Altöttinger Liebfrauenbote

Warum Pilgerleiterinnen und -leiter sich engagieren

"Dass es heilsam sei"

Während der Pilgerleitertagung am 10. November in Altötting haben uns einige Teilnehmer verraten, was ihre Motivation für den ehrenamtlichen Einsatz ist und was ihnen selbst das Pilgern bedeutet.

Bernhard Meiler.
Bernhard Meiler.
Diakon Dieter Spöttl.
Diakon Dieter Spöttl.
Alois Kellerer.
Alois Kellerer.
Richard Bögerl.
Richard Bögerl.
Bischof Stefan Oster mit Irene Schumm (M.).
Bischof Stefan Oster mit Irene Schumm (M.).

"Die Wallfahrt gehört zu meinem Leben, schon als Kind habe ich mit meiner Familie die Muttergottes in Altötting besucht. Die heilende Wirkung am Gnadenort kann den Alltag wesentlich verbessern und bereichern", sagt Bernhard Meiler (62), seit 21 Jahren Pilgerleiter und 36 Jahre Fußpilger bei der großen Regensburger Fußwallfahrt.

Für Diakon Dieter Spöttl (56), seit über 30 Jahren Pilgerleiter der Eichenrieder Fußwallfahrt, ist Altötting zur zweiten Heimat geworden. Er komme nicht nur Pfingsten, sondern mehrmals im Jahr zum Gnadenort – ein Ort, der für eine Weichenstellung in jungen Jahren gesorgt hat und ihn zum Diakonat geführt hat: "Mir würde was abgehen, wenn ich nicht hierherkäme!"

Der ehemalige zweite Pilgerleiter der Hallertauer Fußwallfahrt, Alois Kellerer (66) hat sein Amt wegen "Landeswechsel" abgegeben, ist aber seit 1977 stets fußpilgernd mit dabei. "Nach dem ersten Mal hab ich gesagt: 'Nie wieder', weiß bis heute nicht, warum ich weitergemacht hab, liegt wahrscheinlich am bekannten 'Pilgervirus'", meint er schmunzelnd mit dem Versprechen: "Kein Ende in Sicht – so lange es gesundheitlich geht!"

Richard Bögerl (54) schließlich, Pilgerleiter der Oberpfälzer Fußpilger, sieht im Sinn einer Wallfahrt, "dass die Teilnehmer 'berührt' werden. In den Tagen der Wallfahrt, in denen nichts wichtig ist, nicht einmal das Wetter, da es kein Wetter gibt, das unseren Weg verändern kann, kann jeder über sich, seine Familie, über das, was jedem wichtig ist oder womit jeder kämpfen muss, nachdenken und sich damit auseinandersetzen."
Bögerl ist seit 2005 Vorbeter, seit 2011 Pilgerführer der Beilngrieser Gruppe und seit 2016 Gesamtpilgerleiter der Oberpfälzer Fußwallfahrer. Heuer ist er das 35. Mal nach Altötting und das 15. Mal wieder zurück nach Bettbrunn gepilgert. "Ich spüre", so Bögerl, "dass die Wallfahrer in den Tagen der Wallfahrt sehr offen sind und etwas suchen, auch wenn sie vielleicht nicht immer genau wissen, was sie suchen. Dazu versuche ich, neben den Gebeten entsprechende Texte vorzulesen und in einer anschließenden Stille die Gelegenheit zu bieten, über die Texte nachdenken zu können. Dabei wünsche ich mir, dass die Wallfahrer dadurch verändert werden bzw. eine andere Sicht auf das, was sie bewegt, auf ihre Sorgen und Nöte, bekommen. Dass unsere Wallfahrt heilsam sei, wie wir in unserem Wallfahrtsgebet beten. Diese Veränderung, diese andere Sicht der Dinge, soll von den Wallfahrern, so wünsche ich mir dies, in die Familien und auch in die Pfarreien hineingetragen werden, um auch dort etwas verändern zu können. Dazu versuchen wir, durch das Organisationsteam die Wallfahrt gut vorzubereiten und durchzuführen, damit die Wallfahrer die Wallfahrt bezüglich des Ablaufs sorglos erleben und sich so ganz mit sich befassen und mit den anderen Pilgern berührende Tage erleben können."

Das ist sicher der Wunsch aller, die sich für die Wallfahrt an den Gnadenort engagieren – auch der von Irene Schumm (86), die über 100 Bahn- und Buswallfahrten von Bamberg nach Altötting geführt hat und selbstverständlich auch in diesem Jahr wieder dabei war.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner