Altöttinger Liebfrauenbote

Einkehrtag der Marianischen Männerkongregation Altötting

Von Bruder Konrad lernen

"Von Bruder Konrad lernen" lautete das Motto des ersten von insgesamt vier Einkehrtagen der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC), die traditionell am Anfang eines Jahres stattfinden und heuer den heiligen Klosterpförtner in den Blick nehmen. Im Jubiläumsjahr anlässlich des 200. Geburtstages Br. Konrads von Parzham (1818-1894) erklärte MC-Präses Br. Georg Greimel, weshalb der heilige Kapuzinerbruder auch heute noch als Vorbild dienen kann.

Br. Georg Greimel bei seinem Vortrag über Br. Konrad.
Br. Georg Greimel bei seinem Vortrag über Br. Konrad.

"Viele Worte" kündigte Kapuzinerpater Br. Georg am Anfang seines rund zweieinhalbstündigen Vortrages fast schon entschuldigend den rund 70 teilnehmenden MC-Sodalen an – sind lange Reden doch so gar nicht die Art des schweigsamen Heiligen gewesen. Generell sei es nicht leicht diesen "stillen, nach innen gerichteten" Menschen in einer "lärmenden, nach außen gerichteten Zeit" zu vermitteln. Br. Georg stellte klar: Br. Konrad lasse sich "nicht eins zu eins in unsere Zeit hineinversetzen" oder gar "modernisieren" – nur "mit den Augen des Glaubens" lasse er sich verstehen. Anhand einiger "aktueller" Stichwörter erläuterte er, dass die Botschaft des Heiligen auch heute noch zeitgemäß sei:

Stichwort "individuelle Entfaltung": ein Maßstab der modernen Pädagogik, der fast schon selbstverständlich ist und teils bis hin zu "Egoismus und Rücksichtslosigkeit" übertrieben wird. Neu aber ist er nicht: "Auch Br. Konrad wurde nicht als Heiliger geboren, sondern er entwickelte und entfaltete sich", stellte Br. Georg klar. Johann Birndorfer, wie Br. Konrad vor seinem Ordenseintritt hieß, sei bis zuletzt ein "auffälliger Mensch" gewesen, dessen Frömmigkeit so manchen als übertrieben erschien. Doch Br. Konrad sei fromm, jedoch nicht bigott gewesen; besonders, aber nicht arrogant; einfach und geradlinig, aber eben auch tiefgründig.

Maß und Mitte machen den Unterschied, dies zeigte Br. Georg auch anhand des zweiten Stichwortes auf: "Nähe zur Wirklichkeit". Dass Weltfremdheit und ein "Um sich selbst-Drehen" nicht zum Ziel führen können, ist Grundtenor des Franziskus-Pontifikats und ein Vorwurf, der gerade auch mystisch begabten Heiligen wie Br. Konrad oft gemacht wird. Doch auch er hatte seine Fehler, auch Johann Birndorfer widerfuhren Missgeschicke, wie Br. Georg aufzeigte. Und dass es gerade bei moralischen Fragen keine einfachen Antworten gibt, erläuterte er anhand einer Anekdote aus Fritz Meingasts Biografie "Der heilige Pförtner". Als eine von Johann Birndorfers Schwestern ein uneheliches Kind erwartete – im konservativen und tief katholisch und bäuerlich geprägten Rottal im 19. Jahrhundert ein echtes Problem –, ist der Bruder demnach nicht etwa zornig gewesen: "Du musst es gerne haben, als würdest du es verheiratet kriegen ... Es ist genauso ein Kind Gottes", soll er zu seiner Schwester gesagt haben, und: "Ich lebe so wie ich kann. Lebe du so wie du kannst." Wichtig sei, den Herrgott nicht im Stich zu lassen. Br. Georgs Schlussfolgerung: Wer bete und darüber hinaus die Wirklichkeit im Blick behalte, der lerne achtsam mit seinen Mitmenschen umzugehen.

"Wie Gott will"

Bruder Konrad: Menschenfreund und Gottesmann. Hier in einer Darstellung im Altöttinger St. Magdalenakloster.
Bruder Konrad: Menschenfreund und Gottesmann. Hier in einer Darstellung im Altöttinger St. Magdalenakloster.
Bruder Konrad-Darstellung in Erding, St. Johann.
Bruder Konrad-Darstellung in Erding, St. Johann.

"Heute scheint es, als seien viele auf der Flucht", sagte Br. Georg zum Stichwort "Mobilität". Bruder Konrad dagegen sei als Fußpilger ein "suchender Mensch" gewesen. Ob in Weng, St. Wolfgang, Kronberg, Langwinkl, in Passau Mariahilf, Altötting oder in der Holzkapelle in Lugenz – Johann Birndorfer habe diese Orte aufgesucht, um Zwiesprache mit Gott zu halten und auch heute gebe es viele kleinere und größere Wallfahrtsorte, wo Menschen anstatt zu fliehen, "entschleunigen" und "geistlich auftanken" können.

"Br. Konrad hatte über die Tagesaktualität hinweg einen Sinn für das Tiefere", erklärte Br. Georg mit Blick auf die heutige "Informationsgesellschaft", die meist nur oberflächlich bleibe. Br. Konrad sei durchaus über das tagesaktuelle Geschehen informiert gewesen, er habe auch viele Bücher gelesen – geistliche und auch historische Lektüren. Doch sei er sich dessen bewusst gewesen, dass man vieles "zerreden" könne – laut Br. Georg ist er deshalb auch nicht ins Wirtshaus gegangen. Mehr noch: "Eine Seele, die viel redet, wird nicht zu einem wahrhaft innerlichen Leben kommen", so Br. Konrad. "Der mit Worten sparsame Hoferbe hat sich auf das Wesentliche konzentriert", erklärte Br. Georg das "aktive Schweigen" des Heiligen. Auch während seiner Arbeit als Pförtner habe Br. Konrad durch einen Spalt in der sog. Alexiuszelle stets Jesus im Blick behalten, erinnerte Br. Georg und resümierte: Br. Konrad habe es geschafft, das Beten und Schweigen auf der einen Seite und den Kontakt zur Welt und zu den Menschen andererseits perfekt zusammenzuführen.

"Wir tun, was wir wollen" heiße es heute viel zu oft. "Wie Gott will", war dagegen das Motto Br. Konrads. Die Worte, die er am Sterbebett gesagt hat – als Antwort auf die Frage, wie es ihm gehe –, sind laut Br. Georg eine "Überschrift für sein gesamtes Leben". Für Br. Konrad sei klar gewesen: "Das, was ich sehe, kann nicht alles sein." Die Gottsuche stand daher im Zentrum seines Lebens. Für den ehemaligen Kapuzinerpater Kosmas Wührer sei Br. Konrad ein "progressiver" Mensch gewesen: "voranschreitend, pilgernd in seinem unerschütterlichen Gottvertrauen". Nicht etwa "Frömmelei", sondern wirkliches Vertrauen und echter Glaube habe Br. Konrad ausgezeichnet, wie Br. Georg erklärte. Gerade deshalb konnte er den vielen Menschen, die an seine Pforte klopften, eine echte Hilfe sein, ohne angesichts der täglichen Herausforderungen jemals mürrisch zu werden oder zu verbittern. Seine Kraft für den Alltag habe er aus dem Gebet geschöpft und gerade weil er es geschafft habe, die gewöhnlichen Aufgaben des Alltags "außergewöhnlich" gut zu meistern, sei er weiterhin ein Vorbild. "Heiligkeit kann auch etwas ganz Alltägliches sein", resümierte Br. Georg.

"Heute verschreiben wir uns oft dem schnellen Geld", stellte Br. Georg fest und sagte über Br. Konrad: "Er hatte mit Geld zu tun, aber er setzte auf andere Werte." Seinen Anteil am Hoferbe habe Johann Birndorfer vor seinem Klostereintritt für soziale und kirchliche Zwecke gespendet. Auch würden Menschen heute viel zu oft Bedingungen an die Kirche stellen, anstatt sich um ihren Glauben zu bemühen. "Der Mangel an Vertrauen ist eine der wesentlichen Ursachen für die Glaubenskrise", resümierte Br. Georg – gerade hierbei könne Br. Konrad ein Vorbild sein. "Es gilt Gott in die Köpfe und in die Herzen der Menschen zurückzubringen – ohne Gebet gibt es kein Vertrauen und keinen echten Glauben", stellte Br. Georg klar. Zum Stichwort "Massengesellschaft", in der Menschen vor allem als Nummern registriert sind, sagte er: "Heilige sind keine Massenmenschen. Sie sind Menschen mit Namen, die gegen den Strom schwimmen." Br. Konrad, der Klosterpförtner, sei vor allem durch sein unerschütterliches Gottvertrauen und durch seine Achtsamkeit für die (meist am Rande stehenden) Menschen zu einem "Türöffner des Guten Hirten" geworden. Die MC-Sodalen rief Br. Georg auf, wie der hl. Br. Konrad nicht Zuschauer zu sein, sondern sich im Alltag zu engagieren und Zeuge zu sein für den Glauben.

Text: Michael Glaß, Fotos: Michael Glaß 1 (oben), Roswitha Dorfner 2 (unten)

Br. Konrad-Buchvorstellung und -Ausstellungen: "Konrad von Parzham – Menschenfreund und Gottesmann", lautet der Titel des neuen Buches des Schweizer Kapuzinerbruders Prof. Dr. Niklaus Kuster, das er am Samstag, 27. Januar um 16 Uhr in der Stiftspfarrkirche Altötting vorstellen wird. Im Anschluss werden die beiden Sonderausstellungen "Bruder Konrad – sein Leben" in der Vorhalle zum Romanischen Portal der Stiftspfarrkirche, und "Bruder Konrad – Geburt und Taufe" in den Räumen des Bruder-Konrad-Klosters eröffnet. Die Kapuziner laden herzlich ein! – Siehe dazu auch: Termine zum Bruder Konrad-Jahr 2018