Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Auch in den heißen Sommerwochen im Juni und Juli kommen traditionell viele Pilgergruppen nach Altötting – hier eine kleine Auswahl:

Grund zur Freude – Fußpilger aus Vilsbiburg

"Wir haben Grund zur Freude, wenn man nach Stunden sein Ziel erreicht hat", stellte Pfarrer Peter König (2. Bild rechts) fest, nachdem er am 16. Juni mit den Fußpilgern aus Vilsbiburg nach rund elfstündigem Fußmarsch in Altötting eingezogen war. Dann sprach er knieend ein Dankgebet. Es war heuer die zweite Fußwallfahrt aus Vilsbiburg. Mit dabei war auch Bischof Vincent Mar Paulous Kulapuravilai (4. Bild rechts) aus der indischen Diözese Marthandom, der gerade in Pfr. Königs Pfarrei gastierte. Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl begrüßte die Wallfahrer bei einer kurzen Statio vor der Gnadenkapelle. Beim anschließenden Pilgergottesdienst im Kongregationssaal ging Pfarrer König auf den Tagesheiligen, den hl. Benno ein: trotz einer damals schwierigen Zeit, einer Zeit der Konfrontation zwischen Papsttum und Kaisertum, habe Benno im Vertrauen auf Christus 40 Jahre lang sein Amt als Bischof in seinem Bistum gemeistert. Der hl. Benno habe sich besonders durch seine lautere Gesinnung, durch Langmut und Güte und ungeheuchelte Liebe ausgezeichnet – ähnlich wie der hl. Bruder Konrad. Christus sei auch dessen Kraftquelle gewesen. Pfarrer König verwies am Ende seiner Predigt auf die baldige strukturelle Änderung mit Gründung der Pfarreiengemeinschaft Gaindorf, Vilsbiburg und Seyboldsdorf. "Ab 1. September sind wir eine große Glaubensgemeinschaft, eine Pfarrfamilie", stellte er fest und erklärte: "Hier am Gnadenort erbitten wir uns die Fürsprache Mariens um ein gutes Miteinander."

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Offen für die Mitmenschen – Wallfahrt aus Michaelbeuern

Mit der orangefarbenen Warnweste bekleidet hatte sich Abt Johannes Perkmann OSB von der Benediktinerabtei Michaelbeuern im Salzburger Land heuer unter die 38 Wallfahrer aus dem Ort gleichen Namens gemischt. Zwei Tage waren die Pilger zu Fuß unterwegs gewesen, eine fast 50-Kilometer-Wegstrecke hatten sie bewältigt, ehe sie am 23. Juni in Altötting einzogen. Im Br. Konrad-Jubiläumsjahr war ihnen "Konrad" Bruckmoser als Vortragskreuzträger vorangegangen. Der hl. Klosterpförtner war in Gedanken der Pilger auch selbst mit dabei; immer wieder erörterten sie in Impulsen und Andachten Leben und Wirken des Heiligen: Wie war dessen Leben als Pilger, als Ordensmann und als Pförtner? Am Gnadenort angekommen, besuchten die Pilger die Heilige Kapelle, um vor dem Gnadenbild Unserer Lieben Frau den "Engel des Herrn" zu beten. Auf die knieende Silberfigur des hl. Bruders Konrad am Gnadenaltar verweisend, betonte Abt Johannes: "Hier bei der Gottesmutter hat der hl. Bruder Konrad beim täglichen Ministrieren und Beten alles gefunden, was für seinen Glauben nötig war." Frühnachmittags ließen sich die Fuß-, Rad- und Auto-Pilger aus Michaelbeuern von Bauleiter Manfred Schwaiger die neu restaurierte St. Konrad-Kirche zeigen; Schwaiger war selbst zu Fuß mitmarschiert. Mit Abt Johannes feierten die Wallfahrer dort eine hl. Messe. "Der hl. Br. Konrad sei ein einfaches Vorbild des Glaubens", erklärte der Abt und empfahl, "offen zu sein für seine Mitmenschen".

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

"Gott zeigt den Weg" – 72. Sudetendeutsche Wallfahrt

Unter dem Motto "Heimat im Glauben" sind heuer zum 72. Mal auf Einladung der Ackermann-Gemeinde sudetendeutsche Pilger nach Altötting gekommen. Die Pontifikalmesse in der St. Anna-Basilika am 1. Juli zelebrierte der emeritierte Bischof im tschechischen Pilsen, František Radkovský (2. Bild).

Einen Tag vor dem Festtag "Mariä Heimsuchung" erinnerte Bischof Radkovský in seiner Predigt an die "Begegnung zwischen Maria und Elisabet" (Lk 1,39-56) – eine "unglaublich wichtige Begegnung" für die schwangere Maria, wie er betonte: hierbei habe Maria verstanden, "dass Gott sie nicht im Stich lässt, sondern sie begleitet, die Türen öffnet und Ihr den Weg zeigt". Ähnlich wie Maria stünden die Menschen auch heute vor scheinbar kaum zu bewältigenden Herausforderungen, stellte der Prediger fest und erklärte: "Gott hilft auch uns", wenn wir – nach dem Vorbild Mariens – seinen Willen auch wirklich erfüllen wollen. Außerdem betonte er: Gott ermahne uns auch dazu, anderen zu helfen. Am Ende seiner Predigt rief er die Zuhörer zu regelmäßigem Gebet auf.

Zuvor hatte Ilse Estermaier, die Diözesanvorsitzende der Ackermanngemeinde Passau, ihre Sudetendeutschen Landsleute begrüßt und den Pilgern – darunter waren auch heuer viele Trachten- und Fahnengruppen aus der alten Heimat – für ihre "treue Beteiligung" gedankt. Estermaier nannte Bischof Radkovský eine "feste Säule" in der deutsch-tschechischen Verständigung. Aus Nachbarn seien inzwischen Partner und Freunde geworden, stellte sie fest.

Nachmittags fand in der St. Konradkirche eine Marienfeier mit Totengedenken statt; Offiziator war Kapuzinerpater Eduard Stuchlik. Anschließend zogen die Pilger, begleitet von der Altöttinger Musikkapelle, in einer feierlichen Prozession zur Statio vor der Gnadenkapelle.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Fest der Begegnung – Wallfahrt des Katholischen Frauenbunds in der Diözese Passau

"Mariä Heimsuchung", wie auf dieser Fahne dargestellt, war Thema der KDFB-Wallfahrt.
"Mariä Heimsuchung", wie auf dieser Fahne dargestellt, war Thema der KDFB-Wallfahrt.
Domkapitular Manfred Ertl während seiner Predigt.
Domkapitular Manfred Ertl während seiner Predigt.
KDFB-Vorsitzende Bärbel Benkenstein-Matschiner neben einer Marienfahne.
KDFB-Vorsitzende Bärbel Benkenstein-Matschiner neben einer Marienfahne.

Im Zwei-Jahres-Rhythmus, immer am Festtag Mariae Heimsuchung, lädt der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) der Diözese Passau zur Wallfahrt nach Altötting ein. Rund 1.000 Frauen kamen mit zahlreichen Fahnenabordnungen und nahmen am festlichen Abendgottesdienst in der St. Anna-Basilika mit Geistlichem Beirat, Domkapitular Manfred Ertl, teil.

Die KDFB-Vorsitzende Bärbel Benkenstein-Matschiner sprach am 2. Juli in ihren Begrüßungsworten zum Wallfahrtsthema "Maria und Elisabeth, zwei Freundinnen treffen sich"; kein einfaches Treffen, wie sie schilderte: Maria und Elisabeth (vgl. (Lk 1,39-56) – eine jüngere und eine ältere Frau, beide schwanger, die eine "nur" verlobt, die andere in legitimer Ehe, aber altersbedingt unfruchtbar – hätten damals beide unter Druck gestanden. Dann kam auch noch die besondere Bedeutung ihrer Schwangerschaft hinzu, wobei die Gefühle mit Sicherheit "Achterbahn fuhren": "Angst und Verzweiflung, zugleich Staunen und Freude machten sich breit", resümierte die Rednerin. Gerade in schwierigen Situationen sei es wichtig, sich jemanden anvertrauen zu können, der ähnliches durchlebt. Auch die Frauen des KDFB, die meisten davon selber Mütter, wüssten sich mit Maria und Elisabeth verbunden, um gemeinsam im Vertrauen auf Gott ihren Lebensweg zu gehen. So sei die Wallfahrt "ein Fest des Glaubens und der Verbundenheit", insbesondere mit Frauen in Not; für eben jene sammelten die Frauen auch am Ende des Gottesdienstes.

Das biblische Vorbild Mariens und Elisabeths stellte auch der Geistliche Beirat des KDFB, Manfred Ertl, in den Mittelpunkt seiner Predigt. Begegnungen prägten unser Leben, betonte er. Vor allem aber komme es auf das "Wie" der Begegnung an: freundlich oder reserviert, offen oder ablehnend, entgegenkommend oder zurückhaltend? Bei der Begegnung von Maria und Elisabeth – "zwei Frauen, die sich mögen, schätzen und füreinander da sein wollen" – habe die Freude sichtbar im Vordergrund gestanden. Domkapitular Ertl kritisierte, dass sich viele Menschen täglich über den Weg liefen ohne sich dabei aber wirklich zu begegnen. Bei Begegnungen sei deshalb auch der Blickkontakt ausschlaggebend. "Der Heilige Geist kann die Menschen in Bewegung bringen, sodass sie sich aufeinander zubewegen", stellte er fest. Bei echten Begegnungen sei immer auch Gott mit dabei, versicherte er. So wünschte Domkapitular Ertl allen anwesenden Frauenbund-Mitgliedern gute Begegnungen in herzlicher Offenheit und eine Begegnung mit Gott wie sie Maria und Elisabeth erfahren durften.

Bei der Gabenbereitung versinnbildlichten mitgebrachte Gegenstände, worauf es bei guten Begegnungen ankommt: ein Stock als Symbol gegen Gewalt in der Welt, eine Uhr für die Fähigkeit, sich Zeit zu nehmen für einsame Menschen, Kaffee und Kleidung aus dem Missionsladen für fair gehandelte Waren, Brot als Zeichen des gemeinsamen Mahls und Wein als Symbol für die Leichtigkeit des Lebens. Die feierliche Lichterprozession über den Kapellplatz mit Statio vor der Gnadenkapelle mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl bildete den feierlichen Abschluss der KDFB-Wallfahrt.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner