Altöttinger Liebfrauenbote

Wallfahrt der Legio Mariae nach Altötting mit Scheyerer Abt Markus Eller

Zur Hoffnung berufen

Über 6.000 Pilger der Legio Mariae sind am Pfingstmontag, 21. Mai, in Altötting eingezogen. Markus Eller, Abt der Benediktinerabtei Scheyern, zelebrierte den Gottesdienst in der St. Anna-Basilika und verriet in seiner Predigt, wieso der Spruch "Mia san mia" nicht nur nach Bayern passt.

Eine junge Pilgerin freut sich über die Ankunft am Ziel in der Basilika; neben ihr sind die schweren Holzkreuze zu sein, die kilometerweit nach Altötting getragen wurden.
Eine junge Pilgerin freut sich über die Ankunft am Ziel in der Basilika; neben ihr sind die schweren Holzkreuze zu sein, die kilometerweit nach Altötting getragen wurden.

"Ein kleines Stück Weg" sang die Musikgruppe "Domino Spontan" zu Beginn der hl. Messe in der Basilika. Stimmungsvoll und fröhlich gestaltete sie den Gottesdienst, auch wenn der Text des Anfangslieds etwas untertrieben schien: über 100 Kilometer waren die Fußwallfahrer – die meisten kamen aus München-Freising, Rosenheim und Salzburg – ins "Herz Bayerns" marschiert; nicht wenige trugen beim Einzug schwere, teils mannsgroße Holzkreuze auf ihren Schultern, einige schwangen die roten Legio-Fahnen. Es sei für die Pilger ein langer und auch anstrengender Weg gewesen, räumte dann auch Abt Markus ein, dennoch: in Relation zum Pilgerweg des Lebens sei es dann doch "nur" ein "kleines Stück Weg" gewesen, wenngleich für die meisten "hoffentlich ein wichtiges". "Deine Liebe, Gott, ist grenzenlos!" war heuer das Motto der Wallfahrt.

"Mia san mia!"

Abt Markus Eller während seiner Predigt.
Abt Markus Eller während seiner Predigt.

Doch wen genau liebt Gott eigentlich? In den Worten von Markus Eller gefragt: "Wer sind wir eigentlich? Was macht uns aus?" Der Scheyerer Abt ging in seiner Predigt auf eine philosophische Grundfrage ein, die sich vermutlich jeder schon einmal gestellt hat, und er beantwortete sie zu Beginn seiner Predigt typisch bayerisch: "Mia san mia!" Dieser Ausspruch zeuge "von einem recht soliden und geerdeten Selbstbewusstsein" und beziehe sich "auf die bayerische Volksseele, die sich nicht gerne dreinreden lässt", stellte er fest und erntete prompt spontanen Applaus.

"Mit Stolz den Namen Mensch tragen"

Der stellvertretendende Wallfahrtsrektor, P. Norbert Schlenker (r.), begleitete die Pilger zur Basilika; neben ihm Abt Markus Eller.
Der stellvertretendende Wallfahrtsrektor, P. Norbert Schlenker (r.), begleitete die Pilger zur Basilika; neben ihm Abt Markus Eller.
Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl segnete die an der Gnadenkapelle vorbeiziehenden Pilger mit einer Kopie des Gnadenbildes.
Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl segnete die an der Gnadenkapelle vorbeiziehenden Pilger mit einer Kopie des Gnadenbildes.
Zwei Ordensschwestern, die an der Wallfahrt teilnahmen, begrüßen sich am Kapellplatz.
Zwei Ordensschwestern, die an der Wallfahrt teilnahmen, begrüßen sich am Kapellplatz.
"Mia san mia!": Die jungen Männer auf diesem Bild waren nicht die einzigen Pilger mit Lederhose.
"Mia san mia!": Die jungen Männer auf diesem Bild waren nicht die einzigen Pilger mit Lederhose.

Doch Abt Markus ließ es nicht dabei bewenden. Dieser "coole Spruch" genüge "nicht immer und nicht allein". Bei seiner Suche nach "unseren Kennzeichen, die tiefer gehen" ging er auf das Tagesevangelium zur "Rückkehr der 72 Jünger" und zum "Lobpreis Jesu" (Lk 10, 21-24) – "Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht" – ein und er zitierte die Lesung aus dem Epheserbrief: "...Der Gott Jesu Christi (...) gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid ..." (Eph 1, 17-18).

Abt Markus betonte: "Wir sind Menschen, die zur Hoffnung berufen sind!" Hoffnung sei aber immer auch eine Frage der Zukunft und dies heiße für jeden, "über den Tellerrand hinauszuschauen – über den eigenen aber auch über jenen der Zeit". Wer das Wallfahrtsmotto über den "liebenden Gott" wirklich begriffen habe, der werde Auswirkungen auf sein Leben spüren, sich "von Christus umgestalten lassen", seiner christlichen Sendung treu bleiben und versuchen, "Sauerteig zu sein unter den Menschen", also: mit dazu beitragen, dass "ein Zusammenleben der verschiedenen Völker, Kulturen und Religionen gelingt". Abt Markus mahnte auch einen "sorgsamen Umgang mit der Schöpfung" an, denn: "Es gibt keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt", zitierte er ein geflügeltes Wort und fügte hinzu: "Es gibt auch kein Leben B."

Der Spruch "Mia san mia" sei ein selbstbewusster, aber kein ausgrenzender, knüpfte Abt Markus an. "Mia san mia" heiße nicht, "dass es die anderen nicht gibt". Abt Markus zitierte aus dem 1942 von Stephen Vincent Benét gedichteten Gebet der Vereinten Nationen: "Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen." Abt Markus schloss: "'Mit Stolz den Namen Mensch tragen' – auch in diesem Sinne gilt: 'mia san mia' – denn Deine Liebe, Gott, ist grenzenlos. Amen."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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