Altöttinger Liebfrauenbote

Auftakt zum Jubiläumsjahr – neues Br. Konrad-Buch vorgestellt

Ein verschmitzter Heiliger

Angekündigt hatte es der Autor selbst bereits im September vergangenen Jahres – doch nun ist es ganz "offiziell" auf dem Markt: Die Vorstellung des neuen Bruder Konrad-Buchs am Samstag, 27. Januar in der Stiftspfarrkirche Altötting war zugleich der erste Höhepunkt im Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag des heiligen Altöttinger Klosterpförtners.

Br. Niklaus Kuster bei der Vorstellung seines Br. Konrad-Buchs am 27. Januar in der Stiftspfarrkirche Altötting.
Br. Niklaus Kuster bei der Vorstellung seines Br. Konrad-Buchs am 27. Januar in der Stiftspfarrkirche Altötting.

Hausherr und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl durfte unter den zahlreichen Gästen auch Bischof em. Wilhelm Schraml, Domdekan Dr. Hans Bauernfeind aus Passau, Zweiter Bürgermeister Wolfgang Sellner und viele Vertreter der Geistlichkeit begrüßen. Mandl dankte dem Verfasser der neuen Br. Konrad-Biografie, dem Schweizer Kapuzinerbruder Dr. Niklaus Kuster ganz herzlich für seine "moderne Arbeitsweise" und "feine Sprachkultur". Das Büchlein müsse eigentlich in jedem Haushalt, insbesondere in Altötting selbst, zu finden sein.

In der Tat hat Br. Niklaus den vielen bereits erschienenen Br. Konrad-Biografien nicht einfach eine weitere, etwas aktuellere hinzugefügt, sondern seinen ganz eigenen Blick auf den Heiligen geworfen und für die Leser so manche überraschende Perspektiven eröffnet. Eloquent mit sympathischer Schweizer Klangfärbung berichtete der Autor in der Stiftspfarrkirche von seiner Wegstrecke mit Bruder Konrad von der ersten Anfrage vor gut einem Jahr über den vierwöchigen Schreibaufenthalt in Altötting im September 2017 bis zum fertigen Buch. Trotz der Vielzahl an Veröffentlichungen über Bruder Konrad habe er den Auftrag gerne angenommen, eine kleine, handliche und preiswerte Biografie zu verfassen, die auch in Schriftenständen ihren Platz finden könne. Schließlich schaue jede Epoche, jede Generation mit neuem Blick, mit neuen Fragen auf die Geschichte, so Br. Niklaus.

Schweizer Außensicht

Niklaus Kuster neben einer Br. Konrad-Statue im St. Magdalena-Kloster in Altötting.
Niklaus Kuster neben einer Br. Konrad-Statue im St. Magdalena-Kloster in Altötting.

Das gelte in kleinerem Maßstab auch für ihn selbst als Schweizer: er könne von außen auf Bruder Konrad schauen, manches in größeren Zusammenhängen sehen, als dies vielleicht den Verfassern der bisherigen, meist in Br. Konrads bayerischer Heimat entstanden Schriften möglich gewesen sei. Ihm habe es jedoch sehr geholfen, mehrere Wochen in eben dieser Heimat verbracht zu haben, um so manchen Brauch, so manche Eigenart besser zu verstehen. Humorvoll verwies Br. Niklaus auch auf unmittelbare Verständnisprobleme beim Lesen der Quellen: so hätten ihm beispielsweise die Kapuzinerbrüder vor Ort erklären müssen, was denn eigentlich "Scheps" sei – nämlich ein naturtrübes Dünnbier mit geringem Alkoholgehalt, das in Bayern für die einfachen Leute gebraut und von den Bauern auch bei Erntearbeiten getrunken wurde. Auch sein von Benedikt XVI. geprägtes Bild des bayerischen Katholizismus habe sich im Laufe der Recherche gewandelt, so Br. Niklaus. So habe ihn die Feststellung überrascht, dass mehrere der Geschwister Johannes Birndorfers – so der Geburtsname von Br. Konrad – Kinder zur Welt brachten, zum Teil Jahre, bevor sie heirateten. Br. Niklaus schreibt im Buch: "Allzu beschämend scheinen uneheliche Geburten und lediges Muttersein im katholischen Milieu jener Zeit nicht gewesen zu sein. (...) Bauernfamilien schienen damals im katholischen Bayern Kinder einer unverheirateten Tochter pragmatisch zu integrieren." Er habe, so der Autor, einen geerdeten, sympathischen, handfesten Katholizismus kennengelernt.

In dieser Umgebung sei es Bruder Konrad in herausragender Weise gelungen, Menschenliebe mit Gottesfreundschaft zu verbinden, seinem Leben Tiefe und Weite zu geben – und das sei die Kunst jeder Spiritualität, so Br. Niklaus. Weitherzig und zugleich tiefgründig zu leben, das wünschten wir uns doch alle.

Fragen aus dem Heute, Antworten aus dem Damals

Br. Konrad präsentiert das neue Buch: Bild am Bruder Konrad-Brunnen in Altötting.
Br. Konrad präsentiert das neue Buch: Bild am Bruder Konrad-Brunnen in Altötting.

Br. Niklaus versteht es in seinem Buch hervorragend, Bruder Konrad und seine Zeit lebendig erscheinen zu lassen, unter anderem indem er seinem Ordensbruder "Briefe" schreibt, ihn direkt anspricht. Für ihn sei das ein Mittel, "mit einem Menschen ins Gespräch zu kommen, der nicht mehr sichtbar, aber dennoch in der Vollendung ansprechbar" sei. Br. Niklaus: "Meine Briefe überbrücken die Distanz der Zeit, sie stellen Fragen aus dem Heute und übersetzen Antworten aus dem Damals".

Zum Schluss dankte der Autor seinem Mitbruder P. Norbert Schlenker, der in der Zeit seines Sabbaticals mit dem Verlag verhandelt und dabei sein Wunschtitelbild für das Buch gegen das Zögern des Verlags durchgesetzt habe. Das Bild von Konrad Habdank zeige einen "verschmitzten Br. Konrad", so Br. Niklaus – genau passend, denn für ihn werde der Heilige zu oft zu ernst dargestellt. Anhand einer kleinen Begebenheit veranschaulichte der Autor, welch ausgeprägten, feinen, aber nie wirklich verletzenden Sinn für Humor Br. Konrad immer wieder gezeigt habe. In einem seiner Briefe an ihn schreibt Br. Niklaus im Buch: "Bruder Anian Butz, von dem schon die Rede war, scherzte einmal über dein inniges Beten in der nächtlichen Klostergruft: 'Bruder Konrad, wenn ich sterbe, lasse ich mich am Eingang der Gruft begraben, damit ich von dir recht viel Weihwasser bekomme!' worauf du halb ernst, halb schalkhaft geantwortet hättest: 'Du wirst es schon brauchen!' Stimmig werde das Titelbild aber erst durch die Hinwendung Br. Konrads zum Kreuz, zu einem Christus, der ihn und uns alle mit weit offenen Armen empfange – zu einem Kreuz, das Bruder Konrad alles bedeutet habe.

Im Anschluss an seine Präsentation beantwortete Br. Niklaus – moderiert von Stadtpfarrer Günther Mandl – geduldig Fragen aus dem Publikum. Nach einem weiteren Stück der Georgenfelder Saitenmusi, die einen wundervollen musikalischen Rahmen zum Anlass schufen, war es an Br. Georg Greimel, das Publikum auf die beiden Ausstellungen zu Br. Konrad einzustimmen, die am selben Tag eröffnet wurden. Zum Schluss dankte noch P. Norbert herzlich allen Beteiligten und lud nach der gemeinsamen Erstbesichtigung der Ausstellungen zu einem kleinen Sektempfang ins Refektorium des Klosters St. Konrad ein.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

Cover des neuen Br. Konrad-Buches.
Cover des neuen Br. Konrad-Buches.

Das Buch von Br. Niklaus Kuster ist auch bei uns im Altöttinger Bücherdienst erhältlich (Tel. 08671 / 9273-0, E-Mail: vertrieb@liebfrauenbote.de). Im allgemeinen Buchhandel erhältlich: Topos Taschenbuch 1115, 144 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 1. Auflage Dezember 2017, 9,95 Euro, ISBN 978-3-8367-1115-9.