Altöttinger Liebfrauenbote
Blick in die Ausstellung "Hans Thoma. Wanderer zwischen den Welten".
Blick in die Ausstellung "Hans Thoma. Wanderer zwischen den Welten".

Baden-Baden präsentiert das vielseitige Schaffen von Hans Thoma

"Dass Gott mich führt"

Liebliche Kinderengel und feierlich vorgetragene Szenen aus dem Leben Jesu sind Konstanten im vielseitigen Schaffen von Hans Thoma (1839-1924) – das zeigt das Museum "LA8" in Baden-Baden. Ausgestellt sind Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken. Aber auch bemalte Majolika (Keramik) wie die Reliefplatte mit der musizierenden "Santa Cäcilia" und Stühle, in deren Rückenlehne ein Engel geschnitzt ist.

Bachlandschaft (an der Nidda), 1891, Öl auf Leinwand.
Bachlandschaft (an der Nidda), 1891, Öl auf Leinwand.
Junimorgen – Marxzell, 1911, Öl auf Leinwand.
Junimorgen – Marxzell, 1911, Öl auf Leinwand.
Engelswolke, 1876, Öl auf Leinwand.
Engelswolke, 1876, Öl auf Leinwand.

Der in Bernau im Schwarzwald geborene Hans Thoma wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Über Jahrzehnte ging es mit seiner künstlerischen Karriere nicht recht voran. Aber er blieb zuversichtlich. An Mutter und Schwester schrieb er 1870: "Ich kann nun mit Gewissheit sagen, dass Gott mich führt, und dass er durch dunkle Wege mich führt, bis ich erkannt habe, wie eitel alles ist, was den Menschen so wichtig erscheint, und was auch mir so wichtig erschien." Unverhofft ereilte Thoma mit 51 Jahren doch noch der große Publikumserfolg. Seine 1890 im Münchner Kunstverein ausgestellten Gemälde entwickelten sich zu Verkaufsschlagern. Thoma brachte es zu einem der beliebtesten Künstler Deutschlands. Doch leider ließ er sich von nationalistischen Kreisen, die insbesondere seine idyllischen Schwarzwaldlandschaften und dort angesiedelte Genreszenen verehrten, als "urdeutscher" Maler vereinnahmen. Dieser schiefen Beurteilung seiner Kunst schlossen sich die Nationalsozialisten an, was Thomas Wertschätzung bis heute schadet.

Museumsdirektor Matthias Winzen hat der Schau den Titel "Wanderer zwischen den Welten" gegeben. Das trifft in vielerlei Hinsicht zu. Thoma malte nämlich nicht nur Landschaften des Schwarzwaldes, sondern auch Italiens – und zuweilen kombinierte er beide in einem Bild. In anderen treten mythologische Gestalten wie die Frühlingsgöttin "Flora" auf. Ein besonderes Anliegen waren dem gläubigen Künstler Bilder mit christlicher Botschaft, wie etwa das Gemälde "Ecce Agnus Dei" (1906) zeigt. Rechts vorn steht Johannes der Täufer mit den Füßen im Wasser des Jordan und weist auf den am Ufer in Erscheinung tretenden Jesus Christus: "Sehet das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt." Aus den Äußerungen des Katholiken Thoma geht hervor, dass er mit seiner Kunst zur Überwindung konfessioneller Gegensätze beitragen wollte. Und so finden sich Werke von ihm sowohl in Bernaus katholischer Kirche St. Johann als auch in Heidelbergs evangelischer Universitätskirche St. Peter.

Christliche Motive

Weihnachtsgeschichte.
Weihnachtsgeschichte.
Der dornengekrönte Christus ist eine eindrucksvolle Keramikarbeit von Hans Thoma.
Der dornengekrönte Christus ist eine eindrucksvolle Keramikarbeit von Hans Thoma.
"Ruhe auf der Flucht": Hans Thoma zeigt das Christkind als wahren Menschensohn ohne Heiligenschein.
"Ruhe auf der Flucht": Hans Thoma zeigt das Christkind als wahren Menschensohn ohne Heiligenschein.
"Auferstehung" in der Thoma-Kapelle.
"Auferstehung" in der Thoma-Kapelle.
Gefilde der Seligen.
Gefilde der Seligen.

Thoma war bestrebt, volkstümliche, also allgemein verständliche Kunst zu schaffen. Deren Verbreitung und Popularität beförderte er seit 1891 mit Hunderten von Druckgrafiken. Dabei haben gerade seine christlichen Motive wiederholt etwas Irritierendes an sich. Das gilt zum Beispiel für den nach einer aquarellierten Zeichnung produzierten Lichtdruck "Ruhe auf der Flucht" (1892). Die uns zugewendete Maria mit dem schlummernden Kind im Schoß ist eingenickt. Auch Josef döst. Zwischen den Köpfen des Elternpaares gleißt der Vollmond, um den drei musizierende Kinderengel schweben. Aber da fehlt doch was? Ganz genau: Die Heilige Familie muss ohne Heiligenschein auskommen. Der Jesusknabe sieht deshalb aus wie jedes andere Kleinkind auch. Thoma hatte eben seine sehr persönliche Sicht auf das Heilsgeschehen: "Denn was ist das Christusleben anders, als das ins Symbol erhobene Menschendasein und allgemeines Schicksal."

Großherzog Friedrich I. von Baden berief Thoma 1899 zum Professor der Karlsruher Kunstschule und Direktor der Kunsthalle. In Karlsruhe eröffnete er sich ein weiteres Betätigungsfeld: Als Mitarbeiter der Großherzoglichen Majolika-Manufaktur schuf Thoma Entwürfe für Reliefs, Bemalungen und Ritzzeichnungen. Eine bemalte Fliese zeigt den mit Dornen gekrönten Christus (1908), ein Teller den geharnischten Erzengel Michael mit Schwert und Seelenwaage in den Händen (um 1902). Das Relief über einem Weihwasserbecken stellt den heiligen Christophorus dar (1921). In die Majolika-Produktion setzte Thoma große Hoffnungen: "Die alten religiösen Stoffe könnten sehr gut, mit neuem künstlerischen Gehalte erfüllt, dem Volk geboten werden. Was wäre die Pracht der Majolika eine Zierde für Kirchen!"

Wichtige Leihgaben wie das "Selbstbildnis mit Amor und Tod" (1876) verdankt die Baden-Badener Schau der Kunsthalle im benachbarten Karlsruhe. Die beherbergt fest und unverrückbar in der so genannten "Thoma-Kapelle" das religiöse Vermächtnis des Künstlers. Die zwischen 1905 und 1908 geschaffenen elf Monumentalbilder zeigen mal lichtdurchflutete, mal dunkeltonige Szenen aus dem Leben Jesu. Den Auftakt bildet das Weihnachtsgeschehen. Zum Schluss folgt auf Christi Auferstehung Thomas Bildvision von den Gefilden der Seligen.

Text: Veit-Mario Thiede, Fotos: LA8 Kulturhaus 4 (Thomas Viering 1 (ganz oben), Dieter Conrads 3), Veit-Mario Thiede 5 (unten)

 

Informationen:

  • Hans Thoma: "Wanderer zwischen den Welten", bis 4.3.2018 im Museum LA8, Lichtentaler Allee 8, Baden-Baden. Di.-So. 10-18 Uhr. Geöffnet an allen Feiertagen. Informationen: Tel.: 07221 5007960, Internet: www.museum.la8.de. Eintritt: 7 Euro. Der Katalog aus dem Athena-Verlag kostet 19 Euro.
  • Thoma-Kapelle in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Hans-Thoma-Straße 2-6. Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr. Informationen: Tel.: 0721 9262696, Internet: www.kunsthalle-karlsruhe.de. Eintritt: 12 Euro.