Altöttinger Liebfrauenbote
Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl begrüßte im Kultur + Kongressforum Altötting die Pilgerleiter.
Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl begrüßte im Kultur + Kongressforum Altötting die Pilgerleiter.

Dritte "große" Pilgerleitertagung in Altötting mit Bischof Stefan Oster

Unterwegs zu Hause sein

Die Altöttinger Wallfahrtsleitung lud zum dritten Mal in dieser Form zur "großen" Pilgerleitertagung ein und die Resonanz im Bruder-Konrad-Jubiläumsjahr war groß: Etwa 170 Teilnehmer kamen am Samstag, 10. November ins Kultur + Kongressforum Altötting. Sie erlebten eine gelungene Veranstaltung, zu der auch Diözesanbischof Stefan Oster mit einer Impulskatechese und im Rahmen eines festlichen Abschlussgottesdienstes beitrug.

Diözesanbischof Stefan Oster während seiner Impulskatechese.
Diözesanbischof Stefan Oster während seiner Impulskatechese.

Bischof Stefan brachte den Pilgerleiterinnen und -leitern im Rahmen seiner nachmittäglichen Impulskatechese seinen besonderen Dank zum Ausdruck dafür, "dass sich Ihnen Menschen für eine bestimmte Zeit anvertrauen", um Gemeinschaft zu erleben, neu aufzubrechen und "unterwegs zu Hause sein" zu dürfen.

Das Ziel, dem man entgegengehe, sei beim Pilgern auf geheimnisvolle Weise anwesend, betonte er: "Gott geht mit uns, zieht uns in Richtung Ziel!" Besonders die Pilgerleiter/innen stünden in der Pflicht, auch weniger gläubige Wallfahrtsteilnehmer religiöse Erfahrungen machen zu lassen, die in der Tiefe des Herzens berühren. Pilgern sei ein öffentliches Glaubenszeugnis für die Welt mit dem missionarischen Auftrag zur Neuevangelisierung.

Fragen an den Bischof

Pilgerleiter wie im Bild Rudi Zeilhofer (Hallbergmoos) stellten Fragen, ...
Pilgerleiter wie im Bild Rudi Zeilhofer (Hallbergmoos) stellten Fragen, ...
... auf die Bischof Stefan Oster ausführlich einging.
... auf die Bischof Stefan Oster ausführlich einging.

Im Anschluss an das Impulsreferat bestand für die Pilgerleiter die Möglichkeit, Fragen oder auch Verbesserungsvorschläge an den Diözesanbischof zu richten. Franz-Josef von der Heydte (Organisator der Malteser-Wallfahrt mit Kranken und Behinderten) war es ein Anliegen, dass bei Firm- und Kommuniongruppen in den Pfarreien nicht nur die Mütter, sondern die ganzen Familien der betreffenden Kinder mit einbezogen würden, was auf Osters Zustimmung traf.

Pilgerleiter Rudi Zeilhofer (Hallbergmoos) stellte an Bischof Oster die Frage, wie man mit Pilgern umgehen solle, die eine "Vorgeschichte" hätten, z.B. Geschiedene oder wiederverheiratete Geschiedene. Wie könne man diesen erklären, dass sie nach einer anstrengenden Fußwallfahrt und der hl. Messe am Gnadenort nicht zur Kommunion gehen dürfen? Bischof Oster antwortete mit einer berührenden Erzählung einer guten Freundin: Diese hatte eine Familienfeier mit Gottesdienst. Und die in zweiter Ehe verheiratete Frau des Vaters wäre auch gerne zur Kommunion gegangen und sagte dies mit Tränen in den Augen: "Ich habe solche Sehnsucht!" Die "Erzählerin" umarmte die Frau, auch zu Tränen gerührt mit der Antwort: "Ich gehe für dich!" Was bedeute: man müsse als Pilgerleiter auch ein sensibles Gespür für solche Menschen entwickeln, dass diese sich trotzdem in der Glaubensgemeinschaft willkommen und angenommen fühlten.

Wallfahrtsmotto 2019: "Heilen, was verwundet ist"

Zahlreiche Pilgerleiter konnte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl zur Tagung in Altötting begrüßen.
Zahlreiche Pilgerleiter konnte Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl zur Tagung in Altötting begrüßen.
Gudrun Schmid, Sekretärin in der Bischöflichen Kapelladministration, verteilt eine DVD mit dem neuen Br. Konrad-Film an die Pilgerleiter.
Gudrun Schmid, Sekretärin in der Bischöflichen Kapelladministration, verteilt eine DVD mit dem neuen Br. Konrad-Film an die Pilgerleiter.

Der zum 1. März 2019 scheidende Leiter der Polizeiinspektion Altötting, Hannes Schneider, jedenfalls nutzte die Tagung, um sich auf humorvolle Weise von den anwesenden Teilnehmern zu verabschieden. Während seines langjährigen Dienstes auch zur Sicherung der zahlreichen Fußpilgergruppen hatte sich mit vielen Verantwortlichen eine freundschaftliche Verbindung entwickelt.

Die Musikkapelle Altötting gab beim Auftakt der Pilgerleitertagung drei bekannte Marienlieder zum Besten und sorgte somit für den richtigen Einstieg für all diejenigen Honoratioren, die den Pilgerleitern zu Unserer Lieben Frau "was zu sagen hatten". Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl schloss seinem Dank für die "kostbaren Dienste im Amt der Pilgerleitung" ein dringendes Anliegen an: "Bitte sorgen Sie rechtzeitig für geeignete Nachfolger." Im anschließend präsentierten Wallfahrtsmotto 2019, "Heilen, was verwundet ist", ein Verweis auf das Leben und Wirken Jesu, sieht Mandl zugleich den Aufruf von Papst Franziskus und Diözesanbischof Stefan Oster zur missionarischen Neuevangelisierung, zur Erneuerung der Kirche verankert. Neuerungen vermeldete Mandl sodann für die Impulskatechesen 2019 zum Thema "Biblische Heilungsgeschichten": diese fänden nicht mehr, wie gewohnt, am Samstagnachmittag um 14 Uhr in der St. Magdalenakirche, sondern jeweils samstags um 15 Uhr im Filmsaal des Altöttinger Marienwerks statt.

Kapuziner bleiben Wallfahrtsseelsorger

Kapuzinerpater Br. Norbert Schlenker während der Pilgerleitertagung.
Kapuzinerpater Br. Norbert Schlenker während der Pilgerleitertagung.

Der stellvertretende Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker ließ in seiner Rede das Br. Konrad-Jubiläumsjahr 2018 Revue passieren, das am 22. Dezember, dem 200. Geburtstag des hl. Klosterpförtners, nochmal groß gefeiert wird – mit einem Festgottesdienst in der St. Konradkirche und einer abendlichen Fackelwanderung von Parzham ausgehend. Zugleich blickte er voraus auf ein weiteres Br. Konrad-Jubiläum im nächsten Jahr: den 125. Todestag am 21. April 2019. Entschieden bekräftigte P. Norbert, dass Altötting auch nach der beschlossenen Aufgabe von St. Magdalena im Jahr 2022 für die Kapuziner ein Schwerpunktort bleibe, mit der Konzentration auf St. Konrad: "Das Gerücht, die Kapuziner wollen die Wallfahrt aufgeben oder ganz von Altötting weggehen, stimmt nicht!" Gespräche mit dem Bistum hätten ergeben, dass der stellvertretende Wallfahrtsrektor weiterhin von den Kapuzinern gestellt werde, lediglich eine Zusammenlegung der Administration und Kustodie im Zuge einer Verschlankung der Verwaltung, voraussichtlich Ende der Wallfahrtssaison 2021, sei in Planung. Das Bistum habe für St. Magdalena ein Vorkaufsrecht und suche eine neue Ordensgemeinschaft – hier gebe es aber trotz Interessenbekundungen etwa der Brüder Samariter noch keinerlei feste Zusagen.

Das Marienwerk stellt sich vor

Geschäftsführer Josef Herrmann (r.) und Vorsitzender Msgr. Josef Fischer stellten das Altöttinger Marienwerk vor.
Geschäftsführer Josef Herrmann (r.) und Vorsitzender Msgr. Josef Fischer stellten das Altöttinger Marienwerk vor.

Das Altöttinger Marienwerk präsentierte sich mit "Josef dem Arbeiter" (Geschäftsführer Josef Herrmann) und "Josef dem Pfarrer" (Vorsitzender), wie Msgr. Josef Fischer die Verantwortlichen der "marianischen Gebetsgemeinschaft" humorvoll vorstellte. Neben der Wallfahrtsdarstellung in Kunst und Kultur (Schau und Film), Kirchenmusik (Kapellorchester und Kapellsingknaben und Mädchenkantorei sowie deren Förderung) stehe das Marienwerk für eine verstärkte Fokussierung als Gebetsgemeinschaft in der Verehrung unserer lieben Muttergottes.

"Altötting erleben"

Ulrike Kirnich, Direktorin des Wallfahrts- und Verkehrsbüros.
Ulrike Kirnich, Direktorin des Wallfahrts- und Verkehrsbüros.

Von Seiten der Stadt, vertreten durch Bürgermeister Herbert Hofauer und der Direktorin des Altöttinger Wallfahrts- und Verkehrsbüros, Ulrike Kirnich, wurden die Pilgerleiter über interessante Neuerungen und Angebote, um "Altötting zu erleben" informiert. Hofauer wies auf die geplante Aufnahme von Bethlehem in den "Shrines of Europe"-Verbund der Wallfahrtsstädte hin, auf den bevorstehenden Abschluss der Bahnhofssanierung und auf das Gautrachtenfest am 20./21. Juli 2019 als Highlight mit erwarteten 10.000 Teilnehmern.

"Gott ist in allen Dingen gegenwärtig"

Eucharistiefeier mit Bischof Stefan Oster in der St. Konradkirche.
Eucharistiefeier mit Bischof Stefan Oster in der St. Konradkirche.

Einen würdigen Abschluss fand die Pilgerleitertagung beim feierlichen Pontifikalgottesdienst mit Bischof Stefan Oster in der St. Konradkirche, musikalisch gestaltet von den Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei unter Leitung von Herbert Hager.

An Kapuzinerbruder Georg Greimels Jakobsweg-Pilgererlebnis in Frankreich anknüpfend – er hatte dort eine Frau beobachtet, die einen Baum umarmte und küsste – erklärte Bischof Stefan: "Diese Frau hat gespürt, dass die Kraft des Baumes auf sie übergeht, was bedeutet: 'Gott ist in allen Dingen gegenwärtig in allen Geschöpfen lebendig'". Bischof Oster riet den Gläubigen stets offen zu sein für den Herrn, wie es uns Maria und der hl. Bruder Konrad vorgelebt hätten. Abschließend erteilte Oster den Segen mit der Br. Konrad-Reliquie.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner