joanneum, die Steiermärkische Landesbibliothek, die Volkskultur Steiermark GmbH oder die Oper Graz beteiligen sich genauso am Jubiläum wie kleinere Heimatmuseen und volkskulturelle Verbände aus allen Ecken der Steiermark.

Text: red

Nähere Informationen zum Gedenkjahr und alle Termine finden Sie im Internet unter der Adresse http://peter-rosegger.at/veranstaltungen/.