Altöttinger Liebfrauenbote

Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner im Br. Konrad-Jubiläumsjahr – Predigten von P. Norbert Schlenker

Das Kreuz, das Buch des Lebens

Wie jedes Jahr haben die Altöttinger Kapuziner auch heuer die Fastenzeit mit einem Eucharistischen Stundengebet am 17. und 18. Februar in der St. Magdalenakirche eingeläutet. Kapuzinerpater Norbert Schlenker hielt insgesamt vier Predigten zum Leitwort "Jesu Kreuz – unser Buch! – Die Kreuzesnachfolge von Bruder Konrad orientiert an seinem Ordensvater Franz von Assisi". Dabei erklärte er, was einen wirklich "evangelischen" Menschen ausmacht, weshalb sich niemand klein machen muss, um wahrhaft demütig zu sein, dass ein Abschied immer auch Hoffnung bringen kann und wieso das Kreuz ein gutes Lesebuch ist.

Kapuzinerpater Norbert Schlenker predigte in der St. Magdalenakirche.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker predigte in der St. Magdalenakirche.

Wer wirklich evangelisch leben möchte, der ist in der katholischen Kirche sehr gut aufgehoben – dies wurde deutlich in der ersten Predigt von Kapuzinerpater Norbert Schlenker am Samstagvormittag. Der Guardian und stellvertretende Altöttinger Wallfahrtsrektor stellte die beiden Heiligen Franz von Assisi und Br. Konrad von Parzham als "durch und durch evangelische Menschen" vor, als "Männer der Bibel, insbesondere des Evangeliums". Für beide war die Bibel "nicht nur ein Buch", sondern "Träger des Lebens". "Wer die Hl. Schrift nicht kennt, der kennt Gott, der kennt Christus nicht", betonte P. Norbert. Für beide sei das Evangelium, das Beispiel Jesu Christi, nicht nur Grandlage ihres eigenen Lebens gewesen, sondern zugleich "Sendung und Auftrag", "von der großen Liebe, die der Einzelne erfahren hat, weiterzugeben, sie nicht für sich zu behalten, sie vor allen Dingen jenen Menschen zu bringen, die am Rande stehen, die abgeschoben, arm und verlassen sind". In diesem Sinne sei auch der aktuelle Papst ein Vorbild, der "die Haltung und den Geist seines Namenspatrons lebt und ins Heute übersetzt und seinen Zeitgenossen und gerade auch den kirchlichen Amtsträgern empfiehlt, sich nach dem Beispiel des hl. Franziskus ganz am Evangelium zu orientieren".

Nicht zuletzt bedeute ein Leben in der Nachfolge Jesu auch ein Leben in Brüderlichkeit und Gemeinschaft: "Nur einer ist euer Meister, Christus. Ihr alle seid untereinander Brüder", verwies P. Norbert auf das Evangelium (Mt 23,8) und erklärte: "Alle sind gleich, alle sind Brüder, keiner ist der Herr" – die Bedeutung von Gleichheit und Brüderlichkeit hätten Franziskus und seine Gefährten bereits 500 Jahre vor der Französischen Revolution postuliert. Über den heiligen Kapuziner sagte P. Norbert: "Bruder Konrad war wirklich ein Bruder, für seine Brüder im Kloster und für die vielen Menschen, die an seiner Pforte anklopften." Den Gottesdienstteilnehmern empfahl der Prediger "in der Bibel zu lesen, vielleicht sogar täglich". Wie so häufig gelte auch hier der Grundsatz "weniger ist mehr" – "einen kurzen Abschnitt lesen und diesen Text in einigen Minuten der Stille wirken lassen", riet P. Norbert.

Das Zeugnis der Demut

Teilnehmer des Eucharistischen Stundengebets beten vor dem Allerheiligsten. Im Vordergrund ein Lieder- und Textbuch für den hl. Br. Konrad, dessen 200. Geburtstag heuer mit einem Jubiläumsjahr gefeiert wird.
Teilnehmer des Eucharistischen Stundengebets beten vor dem Allerheiligsten. Im Vordergrund ein Lieder- und Textbuch für den hl. Br. Konrad, dessen 200. Geburtstag heuer mit einem Jubiläumsjahr gefeiert wird.

Nach der Eucharistischen Andacht am Samstagnachmittag predigte P. Norbert zu einem Thema, das "für den modernen Menschen" sehr provokant klingt, wie der Prediger selbst zugab: "Das Zeugnis der Demut". Doch hier gehe es nicht um "Katzenbuckelei" oder "Unterwürfigkeit", stellte P. Norbert gleich zu Beginn klar. "Es geht um die Demut Gottes", betonte er. Wer demütig lebt, der macht sich nicht scheinbar kleiner als er ist – im Gegenteil: er orientiert sich am Größten, an Gott, der Mensch wurde und der die Menschen am Kreuz erlöste. P. Norbert las aus einer hymnischen Dichtung des hl. Franziskus: "O erhabene Demut, o demütige Erhabenheit, dass der Herr des Alls, Gott und Gottes Sohn, sich so erniedrigt, dass er sich zu unserem Heil in der anspruchslosen Gestalt des Brotes verbirgt. Seht die Demut Gottes!"

Anhand des Evangeliums von der Fußwaschung (Joh 13, 1ff) und in Anlehnung an das "Letzte Abendmahl" (Mk 14, 17ff) erklärte P. Norbert: "Aus dem Abendmahl, aus der Eucharistie ergibt sich die Fußwaschung und aus der Fußwaschung erwächst die Eucharistie. Gott geht den Weg zum Menschen in der Erniedrigung, im Kleinwerden und im Dienst am Menschen." Sowohl der hl. Franziskus als auch der hl. Br. Konrad wollten es Jesus gleich tun, für beide gehörten der Gottesdienst und der Dienst am Menschen zusammen, beide wollten den Menschen dienen und nicht herrschen, wie P. Norbert ausführte. Er riet den Gottesdienstteilnehmern auf die Mitmenschen zu achten und auch in der "aktuellen Frage unseres Umgangs mit Flüchtlingen gastfreundlich" zu bleiben.

Abschied nehmen können

Kapuzinerpater Norbert Schlenker (l.) mit Kapuzinerpater Siegbert Mayer bei der Feier der Eucharistie.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker (l.) mit Kapuzinerpater Siegbert Mayer bei der Feier der Eucharistie.

Auch in der Fähigkeit Abschied nehmen zu können, seien sowohl der hl. Franziskus als auch der hl. Br. Konrad Vorbilder gewesen, wie P. Norbert in seiner dritten Predigt am Sonntagvormittag erklärte. Franziskus nahm Abschied von seinen Jugendträumen, von einem Leben in Reichtum und Anerkennung und startete buchstäblich mit nichts in den Händen in ein neues Leben; auch als "Bruder Tod" zu ihm kam, sei er gewappnet gewesen. Ähnlich wie Br. Konrad, der bis kurz vor seinem Tod, bis er gar nicht mehr konnte, seinen Dienst tat und schließlich mit dem vertrauensvollen Ausspruch "Wie Gott will" sein Schicksal in Gottes Hände legte, blickte P. Norbert zurück. Schon sein erster großer Abschied, als er sein Erbe an Arme verschenkte, sei ganz im Sinne seiner franziskanischen Berufung geschehen.

"Abschied bedeutet, von etwas Abstand zu nehmen, gleichzeitig aber auch Neues in Angriff zu nehmen", resümierte P. Norbert und riet den Gottesdienstteilnehmern "Abschiede nicht nur zu erleiden, sondern auch anzunehmen und zu gestalten" im Sinne des Evangeliums. Insbesondere empfahl P. Norbert "Beweglichkeit", u.a. auch mit Blick auf ein sich änderndes kirchliches Leben, "auf die Erneuerung unserer Kirche und die Vertiefung unseres Glaubens" – hier gelte es "von manchen äußerlichen Formen in der Kirche, die sich überlebt haben, uns zu verabschieden zugunsten einer neuen persönlichen Beziehung zum Herrn und in den Ausdrucksformen unseres Glaubens z.B. in den Sakramenten", wie P. Norbert u.a. auch mit Verweis auf den aktuellen Hirtenbrief zur Fastenzeit von Bischof Stefan Oster erklärte.

Kreuzesfrömmigkeit

Kapuzinerpater Norbert Schlenker während des Gottesdienstes mit einem Br. Konrad-Lieder- und Textbuch.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker während des Gottesdienstes mit einem Br. Konrad-Lieder- und Textbuch.

"Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach" – mit diesen Worten aus dem Evangelium (Mk 8, 34) leitete P. Norbert seine vierte Predigt am Sonntagnachmittag ein. Christ zu sei, sei "kein gemütlicher Sonntagsspaziergang", es "kann Schmerzen verursachen", warnte er. Unter schwierigsten Umständen habe es der hl. Franziskus geschafft, die Kirche zu erneuern, erinnerte P. Norbert und erklärte: "Das gilt auch für heute: Erneuerung der Kirche ist nur auf dem Weg des Evangeliums, in der Nachfolge und Demut des armen und leidenden Christus, möglich." Sowohl für Franziskus wie auch für Br. Konrad war das Kreuz ein "Lesebuch", aus dem sie herauslasen, worauf es im Leben wirklich ankommt: auf "die Nachfolge des Herrn auf dem Weg des Kreuzes" und auf "die liebende Zuwendung und den liebenden Dienst an den Mitmenschen und allen Geschöpfen Gottes". Denn das Kreuz sei nicht nur "Zeichen des Schmerzes", sondern vor allem "die Zusage von Erlösung und Heil, von Hoffnung und einer Bejahung von Leben und Tod". Den Gottesdienstteilnehmern legte P. Norbert u.a. das Beten des Kreuzweges ans Herz.

Am Ende resümierte P. Norbert: "Wenn wir in diesem 200. Geburtsjahr besonders auf Bruder Konrad schauen und ihn darum bitten, wird er uns sicher als Pförtner der Barmherzigkeit manche Türen öffnen und Wege zeigen, die uns im Sinn und Geiste des Evangeliums näher zum Herrn und zu unseren Mitmenschen finden lassen."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Die Monstranz mit dem Allerheiligsten, getragen von Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl beim Segen anlässlich des Eucharistischen Stundengebets der Kapuziner.
Die Monstranz mit dem Allerheiligsten, getragen von Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl beim Segen anlässlich des Eucharistischen Stundengebets der Kapuziner.
Viele Gläubige, neben Kapuzinern auch Heiligkreuz- und Congregatio Jesu-Schwestern sowie Priester – im Bild Pfr. Ludwig Samereier aus Reischach – kamen zum Eucharistischen Stundengebet in die St. Magdalenakirche.
Viele Gläubige, neben Kapuzinern auch Heiligkreuz- und Congregatio Jesu-Schwestern sowie Priester – im Bild Pfr. Ludwig Samereier aus Reischach – kamen zum Eucharistischen Stundengebet in die St. Magdalenakirche.
Teilnehmer des Eucharistischen Stundengebets beten vor dem Allerheiligsten.
Teilnehmer des Eucharistischen Stundengebets beten vor dem Allerheiligsten.