Altöttinger Liebfrauenbote

Regensburger Fußwallfahrt mit 7.200 Teilnehmern in Altötting

Vom Regen ins Licht

Lange dauert es immer, bis die vielen Tausend Teilnehmer der großen Regensburger Fußwallfahrt an der Gnadenkapelle vorbei hinunter in die Basilika St. Anna gezogen sind, wo sie nach drei Tagen und über 100 Kilometer Wegstrecke ihren Pilgergottesdienst feiern. Doch heuer waren es statt einer geschlagene eineinhalb Stunden, bis die Wallfahrer schließlich Bischof Rudolf Voderholzer zum Beginn des Gottesdienstes mit Applaus und Schwenken der Pilgertücher begrüßen konnten.

Bischof Rudolf Voderholzer (l.) und Wallfahrtsrektor Günther Mandl (r.) begrüßen die Regensburger mit der Gnadenbildkopie beim Einzug über den Kapellplatz – hier Pilgerführer Bernhard Meiler.
Bischof Rudolf Voderholzer (l.) und Wallfahrtsrektor Günther Mandl (r.) begrüßen die Regensburger mit der Gnadenbildkopie beim Einzug über den Kapellplatz – hier Pilgerführer Bernhard Meiler.

Im Jubiläumsjahr Bruder Konrads hatten die Regensburger auf dem Weg von der Gnadenkapelle zur Basilika alle kurz am Br. Konrad-Brunnen Station gemacht, um den Segen des Heiligen zu erbitten. Zuvor waren die erschöpften, aber glücklichen Wallfahrer an der Gnadenkapelle von Bischof Rudolf und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl mit der Gnadenbildkopie empfangen worden. Bis auch die letzten Pilger in der Basilika Platz gefunden hatten – einmal mehr reichten die Kirchenbänke nicht aus, um alle aufzunehmen – richtete Pilgerführer Bernhard Meiler das Wort an die Eintreffenden, betete mit ihnen und stimmte Marienlieder an. Ganz herzlich dankte Meiler allen Helfern, die stets für einen reibungslosen Ablauf sorgen und bat mit einem Verweis auf die Beschwerde einer Pilgerin, dass in den Toilettenwägen Seifenspender fehlten um Verständnis, dass nicht immer alles perfekt sein könne. Es werde alles für selbstverständlich genommen, was die Ehrenamtlichen leisteten: "Seien wir dankbar, dass wir sie haben!" Im Laufe des Gottesdienstes wurde dann namentlich Georg Greger von Bischof und Pilgerführer mit einer großen Bruder-Konrad-Kerze für seine dreißigjährige Sorge um das Wohl der Pilger geehrt – als Verantwortlicher für die Toilettenwägen.

"Das Kreuz allein ist der Weg zu einer wahren Erlösung"

Einzug der vielen Pilger auf den Kapellplatz.
Einzug der vielen Pilger auf den Kapellplatz.
Bischof Rudolf Voderholzer (l.) segnet eine junge Pilgerin.
Bischof Rudolf Voderholzer (l.) segnet eine junge Pilgerin.
Beim Einzug entstanden Staus vor dem Br.-Konrad-Brunnen, wo sich die Pilger ihre Augen mit segenspendendem Wasser benetzten.
Beim Einzug entstanden Staus vor dem Br.-Konrad-Brunnen, wo sich die Pilger ihre Augen mit segenspendendem Wasser benetzten.

Das Wetter hatte einige Kapriolen geschlagen, besonders an den ersten beiden Tagen war es zeitweise recht kühl und regnerisch. Aber am Pilgerziel in Altötting waren alle Strapazen vergessen, als Bischof Rudolf den Tausenden in der Basilika mit kräftiger Stimme zurief: "Der Friede sei mit euch! Aus dem Regen sind wir hineingezogen in das Licht, ein schönes Sinnbild für das Leben und unsere Wallfahrt", und weiter: "Die Gottesmutter und Bruder Konrad führen uns hin zur Mitte des Glaubens, zu Christus, der jetzt unter uns ist." Maria und Br. Konrad waren ebenfalls in besonderer Weise präsent: die Gnadenbildkopie im Hochaltar und die Fingerreliquie des Heiligen auf dem Altar.

In seiner Predigt nahm Bischof Rudolf, der selbst zwei Tage lang unterwegs war mit den Pilgern, Bezug auf das Motto der 189. Wallfahrt: "Ohne Kreuz geht es nicht". Die kleinen und großen Kreuze begegneten uns täglich durch unsere Fehlbarkeit, das Kreuz gehöre zum Glauben, es sei eine Realität. Aber, so der Regensburger Oberhirte: "Wir können uns gegenseitig helfen, das Kreuz leichter zu machen, das Kreuz zu tragen!" Denn im Blick auf das Kreuz Christi wachse uns die Liebe zu, wachse uns die Geduld zu, den anderen zu ertragen, "so wie es der hl. Br. Konrad hier 41 Jahre lang an der Klosterpforte getan hat". Wer sich am Kreuz festhalte, bekräftigte der Bischof, der empfange die Kraft, es sich selbst leichter zu machen und anderen zu helfen: "Das Kreuz allein ist der Weg zu einer wahren Erlösung." Und Christus gehe mit uns auf all unseren Kreuzwegen, "aber auch auf allen Ehrenrunden, bei denen wir das Leben genießen dürfen."

Das Leitwort der Wallfahrt habe heuer eine ungeahnte Aktualität erhalten mit dem Erlass der bayerischen Staatsregierung, in allen Dienstgebäuden gut sichtbar ein Kreuz aufzuhängen. Voderholzer nahm dazu kein Blatt vor den Mund und verteidigte den Erlass gegen Kritik: "Ich kann daran nichts Schlechtes finden". Er begrüße es, wenn das Kreuz auch in der Öffentlichkeit sichtbar sei – und verwies auf die Bayerische Verfassung mit ihrem Gottesbezug in der Präambel. Unsere Grundordnung, so der Bischof, lebe nun einmal von Voraussetzungen, die sie sich selbst nicht geben könne – und unser vorstaatliches Fundament sei der christliche Glaube, für den wiederum das Kreuz als starkes Symbol stehe. Politiker hätten nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, diese vorstaatlichen Voraussetzungen zu nähren.

"Gott hat all eure Gebete erhört"

Blick in die voll besetzte Basilika.
Blick in die voll besetzte Basilika.
Bischof Rudolf Voderholzer (l.) und Pilgerführer Bernhard Meiler (r.) ehren Georg Greger (siehe Text).
Bischof Rudolf Voderholzer (l.) und Pilgerführer Bernhard Meiler (r.) ehren Georg Greger (siehe Text).
Bruder Konrad-Weckerl neben dem "Anliegenrucksack".
Bruder Konrad-Weckerl neben dem "Anliegenrucksack".

Seine Großmutter, erzählte Voderholzer, habe sich immer bekreuzigt, wenn die Familie an einem Wegkreuz, einem Marterl vorbeigekommen sei. Als kleiner Junge habe er nach dem Warum gefragt. "Weißt du", habe seine Oma geantwortet, "vom Kreuz geht Segen aus und wenn ich das Kreuzzeichen mache, dann empfange ich diesen Segen". Diese Lebensweisheit habe er Zeit seines Lebens nicht mehr vergessen. Voderholzer: "Das Kreuz ist Hoffnung und Zukunft – ohne Kreuz geht es nicht!" Er schloss seine Predigt mit den Worten: "Bitten wir an diesem Pfingstfest den Heiligen Geist, dass das Kreuz nicht nur ein äußerliches Zeichen bleibt, sondern uns auch innerlich verwandelt, um auf diese Weise die Fundamente des Zusammenlebens unserer Gesellschaft zu sichern."

Zum Abschluss des feierlichen Gottesdienstes dankte Pilgerpfarrer Hannes Lorenz nochmals herzlich allen Helfern, namentlich aber besonders Pilgerführer Bernhard Meiler, dem er nun, nach Abschluss der Wallfahrt, mehr Zeit für sein erstes Enkelkind wünschte, das vor einer Woche auf die Welt gekommen sei. Die Pilger in der Basilika reagierten mit starkem, lang-anhaltendem Applaus. Ihnen allen wünschte Pfr. Lorenz, dass die guten Erfahrungen der Wallfahrt noch lange anhalten mögen: "Gott hat all eure Gebete erhört – wie könnte er auch nur ein einziges überhören, wenn sich die Muttergottes zur Fürsprecherin von über 7.200 Pilgern macht!"

Der Auszug aus der Basilika geriet dann heuer besonders "gehaltvoll". Denn der Geistlichkeit voraus gingen Pater Norbert Schlenker und Pater Andreas Kaiser mit je einem Korb voller Bruder-Konrad-Weckerl, die Bischof Rudolf zuvor am Altar gesegnet hatte. Hintergrund war eine schöne Aktion des Regensburger Pilgervereins, der die Weckerl auf dem Basilika-Vorplatz an die herausströmenden Wallfahrer austeilte – freilich nicht ohne Hoffnung auf eine Spende für die kürzlich generalsanierte Altöttinger St. Konrad-Kirche.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner, Wolfgang Terhörst

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