Altöttinger Liebfrauenbote

Theatergruppe Halsbach zeigt Szenen aus dem Leben des heiligen Klosterpförtners

Bruder Konrad und die Tür zum Leben

Nach dem mehr als verdienten Applaus dankte Guardian Kapuzinerpater Norbert Schlenker den Laiendarstellern der Theatergruppe Halsbach unter Leitung von Martin Winklbauer und der Musikgruppe des Neuöttinger Paulusstifts für das gelungene Bruder-Konrad-Spiel, aufgeführt am Sonntagnachmittag, 17. Juni 2018 in der Altöttinger St. Anna-Basilika.

Mit der Klosterpforte öffnet Br. Konrad (Franz Huber) die Tür zum Leben – auch für den "Fremden" (l., Martin Winklbauer).
Mit der Klosterpforte öffnet Br. Konrad (Franz Huber) die Tür zum Leben – auch für den "Fremden" (l., Martin Winklbauer).

Das Theaterstück "Zwiegespräch mit einem Fremden", das anlässlich des 200. Geburtstags des hl. Klosterpförtners aufgeführt wurde (am Freitag zuvor in Marktl und am Samstag zweimal in Parzham), handelte von Begegnungen, die, wie P. Norbert bestätigte, es vielfach im Leben von Bruder Konrad gegeben habe, Begegnungen mit den Menschen und mit dem Herrn vor dem Kreuz.

"Öffnen Sie sich für die Botschaft, die hinter diesem einfachen Menschen steht"

Bruder Konrad gibt Brot an bedürftige Kinder ...
Bruder Konrad gibt Brot an bedürftige Kinder ...
... und betet mit ihnen.
... und betet mit ihnen.
Bruder Konrad speist die Bedürftigen – und erfährt nicht immer Dankbarkeit dafür.
Bruder Konrad speist die Bedürftigen – und erfährt nicht immer Dankbarkeit dafür.
Seine Kraft schöpfte der hl. Br. Konrad aus dem Gebet, aus der Zwiesprache mit dem Gekreuzigten.
Seine Kraft schöpfte der hl. Br. Konrad aus dem Gebet, aus der Zwiesprache mit dem Gekreuzigten.

Etwa 600 Zuschauer wollten sich das Bruder-Konrad-Spiel nicht entgehen lassen, trotz Fußball-WM und dem fast zeitgleichen Spiel der Deutschen gegen Mexiko. Und während die Fußball-Fans und somit Daheimgebliebenen hinter den Bildschirmen enttäuscht die erste Niederlage für Deutschland miterlebten, wurden die Basilika-Besucher in ihren Erwartungen übertroffen und im Innersten tief berührt: "Öffnen Sie sich für die Botschaft, die hinter diesem einfachen Menschen steht", so die Bitte von Autor und Regisseur Martin Winklbauer, der beeindruckend den "gestrauchelten Fremden" verkörperte und im Dialog mit einer jungen, skeptischen Chorsängerin (Luisa Raischl) stand. Dabei versuchte er das fromme, demütige und einfache Leben des hl. Klosterpförtners zu erklären und zu ergründen – und einer heutigen Zeit der egoistischen Konsum- und Ellenbogengesellschaft gegenüberzustellen, die so gar nichts mit Demut, Verzicht und einfacher Lebensweise anzufangen wüsste.

Es sei eine karge Zeit gewesen, das Jahr 1818, als Bruder Konrad als elftes von zwölf Geschwistern auf dem Venushof in Parzham geboren wurde, in eine Zeit großer Hungersnot, ausgelöst durch eine Naturkatastrophe zwei Jahre zuvor: Durch den Vulkanausbruch des Tambora auf Indonesien habe sich die Sonne verfinstert, bereits im Sommer war Wintereinbruch, das Getreide auf den Feldern verfaulte. Aber auch im heranwachsenden Birndorfer Hansl habe es innerlich gebrannt, etwas geglüht, das erst fertig geschmiedet werden musste. In dieser Zeit, so berichtete der Fremde, habe Bruder Konrad viel und leidenschaftlich gebetet, egal ob auf dem Feld oder in der Kirche. Die Folgerung: "Leidenschaft kann etwas verändern im Leben!" Man könne Böses zum Guten wenden. Als Klosterpförtner, so der Fremde, sei Bruder Konrad zum Mittler geworden, zwischen Drinnen und Draußen, auch zwischen Gut und Böse. Er habe das Tor vom Venushof zugemacht und eine andere Tür aufgemacht, die Tür zum Leben.

"Die Sanftmütigkeit ist der Weg der Tapferen, Feiglinge können ihn nicht betreten!"

Beeindruckend die musikalische Begleitung des Theaterstücks durch die Musikgruppe des Neuöttinger Paulusstifts.
Beeindruckend die musikalische Begleitung des Theaterstücks durch die Musikgruppe des Neuöttinger Paulusstifts.
Auch dem Altöttinger Kapuzinerpater Norbert Schlenker (im Vordergrund) gefiel die Aufführung.
Auch dem Altöttinger Kapuzinerpater Norbert Schlenker (im Vordergrund) gefiel die Aufführung.
Die Theatergruppe Halsbach lieferte eine beeindruckende Vorstellung ab.
Die Theatergruppe Halsbach lieferte eine beeindruckende Vorstellung ab.

Eine herausragende Tugend des Bruder Konrad (trefflich dargestellt von Franz Huber) stellte der Fremde, alias Martin Winklbauer, in besonderer Weise heraus, nachdem er diesem das Essen vor die Füße geworfen hatte und Bruder Konrad die Schuld bei sich suchend ein besseres Essen brachte: "Die Sanftmütigkeit ist der Weg der Tapferen, Feiglinge können ihn nicht betreten!"

Die Hartherzigkeit seiner Mitbrüder im Kloster gegenüber armen Bittstellern habe Bruder Konrad durch intensives Gebet und Fasten zu sühnen versucht. "Bruder Konrad hat uns vorgelebt, dass Sanftmütigkeit und Gewaltlosigkeit nicht Schwäche bedeuten, sondern Stärke, so wie es uns Jesus vorgelebt hat, bis zum Tod am Kreuz. Und darum ist das Kreuz nicht nur ein Symbol, sondern viel mehr!" Bruder Konrad habe im Kreuz gelesen und gesagt: "Das Kreuz ist mein Buch." In der Einfachheit des Kreuzes habe Bruder Konrad die Wahrheit gesucht, nicht in Geboten, Regeln und Dogmen. Und letztendlich sei ausschlaggebend für Bruder Konrads Leben, "nicht, was er getan, sondern wie er es getan hat." So hat sich die Botschaft von Bruder Konrad, hervorragend in Martin Winklbauers Theaterstück verpackt, gerade für die heutige Zeit klar und notwendiger denn je herauskristallisiert: "Mehr Menschlichkeit in der Welt!"

Text und Fotos: Roswitha Dorfner